Neresheim / Klaus-Dieter Kirschner Im Alter von 85 Jahren starb vor wenigen Tagen der bekannte Neresheimer Benediktinerpater und exzellente Organist Hugo Weihermüller.

Einer seiner letzten Auftritte in der Öffentlichkeit war im März 2018, als in der Turmkapelle der Benediktinerabtei eine Messe zur Anrufung des Heiligen Geistes aus Anlass der Wahl eines neuen Oberen des Klosters Neresheim gefeiert wurde. Gestützt auf einen Rollator begab sich Pater Hugo (Wolfgang) Weihermüller zur Orgelbank, um wie all die Jahre seinen Dienst an der Musica sacra zu tun. Der einst so stattliche Mann war nur noch ein Schatten seiner selbst, aber seine Augen strahlten Freude und Geborgenheit aus.

Dem Gott, dem der 1934 geborene Aalener ein Leben lang als Mönch diente, verdankte der Pater zahlreiche Gaben. Er galt als vielseitiger Künstler und Kalligraph, war ein vielgefragter Orgel-Experte und letztlich auch ein ausgezeichneter Organist. Die berühmte Holzhey-Orgel in der Abteikirche stellt insofern eine große Herausforderung an jeden Musiker dar, als jeder Ton neun Sekunden Nachhall hat.

Erbauer der Neresheimer Papierorgel

1955 trat Weihermüller ins Kloster ein – und mit ihm Norbert Stoffels, der später 35 Jahre als Abt wirkte und wie er 1961 die Priesterweihe empfing. Beide erlebten 2011 den 50. Jahrestag ihrer Priesterweihe, wobei Stoffels damals schon schwer von seiner Krebserkrankung gezeichnet war.

Die Profess – das ewige Ordensgelübde – legte Weihermüller 1956 ab. Es folgten Jahre des Studiums der Philologie und der Theologie. Von 1963 bis 1966 studierte er an der Musikhochschule Stuttgart. Die Liebe zur Königin aller Instrumente, der Orgel, verewigte Weihermüller in der Neresheimer Papierorgel. Das spiel- wie hörbare Instrument ist einmanualig und umfasst 49 Pfeifen, die aus Elefantenhautpapier entstanden sind. Daran baute er in den Jahren 1960 bis 1966.

Meister der Holzhey-Orgel

Das vielfältige künstlerische Schaffen Weihermüllers fand seinen Höhepunkt in einer zwölfjährigen Schreibarbeit. Mit Tusche und Feder schrieb der Benediktiner die Bibel ab, illustrierte sie mit eigenen (gezeichneten) Grundrissen bedeutender sakraler oder weltlicher Gebäude und fertigte dazu außerdem die verzierten Buchdeckel aus Holz.

Als zwischen 1970 und 1979 die Holzhey-Orgel in der Abtei renoviert wurde, war Hugo Weihermüller gewissermaßen der Bauleiter. Über ihn schrieb der Klostervorsteher, Konventualprior Albert Knebel, in der Traueranzeige voller Hochachtung: „Während des Spiels der Orgel sang er in seinem Herzen unablässig nur dem Herrn.“

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