Normalerweise fahren sie Touristen zum Bummeln nach Mailand oder Sightseeing nach Berlin, bringen FCH-Fans und -Mannschaft zu Auswärtsspielen sowie Musikliebhaber zu Konzerten oder Musicals. Ein Teil der Belegschaft des Bartholomäer Omnibusunternehmens Grötzinger aber hat derzeit ganz anderes im Sinn: Hilfe für die Menschen in der Ukraine. Deren Durchhaltevermögen und Einsatz hatte Geschäftsführerin Birgit Grötzinger nachhaltig beeindruckt. „Sie hat gesagt: ,Da müssen wir was machen! Wir können nicht nur zuschauen!’“, berichtet Tochter Carolin Grötzinger. Und weil in einem Busunternehmen eben nun mal große Fahrzeuge zur Verfügung stehen, war die passende Idee schnell gefunden. Hilfsgüter sollten mit dem Reisebus an die Grenze zur Ukraine gebracht werden.

Wo sonst Fahrgäste sitzen stapeln sich jetzt Hilfsgüter.
Wo sonst Fahrgäste sitzen stapeln sich jetzt Hilfsgüter.
© Foto: Omnibus Grötzinger

Mit einem einzigen Reisebus wohlgemerkt. Weil aber die Spendenbereitschaft in der Region um ein Vielfaches größer war als ursprünglich angenommen, machten sich am Mittwochabend letztendlich drei Reisebusse und ein Lkw, zur Verfügung gestellt von der Söhnstetter Spedition Gröner, über Österreich und Ungarn auf den Weg in Richtung rumänisch-ukrainische Grenze. Beladen mit rund 60 Tonnen Hilfsgütern. „Die Aktion hat sich schnell rumgesprochen. Es ging Schlag auf Schlag“, beschreibt Carolin Grötzinger. Innerhalb weniger Tage sei so viel Material gespendet worden, dass man irgendwann einen Stopp ausrufen musste.

Spenden von Privatpersonen und Unternehmen

Kleidung für Kinder und Erwachsene wurde von freiwilligen Helfern in Busse und Lkw geladen, dazu Isomatten, Decken, Bandagen, Windeln, Babynahrung, Rollstühle, Notstromaggregate, eine Menge Lebensmittel und vieles mehr. Gespendet wurden die Sachen von zahlreichen Privatpersonen, zum Teil aber auch von Unternehmen, darunter das Zanger Restaurant Löwen, das Heidenheimer Sanitätshaus Berger und das Ebnater Bauunternehmen Traub. Wie Grötzinger sagt, sind zudem auch Hilfsangebote zur Beherbergung ukrainischer Flüchtlinge eingegangen. Man stehe diesbezüglich nun in Kontakt mit dem Landratsamt Ostalbkreis.

Wollen Flüchtlinge auf der Rückfahrt mitfahren?

Denn: Dass die Reisebusse auf ihrer Rückfahrt Menschen mitnehmen, kann man sich seitens des Bartholomäer Busunternehmens gut vorstellen. Ob vor Ort überhaupt Interesse an einer Mitfahrt besteht bzw. ob die Personen bis auf die Schwäbische Alb an Bord bleiben wollen, lasse sich natürlich schlecht vorhersagen, so Carolin Grötzinger. Dafür gewappnet sein wollte man aber auf jeden Fall. Mitgefahren ist deshalb auch ein Ersthelfer aus Aalen. Bei der Kommunikation am Zielort behilflich sein können außerdem zwei der insgesamt elf involvierten Fahrer. Der eine stammt aus Rumänien, der andere aus dem Nachbarland Moldau.

Freiwillige Helfer beim Verladen der Hilfsgüter.
Freiwillige Helfer beim Verladen der Hilfsgüter.
© Foto: Omnibus Grötzinger

Genau in diesem Grenzgebiet (Rumänien, Ukraine, Moldau) sollten die Hilfsgüter nach der Ankunft am Donnerstagnachmittag/-abend abgeladen werden und in die richtigen Hände gelangen. Über eine Ukrainerin aus Heubach sowie eine gute Bekannte habe man Kontakte ins Kriegsland geknüpft und den weiteren Ablauf geplant, sagt Grötzinger. Freiwillige aus der Ukraine sollen die eingelagerten Bus- und Lkw-Ladungen in die betroffenen Regionen sowie möglicherweise bis in die Hauptstadt Kiew bringen.

Gespannt auf Neuigkeiten von den Fahrern

„Wir haben sehr viel Zuspruch bekommen“, sagt Carolin Grötzinger, die das Unternehmen früher oder später gemeinsam mit ihrem Bruder Sebastian von Mutter Birgit Grötzinger übernehmen wird. Jetzt wartet sie – genau wie alle anderen knapp 50 Mitarbeiter des Bartholomäer Betriebs – gespannt auf Neuigkeiten von den Fahrern. In der Zwischenzeit aber heißt es: weiterarbeiten. Denn auch die anderen Aufträge des Unternehmens wollen schließlich abgearbeitet werden. Mit acht Fahrern auf Hilfsmission (drei stammen von einem befreundeten Busunternehmen) müsse man gut disponieren, sagt Grötzinger. Der FCH beispielsweise bestreitet am Wochenende ein Auswärtsspiel. Da fahren Spieler und Trainerteam dann wieder mit dem Bus.

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Ebenfalls aktiv: Verein für mehr Humanität und Frieden


Der Verein für mehr Humanität und Frieden, der zwar in Gundelfingen gemeldet ist, über seinen Vorsitzenden Johann Öfele aber enge Verflechtungen nach Sontheim/Brenz hat, ist ebenfalls aktiv in Sachen Ukraine-Hilfe. Bereits Anfang Februar, also noch vor Ausbruch des Kriegs, habe man vom Lager in Peterswörth eine Hilfslieferung zu einem deutschen Lager des Kinderhilfswerks Ukraine gebracht. Von dort aus gingen Verbandsmaterial, Kleidung etc. weiter in die West-Ukraine. Inzwischen seien weitere Hilfslieferungen hinzugekommen, teils über Remseck, teils über Ulm. In Kürze erwarte man eine Hilfsgüter-Wunschliste, dann wolle man noch einmal gezielt sammeln.

Seit Ausbruch des Kriegs, stehe sein Telefon nicht mehr still, berichtet Johann Öfele. Sehr viele Anfragen zu humanitärer Hilfe für die Ukraine gingen ein. Auch mehrere Familien aus Sontheim hätten sich bei ihm gemeldet, die eine Unterkunft für Flüchtlinge bereitstellen wollen. Im Gundelfinger Ortsteil Peterswörth sei inzwischen eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern eingetroffen. Alle drei wohnten jetzt dort in zwei Monteurzimmern.