Die Flugzeug-Anschläge auf das World Trade Center in New York waren für den damaligen Präsidenten Georg W. Bush Anlass, über 20 Jahre Krieg gegen Afghanistan zu führen, obwohl unter den 19 Attentätern nicht ein Afghane war. Allein 15 der Terroristen kamen aus Saudi-Arabien, ein enger Verbündeter der USA. Diese Anschläge setzten eine Kette von Ereignissen in Gang, die Kriege in Afghanistan und dem Irak, die Tötung Osama bin Ladens und auch der Fall von Kabul im August dieses Jahres.

Den Terror dort zu bekämpfen, wurde zu einer unkontrollierbaren Lawine, wo es aus heutiger Sichtweise nur Verlierer gab. Ja, der Anti-Terrorkampf, angeführt von den USA, erschuf auch neuen Terrorismus – auch in Europa. Anschläge von Paris, Brüssel, Berlin zeugen davon. Und bei genauer Betrachtung und geheimer Dokumentenveröffentlichung von Wikileaks ging es bei der Invasion von Afghanistan um strategische Interessen, nämlich den dortigen Rohstoffreichtum zu sichern.

Man kann es jedenfalls nehmen, wie man will. Rund 65.000 weniger gut ausgerüstete Taliban zwangen über 40 Länder unter Führung der USA und Nato-Staaten mit bis zu 120.000 Soldaten und modernster Technik zur bedingungslosen Kapitulation sowie zur desaströsen Flucht aus Kabul. Und einen Großteil der Ortskräfte ließ man bis heute im Stich. Wie heißt es doch: Der Feind liebt den Verrat, aber nicht den Verräter.

Und man muss es deutlich sagen: Es war auch 15 Jahre lang der Krieg der Kanzlerin, verbunden mit dem höchsten Blutzoll und schmerzlichen Tod von 59 deutschen Soldaten in Afghanistan. In ihrer jüngsten Regierungserklärung war jedenfalls wenig bis gar nichts über eigene Verantwortung zu hören. Eines zeigte Afghanistan aber mehr als deutlich: Krieg taugt nicht zur Lösung von Problemen.

Das Gebot der Stunde muss sein, dass die internationale Staatengemeinschaft humanitäre Hilfe dem geschundenen Afghanistan-Volk zukommen lässt.
Karl  Maier, Unterkochen