Oberkochen / Herbert Kullmann Zwei Herzen schlagen in Jörg Stockingers Brust: Die des Musikers und die des Kochs. Im Rahmen der „Jazz Lights“ Oberkochen kann er beidem nachgehen. Ein Portrait.

Ist das Jake Blues oder Elwood Blues? Hut und Sonnenbrille, tatsächlich könnte er einer von den Blues Brothers sein, wenn da nicht all diese Küchengeräte wären. Doch der Mann am Herd ist Jörg Stockinger, seines Zeichens Küchenmeister und damit Herr über alle Töpfe und Pfannen. Stockinger ist nicht nur Chef de Cuisine bei der Oberkochener Firma Leitz, sondern auch Musiker. Er singt leidenschaftlich gerne – statt nach Franz Schubert und Ferdinand Silcher steht ihm der Sinn jedoch eher nach Rock. Und das schon fast immer.

Sein rockiges Erweckungserlebnis hat er in den frühen 1970er-Jahren, zu jener Zeit, als die Hippie-Ära ihren Zenit bereits überschritten hatte, musikalisch aber noch allgegenwärtig war. „Im Heidenheimer Stadtpark trafen sich immer Freaks zum Rock’n’Roll, da habe ich mich einfach dazu gesellt“, verrät Stockinger.

Die mitgebrachte Klampfe war alt und hatte nur noch drei Saiten. Kein Problem, denn spielen konnte er sowieso nicht. Doch irgendwie zupfte sich der Nachwuchshippie zu Bob Dylans „Blowin in the wind“ durch. Als die Heidenheimer Band „Blues Pilz“ einen Roadie suchte, war Jörg Stockinger gleich Feuer und Flamme. Licht- und Tontechnik, Betreuung der Backline – „wir hatten alle Hände voll zu tun.“

Vom Jimi Hendrix der Ostalb

Damals habe er auch zum ersten Mal Siggi Schwarz in der Oberkochener Dreißentalhalle gehört. „Ich war hellauf begeistert. Für mich war und ist er der Jimi Hendrix der Ostalb.“ Eine nachhaltige Begeisterung, die mit dazu beitrug, dass Stockinger mit seinem Freund „Zappa“ Zaepernik im Sommer 1978 zum Rockfestival nach Nancy trampte, um Siggi zuzujubeln, der dort mit „Blues Pilz“ einen Gig hatte.

Nachhaltig deshalb, weil es nun an der Zeit war, selbst aktiv zu werden. Gemeinsam mit „Zappa“ und Klaus Mohr gründete er eine eigene Band: „Rockwurschd“. „Das Mikrofon stammte von einem Kassettenrekorder. Uns fehlte es eben an allem. Aber es war eine coole Zeit.“

Die Musik fiel freilich nicht aus heiterem Himmel auf Jörg Stockinger. Sein Vater bediente täglich das Klavier. An manchen Tagen kamen seine Orchesterkollegen zur Hausmusik ins Wohnzimmer. „Im Grunde genommen gab es bei uns den lieben langen Tag Musik. Und ich mit meiner Geige mittendrin.“ Als Siggi Schwarz dann 1986 mit Danny O’Steen die Gruppe „Split“ gründete, stieg Stockinger ab und an als Sänger mit ein – so richtig jedoch erst bei „Gamblin’ Blues“.

Zwei Leidenschaften

Doch Musik ist nur eine seiner Leidenschaften. Die zweite heißt Kochen. Statt eine große Musikerkarriere anzustreben, entschied sich der junge Mann für die handfeste Alternative: eine Lehre als Koch. „Da ging’s bei wenig Lohn von morgens bis abends zur Sache.“ Doch er brannte dafür und absolvierte später noch eine zweite Lehrzeit bei Starkoch Vincent Kling. Anfang der 90er wurde die Heidenheimer „Weinstube“ sein erstes Lokal. „Meine Art zu kochen machte schnell die Runde. Dafür fraß der Erfolg mein Privatleben auf. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.“

Über die Musik lernte er Anfang der 2000er den vor zwei Jahren verstorbenen Leitz-Chef Dr. Dieter Brucklacher kennen. „Ich hatte ihn damals zur ,Kultur im König’ eingeladen. Das war die Zeit, in der die Musik mich voll im Griff hatte.“ So kam Stockinger zum Catering für die „Jazz Lights“ und wurde schließlich Küchenchef bei Leitz. „Endlich geregelte Arbeitszeiten und ganz viel Zeit für Musik.“

Am Freitag in Königsbronn

Längst war auch der Kontakt zu Siggi Schwarz wieder eng und Stockinger, wenn er nicht gerade in der Küche stand, wieder voll in seinem Element. Bis heute.

Jimi Hendrix „Purple Haze“, Hootchi Koos „Rock’n Roll“ oder Joe Cockers „First we take Manhattan“ – bei den nächsten „Jazz Lights“ steht er am kommenden Freitag, 29. März, am Mikrofon, um in der Königsbronner Hammerschmiede im Rahmen des Konzertes von Siggi Schwarz unter dem Titel „A Tribute to Woodstock“ zu singen.

Mit Siggi Schwarz und Band sollen all die alten Woodstock-Hits Wiederauferstehung feiern. Hendrix, Joe Cocker, „Santana“, „Ten Years After“, um nur einige zu nennen. Nicht nur Stockinger wird mit dabei sein, auch Claudia Cane und Frank Diez, der einst gemeinsam mit Jimi Hendrix auf der Bühne stand.

Woodstock in Königsbronn

Im Rahmen der „Jazz Lights“ Oberkochen findet am Freitag, 29. März, um 20 Uhr ein Konzert unter dem Titel „A Tribut to Woodstock“ mit Siggi Schwarz und Band in der Königsbronner Hammerschmiede statt, bei dem Stockinger mit dabei sein wird.