Syrgenstein / Sandra Gallbronner Die Staatskarosse, in der einst Grace Kelly am Steuer saß, wird derzeit bei Wörle-Fahrzeugtechnik in Syrgenstein repariert. Der Mercedes 600 steht dort nicht das erste Mal.

Es war das Lieblingsauto von Grace Kelly, der ehemaligen Fürstin von Monaco und Hollywood-Schauspielerin: Ein Mercedes 600 Typ W 100. Echtleder, Nussbaumholz, Messing anstatt von Chrom, Klimaanlage und Heizung sowohl im vorderen wie auch im hinteren Bereich des Fahrzeugs. In der Staatslimousine steckt jede Menge Luxus und Technik. „Der Mercedes 600 W 100 besitzt alles im Überfluss“, erklärt Mercedes-600-Liebhaber und Inhaber der Fahrzeugtechnik Wörle, Roman Wörle. Derzeit bringen er und sein siebenköpfiges Team den historischen Wagen auf Vordermann – und das nicht zum ersten Mal.

Gefallen an der ehemaligen Fürstenkarosse hat auch ein Privatmann aus Monaco gefunden, der sich den Wagen gekauft hat. Damit dieser in Schuss bleibt, lässt er ihn einmal im Jahr von Monaco zurück nach Deutschland bringen – und das hat einen einfachen Grund: Das Fahrzeug ist über 50 Jahre alt, und so fallen auch an einem Mercedes 600 bisweilen Reparaturen an. Und nur wenige Fahrzeugtechniker besitzen hierfür die nötigen Kenntnisse. Wörle ist einer dieser wenigen, die sich auf Automobile wie den Mercedes 600 W 100 spezialisiert haben.

Edel und gediegen

„Es ist das beste Auto der Welt, denn es ist einfach alles echt dran“, schwärmt Wörle. So wurde Echtleder, Echtholz und Messing anstelle von Chrom verwendet. „Heute wäre es unbezahlbar, ein solches Auto zu bauen“, erläutert Wörle. Am Grace-Kelly-Wagen gefällt ihm besonders auch die Zweifarbigkeit. Die Karosserie ist silbern, das Dach dunkelblau lackiert. Gediegenheit im Innern: Dunkelblaues Leder ziert die Sitze, der Boden ist mit Velours-Teppich ausgestattet.

Doch nicht nur die Optik, sondern vielmehr die komplexe Technik des Wagens hat es Wörle angetan. Im Gegensatz zu heutigen Fahrzeugen, die größtenteils mit Elektrik ausgestattet sind, funktioniert nahezu alles im Mercedes 600 hydraulisch. Über Öldruck können Sitze verstellt, Fenster, Schiebedach und der Kofferraum geöffnet und geschlossen oder die Heizung angeschaltet werden. Ein Vorteil dieser sogenannten „Komforthydraulik“: Alles geht geräuschlos vonstatten. Für den Komfort sorgen zudem eine Luftfederung, ein Automatikgetriebe und die Servolenkung.

Die Staatslimousine von Grace Kelly wurde 1966 gebaut, hat 250 PS und ein Vier-Gang-Automatikgetriebe. Nach fünf Jahrzehnten Lebenszeit fallen natürlich Instandhaltungsarbeiten an dem Wagen an. Unter anderem deshalb, weil der Besitzer den Grace-Kelly-Wagen tatsächlich fahren und nicht als Sammlerstück in der Garage abstellen möchte. Wörle und seine Mitarbeiter reparieren die Klimaanlage, überholen die Bremsen, polstern die Sitze nach. Über Monate hinweg ziehen sich die Reparaturen. „Wir müssen oft Teile bestellen, die weltweit hergeschickt werden“, erklärt Wörle. „Einige Teile müssen zudem original nachgefertigt werden. Das ist sehr zeitaufwendig.“ 2500 dieser edlen Fahrzeuge liefen zwischen 1963 und 1981 vom Band. Und eines davon kam in den Besitz des damaligen monegassischen Fürstenpaars – Gracia Patricia und Rainier III.

Jeder Wunsch wurde erfüllt

Viele weitere berühmte Persönlichkeiten, wie Papst Paul IV., Udo Jürgens oder Elvis Presley waren gern mit dem Mercedes 600 W 100 unterwegs. Und jeder konnte sich seinen Wagen an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen lassen. „Es hat nichts gegeben, was nicht gemacht werden konnte“, sagt Wörle. Radio mit Fernbedienung, Fernseher oder ein elektrischer Rasierer – alles war möglich. Doch der Luxus hatte seinen Preis. Über 50 000 Mark mussten Käufer Anfang der 60er für die Mercedes-Edelkarosse auf den Tisch legen. „Das war damals richtig viel Geld“, weiß Wörle. Schließlich wurde das Auto noch komplett in Handarbeit angefertigt. 20 Jahre später verdreifachte sich der Preis sogar. „Das war der Wert eines Hauses“, erklärt Wörle.

Der Mercedes 600, mit dem einst Grace Kelly über die Straßen rollte, ist heute etwa 200 000 Euro wert. Zum einen ist er historisch wertvoll, zum anderen befindet er sich in einem guten Zustand, erklärt Wörle. Schwäbische Wertarbeit eben.