Vor Kurzem war es erst wieder so weit: Im Schwäbischen Donaumoos zwischen Riedheim und Bächingen an der Brenz rückten Vogelkundler der „Ornithologischen Arbeitsgruppe Schwäbisches Donaumoos“ zur alljährlichen Greifvogelzählung aus. Am letzten Januarwochenende wird diese Zählung wiederholt. Mit den beiden winterlichen Erfassungen wird laut der Pressemitteilung der Greifvogelbestand ermittelt, die seit 1993 von der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos initiiert und koordiniert werden.

Mäusebussard und Turmfalke am häufigsten

Gezählt wird entlang von Straßen und Wegen. Je nach Offenheit des Geländes wird alle paar Hundert Meter ein Stopp eingelegt und das Gebiet mit Fernglas oder Spektiv weiträumig nach Vögeln abgesucht. Manchmal sind Seltenheiten wie Raufußbussard, Seeadler, oder wie in diesem Jahr ein noch spät ziehender Fischadler, zu sehen. Mäusebussard und Turmfalke sind die in Mitteleuropa am weitesten verbreiteten Greifvögel und auch im Schwäbischen Donaumoos am häufigsten anzutreffen.

Die Ergebnisse der Zählung waren niedriger als in den Vorjahren. Etwa 100 Mäusebussarde und 30 Turmfalken wurden erfasst, halb so viel wie üblich. „Das ist erklärbar“, sagt Raphael Rehm von der Arbeitsgemeinschaft, der selbst seit zehn Jahren an der Zählung teilnimmt. „2021 war bis in den Spätsommer hinein ein relativ nasses Jahr, wodurch die Kleinsäugerbestände zusammengebrochen sind. Das spiegelt sich nun im Greifvogelbestand wider. Wenn das Nahrungsangebot nicht stimmt, ziehen die Tiere weiter.“

Beute der Greifvögel nimmt ab

Die Anzahl an Feldmäusen schwankt stark in regelmäßigen Abständen, abhängig von den lokalen Witterungsbedingungen, Habitatstrukturen und der landwirtschaftlichen Nutzung. Etwa alle drei Jahre gibt es massenhafte Vermehrungen. Ist der Höhepunkt der Gradation überschritten, brechen die Bestände großflächig und binnen kürzester Zeit zusammen mit logischen Folgen für die Beutegreifer. Massenvermehrung und Zusammenbruch sind natürliche Verläufe. „Schwankungen bei den Greifvogelbeständen innerhalb weniger Jahre sind also normal“, erklärt Rehm.

Insgesamt haben die Winterbestände der Mäusebussarde seit 1993 deutlich abgenommen. Das ist durch die intensivere Nutzung und immer weiter fortschreitende Bebauung der Landschaft nachvollziehbar. Dadurch verringert sich die mögliche Anzahl an Brutpaaren pro Fläche. Die Turmfalken-Bestände schwanken über die Jahre stark. Ob die höheren Zahlen der letzten Jahre eine Bestandserholung andeuten, muss noch abgewartet werden.

Besorgnis bereitet die Entwicklung der Kornweihen, denn die Winterzahlen dieser Art nehmen immer weiter ab. Vielleicht, so mutmaßt die Arbeitsgemeinschaft, überwintern die Vögel aufgrund der milderen Winter mit geringeren Schneedecken weiter im Norden als früher. Manche Arten, wie der Rotmilan, werden mittlerweile wieder häufiger als noch vor ein paar Jahren gezählt. Durch die milden Winter und dadurch ganzjährig ausreichendem Nahrungsangebot ziehen die Vögel nicht mehr ab.

Steinheim/Bartholomä