Mit ihrem selbstgewählten Reisebesuch nach Ankara/Türkei haben die EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen und der EU-Ratspräsident Charles Michel den türkischen Präsidenten und Autokraten Erdogan nicht nur geadelt, sondern eine beispiellose Kniefallpolitik inziniert.

Es hat jedenfalls den Anschein, dass die EU sich als Staatengemeinschaft nicht mehr für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit inressiert. Anders kann man diese Kniefallpolitik der EU-Spitzenpolitiker nicht nennen.

Denn diese brennenden Themen waren jedenfalls bei diesem Ankara-Gipfeltreffenvtabu.

Dies obwohl erst vor wenigen Wochen Erdogan die völkerrechtliche Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen kündigte, obgleich doch täglich Frauen überall im Lande ermordet werden.

Auch will der türkische Autokrat Erdogan die kurdisch-linke Oppositionspartei HDP verbieten lassen und die Wortführer der größten Oppositionspartei, der sozialdemokratisch-kemalistischen CHP, wurden bereits wegen angeblicher Vorbereitung für einen Putschversuch festgenommen und sind ins Gefängnis geworfen worden.

In einer solchen gegenwärtigen Situation Erdogan mal eben in Ankara zu besuchen ist jedenfalls mehr als instinktlos.

Dabei erhebt der Präsident bei diesem Besuch als Belohnung seiner Flüchtlingspolitik Forderungen nach einer Ausweitung der Zollunion mit der EU, Wegfall der Visapflicht sowie weitere Milliarden Euro für ihre Flüchtlingspolitik und droht mit der Grenzöffnung zum Westen.

Da kann es nur eine Antwort geben: Wer sein Volk so knechtet, knebelt und drangsaliert, hat seine Eintrittskarte zur EU längst verspielt.

Karl Maier, Unterkochen