Sontheim/Bachhagel / HZ Leserbriefum Artikel „Die Jungen wissen das ja nicht“ vom 24. April.

Der Wahlsieg der Nationalsozialisten 1933 zog schwerwiegende Reformen nach sich. Pressefreiheit stark eingeschränkt und Tür und Tor für Populismus und die Propaganda der NSDAP geöffnet. Viele Bürger in dieser Zeit wussten sehr wohl, dass es dann sehr populistisch in ihren jeweiligen Tageszeitungen zuging, aber glaubten an eine glorreiche Zukunft und schwiegen. Die Siege der Deutschen Streitkräfte über Polen, Frankreich, die Beneluxstaaten und Norwegen wurden sogar in den kleinsten Orten mit Glockengeläutund viel Euphorie gefeiert.

Im letzten Kriegsjahr war die Stimmung sehr gedrückt; Verzweiflung, aber auch Hass auf die Feinde des Dritten Reichs nahmen stark zu und die eingefleischten NS-Ortsgruppenleiter hofften und predigten bis zur letzten Stunde auf die angekündigten Wunderwaffen des Führers. So war es auch in unseren Regionen. Man kann Herrn Wipplinger gut verstehen, wenn er die Nazizeit aufarbeitet und nach Erklärungen sucht.

Im Waldgürtel zwischen Bissingen ob Lontal und Wittislingen waren Mitte April 1945 Abteilungen der „SS-Totenkopf-Division“ und zwei Abteilungen einer Volksgrenadier-Division eingesetzt, die den Auftrag hatten, die auf die Donauübergänge vorrückende US.12th Armored Division „Hellcats“ aufzuhalten. Als die US.4th Infantry Division „Ivy“ von Aalen über Heidenheim kommend, Brenz, Sontheim und Bächingen besetzen wollten, kam es zu erbitterten Feuergefechten zwischen Sontheim/Brenz und Gundelfingen/Donau bei denen auch GIs trotz der weißen Fahnen ihr Leben verloren.

Bei vielen Berichten von betroffenen deutschen Zeitzeugen über das Kriegsende, zeigt sich leider vielmehr die Opferrolle. Im April 1945 kam die Front, die immer so weit weg war, mit all seinen Auswirkungen auch ins bis dahin friedliche Brenztal und Donautal.

Joe Schmid,

Bachhagel