Neresheim / Ulrike Schneider Am Neresheimer Kloster müssen als nächstes 1,8 Hektar Dachfläche und die Außenmauern renoviert werden. Doch dazu fehlen die finanziellen Mittel.

Zwanzig Jahre lang hat das Kloster Neresheim jährlich gut eine halbe Million Euro Fördergelder aus dem Etat des Landes Baden-Württemberg erhalten. Seit fünf Jahren ist mit der staatlichen Förderpauschale für die Sanierung der Klostergebäude Schluss. Doch das Benediktinerkloster hat weiterhin großen Sanierungsbedarf. Vor allem Teile der Ökonomiegebäude haben ein großes Sanierungsdefizit. 1,8 Hektar Dachfläche umfasst der Gebäudekomplex, der als nächstes zur Renovierung ansteht.

Vorläufiger Sanierungsstopp

Wer sich dem Kloster nähert, sieht schon von fern, wo Handwerker ordentlich Hand anlegen müssten. „Dafür brauchen wir elf Millionen Euro, nur um die Dachflächen und die Wände von außen zur sanieren“, erklärt Konventualprior Pater Albert Knebel. Geld, das der Neresheimer Konvent nicht habe.

„Wir haben im vergangenen Jahr die Abteikirche ertüchtigt“, erinnert Konventualprior Pater Albert. Derzeit arbeite man noch an der Erneuerung des Kreuzganges. Zwei Bauabschnitte sind dafür vorgesehen. Die Arbeiten neigen sich demnächst dem Ende zu. „Bald müssen wir aufhören zu renovieren – zumindest vorläufig“, sagt der Klosterobere Pater Albert.

Die Kloster-Millionen

Der Grund? „Es fehlen uns die finanziellen Mittel“, sagt Pater Albert. Da stellt sich die Frage, ob das Kloster nicht über ein entsprechendes Vermögen verfügt. Vor allem, nachdem vor sieben Jahren Pater Albert vier Millionen Euro auf geheimen Konten entdeckt hat, die sein Vorgänger Abt Norbert Stoffels angelegt hatte. Und die der Bundesgerichtshof dem Kloster in letzter Instanz zugesprochen hat.

Einnahmemöglichkeiten sind begrenzt

„Wir haben Rücklagen – aber nicht in einer solchen Höhe, wie es sich vielleicht manche Mitmenschen vorstellen“, beschreibt der Klosterobere die Situation. Viel Geld sei bereits in die Renovierung von Abteikirche und Klostergebäude geflossen. Die aktuelle Rücklage müsse nun Rücklage bleiben. „Wir dürfen nicht unser ganzes Geld ausgeben, weil wir noch Geld für die Kranken- und Altenpflege unserer Mitbrüder vorhalten müssen“, erklärt der Leiter des Klosters. Zumal die Einnahmemöglichkeiten des Konvents begrenzt seien.

Heute besitzen die Neresheimer Benediktiner noch die Klosteranlage sowie 200 Hektar Fläche Land. Im Vergleich zu früher hat sich damit bei den Finanzen die Basis geändert. Klöster müssen sich heute Dienstleistungen „einkaufen“ – etwa die Betreuung älterer Mitbrüder in Pflegeheimen.

Klosterfinanzen im Wandel

Einst haben Landesherren die Klöster mit den nötigen Mitteln ausgestattet – etwa durch Ländereien und Dörfer. So auch in Neresheim. In einem komplexen System mit dem „Zehnten“ sei der Konvent finanziell abgesichert gewesen.

„Das erkennt man heute noch am Torgebäude, das einst Prälatur war, der Amtssitz des Abts“, erzählt Pater Albert. Dort, im „Schlossteil der Anlage“, hatten Pater Alberts Vorgänger Verwaltungsverantwortung und politische Funktion gleichermaßen inne. „Das eigentliche Kloster befindet sich im Osten“, fügt der Obere hinzu.

Wunderschöne Last

Neben den Einnahmen heute – etwa aus Verpachtungen – erhalten die Neresheimer Benediktiner finanzielle Unterstützung für ihre Gebäude vom Förderverein zur Erhaltung der Abteikirche und vom Landesdenkmalamt. Das reicht, so Pater Albert, für die laufenden Reparaturen, nicht aber für eine solch große und teure Maßnahme wie die Dachsanierung.

Vor diesem Hintergrund sind für den Neresheimer Konvent „die klösterlichen Gebäude zwar wunderschön – aber eben auch eine Last“, sagt Pater Albert. „Ich bin froh, dass das Konventgebäude und die Abteikirche bereits restauriert sind“, fügt er an.

Im Oktober verhandelt das Oberlandesgericht Stuttgart die Affäre um die Klostermillionen. Im November folgt die nächste Verhandlung.

Kein Geld von der katholischen Kirche

Was die Benediktinermönche einnehmen, finanziert ihr Leben. Das heißt, der Konvent verwaltet seinen Haushalt und sein Vermögen in eigener Verantwortung. Er erhält keine Gelder von der katholischen Kirche.