Neresheim / Viktor Turad Warum flattert auf einem Felsen bei Neresheim die Trikolore und warum ist der Name der Stadt auf dem Triumphbogen in Paris verewigt?

Napoleon, der Kaiser der Franzosen, war entgegen mancher Vermutungen nie in Neresheim. Aber einer seiner Generäle schon. Und weil 1796 die Schlacht um Neresheim getobt hat, ist die „Perle des Härtsfelds“ im Pariser Triumphbogen verewigt.

Jetzt gibt es auch in Neresheim eine sichtbare Erinnerung daran. Die Trikolore flattert am Napoleonfelsen im Wind. Eine Gruppe von Rentnern hat dieses geschichtliche Ereignis und die Tatsache, dass die Abtei Neresheim einst die Hohe Gerichtsbarkeit besaß, also die Befugnis, Todesurteile zu verhängen und zu vollstrecken, zum Anlass genommen, sich beider geschichtlicher Stätten anzunehmen (wir berichteten). An die Arbeit gemacht haben sich mit dem früheren Stadtbaumeister Egon Weber Werner Köhl, Erich Weber und Vinzenz Mühlberger.

Bürgermeister Thomas Häfele und Stadtarchivar Holger Fedyna haben die beiden geschichtlichen Orte der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Napoleonfelsen steht in der Nähe der Wallfahrtskapelle und unweit des Klosters auf dem Ulrichsberg. Warum jetzt auf dem Napoleonfelsen die französische Trikolore weht, diesen geschichtlichen Hintergrund erläuterte Fedyna, wobei die Zahlen nur so sprudelten. Demnach geriet das Härtsfeld in den Sog der Ereignisse um die Französische Revolution. Vor allem die Schlacht von Neresheim am 11. August 1796 hat laut dem Archivar traurige Berühmtheit erlangt.

Denn im Sommer 1796 hätten sich große Truppenkontingente der kaiserlichen Armee und der Franzosen im Osten Schwabens formiert. Von Bopfingen bis Gundelfingen sei die Frontlinie verlaufen. Österreich hatte rund 43 000 Soldaten zusammengezogen, die Franzosen knapp 45 000. Die Truppenkontingente hätten sich auf dem Härtsfeld konzentriert, berichtete Fedyna.

Erzherzog Karl von Österreich habe am 2. August 1796 im Neresheimer Pfarrhaus übernachtet, sich aber tags darauf nach Nördlingen zurückgezogen. Sein Gegner sei der französische General Jean Victor Moreau gewesen. Die Franzosen seien am 8. August in Neresheim einmarschiert. General und Offizierskorps hätten im Kloster Quartier bezogen.

Am 11. August, erzählte Fedyna weiter, habe Erzherzog Karl die Initiative ergriffen, weil er die Franzosen in der Defensive gesehen habe, und habe sie attackiert. Die Hauptstoßrichtung der Österreicher habe Schweindorf, Kösingen, Hofen, Dunstelkingen und Dischingen gegolten. Die heftigsten Kämpfe habe es bei Dunstelkingen gegeben, wo die Franzosen Stellung bezogen hatten. Unter dem Granathagel österreichischer Truppen sei fast das ganze Dorf in Schutt und  Asche gelegt worden. 72 Häuser seien niedergebrannt, die Menschen hätten sich schutzsuchend ins  Kloster geflüchtet, denn die Truppen beider Seiten hätten geplündert und zahlreiche Gewalttaten an der Bevölkerung verübt. Für die Übergriffe machten die Pfarrberichte vor allem die Franzosen verantwortlich. Besonders Frauen und junge Mädchen seien Opfer der Soldaten geworden.

Die Schlacht ging laut Fedyna militärisch unentschieden aus. Napoleon habe die Operation aber für so bedeutsam gehalten, dass er Neresheim in den Pariser Triumphbogen habe aufnehmen lassen.

Am Tag nach der Schlacht bei Neresheim, fuhr der Redner fort, habe die Kapelle Maria Buch beim Kloster samt Mesnerhaus gebrannt. Ob Brandstiftung durch die Franzosen oder Unvorsichtigkeit der Soldaten die Ursache gewesen sei, lasse sich nicht mehr klären. Fedyna: „Bei Maria Buch sollen sich zwei Massengräber der Gefallenen der Schlacht befinden. Die Gräber lassen sich heute nicht mehr lokalisieren.“ Jedenfalls habe die Bevölkerung damals große Not gelitten.

In Neresheim halte sich bis jetzt die Bezeichnung Napoleonfelsen für einen Felsvorsprung auf der Anhöhe des Flurstücks Schuhhäule bei Maria Buch. Zwar habe Napoleon nie auf diesem Felsen gestanden, weil er nie in Neresheim gewesen sei, aber die Überlieferung nenne einen französischen General. Bei ihm handele sich sehr wahrscheinlich um Jean Victor Moreau, der vom Felsen herab zu seinen Truppen gesprochen habe. Damals sei der Hang nicht so bewaldet gewesen wie heute.

Fedyna erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Franzosen damals technische Neuerungen mitgebracht hätten. So sei ein Heißluftballon  am 17. August 1796 von Großkuchen über Neresheim nach Auernheim geflogen, um die Frontlinie zu beobachten. Der aus Flochberg stammende Benediktinerpater Pater Paul Lasser sei am 18. August mit den französischen Offizieren im Schiffchen des Ballons in die Luft gestiegen. Er sei somit der erste Neresheimer gewesen, der das Härtsfeld von oben gesehen habe.

Auch Elchingen auf dem Triumphbogen

Neben Neresheim ist auch Elchingen (Kreis Neu-Ulm) auf der Innenseite des Triumphbogens in Paris vertreten.

Im Rahmen des dritten Koalitionskrieges fand dort eine Schlacht statt: Am 14. Oktober 1805 besiegten Napoleons Truppen unter dem Kommando von Marschall Ney ein österreichisches Heer, was die Niederlage der österreichischen Armee einleitete.