Emotional sehr berührt habe ich den Leserbrief von Frau Leibersberger gelesen. Meinen großen Respekt für ihre Ehrlichkeit. Dieser Leserbrief müsste allen politischen Entscheidungsträgern in ganz Deutschland zugänglich gemacht werden.

Frau Leibersberger hat recht, die Kinder und Schüler müssen in die Kindergärten und Schulen zurück, und dies sofort. Die Schulen sind jetzt 8 Wochen geschlossen, und zumindest ab der 5. Klasse heißt es, eine erneute Öffnung erst nach den Osterferien, das sind nochmal 7 Wochen. Es muss doch möglich sein, einen vernünftigen Wechselunterricht mit halbierten, aber festen Klassen, hinzubekommen. Die eine Hälfte ist präsent und die andere Hälfte macht Homeschooling in Form einer angeschlossenen Videokonferenz, oder wenn das nicht möglich ist bei den kleineren Schülern, in Form von Aufgaben. Am nächsten Tag ist die andere Klassenhälfte dran. Zusätzlich kann man zur Stressentzerrung den Lehrplan kurzfristig entrümpeln.

Irgendwelche Gedichtsinterpretationen sind in Coronazeiten sicher nicht fürs Leben wichtig. Bei meiner Tochter ist vor einigen Jahren lehrermangelbedingt der Musikunterricht gestrichen worden. Das ging dann einfach so. Wieso kann das in dieser Coronasituation in Nebenfächern nicht ebenso gemacht werden? Wie ich vor kurzem mitbekommen habe, wäre es auch sinnvoll, bei einberufenen Klassenarbeiten nicht wieder die ganze Klasse mit 30 Schülern zusammen in ein Klassenzimmer zu setzen.

Ebenfalls der Sport- oder Religionsunterricht muss in dieser festen halbierten Klassengemeinschaft stattfinden. Letzten Herbst bei schon hohen Inzidenzwerten fand in manchen Schulen der Sportunterricht sogar noch zusammen mit der Parallelklasse statt. In solchen Situationen hat sicher niemand etwas gegen einen coronabedingten Unterrichtsausfall, nicht wie jetzt, dann ganz dicht zu machen. Die Schulen brauchen konkrete Anweisungen des Kultusministeriums und müssen von dessen Druck, keinen Unterricht ausfallen zu lassen, entlastet werden. Zusätzlich sind bei den Klassenteilungen/Wechselunterricht die Schulbusse dann auch nur zu 50% belegt.

Solche Situationen, wie Frau Leibersberger sie in ihrer Kindheit erlebt hat, sind auf jeden Fall in die momentanen Entscheidungen der Landesregierung miteinzubeziehen.

Die Schulen müssen sofort wieder geöffnet werden, mit einer einheitlichen Struktur, unterstützt und verantwortungsübernehmend durch das Kulturministerium.

Die Folgen und auch Spätfolgen werden das Land noch lange verfolgen. Dies nicht nur bei unseren leidenden Kindern und Jugendlichen, sondern auch im Einzelhandel und bei vielen anderen Gewerbetreibenden mit ihren guten Hygienekonzepten, bei denen gerade ganze Existenzen vernichtet werden. Selbst von manchen Senioren hört man, dass ihnen ihre letzten Jahre gestohlen werden. Die Psychiatrien sind schon jetzt überbelegt.

Bei den Tagesveröffentlichungen der Coronazahlen fehlt mir die Belegung der Corona-Intensivbetten, welche bis vor kurzem als Kriterium einer Überlastung des Gesundheitssystems und als Hauptgrund für den harten Lockdown gegolten hat. Diese coronabedingte Intensivbettenbelegung liegt übrigens momentan in Heidenheim bei 0.

Sollten sich die Mutationen durchsetzen, dürfte eine kurzfristige Anpassung der Regeln des jeweiligen Landkreises nicht das größte Problem sein. Leider ist unser Staatsapparat sehr schwerfällig. Wie im letzten Herbst, als Entscheidungen bei rasant steigenden Inzidenzzahlen fällig waren - und die längste Zeit ausblieben. Der bereits lange festgesetzte Inzidenzwert von 50 für einen geplanten Wechselunterricht wurde ignoriert, dieser musste erst auf fast 200 Mitte Dezember 2020 steigen, dann erst folgte ein harter Lockdown.

Dafür gibt es jetzt einen noch niedrigeren festgesetzten Wert der Regierung von 35, nichtsahnend, was dies für die Kinder, Jugendliche und viele Menschen bedeutet.

Die Landesregierung hat momentan nur den einen und oft unsinnigen Scheuklappenblick des harten Lockdowns.

Ursula Sauter, Syrgenstein