Permakulturgarten, Holzbacköfen, eine eigene Wäscherei, Kräutergärten, wesensgerechte Bienenhaltung und seltene Hühnerrassen, die auf der Suche nach Essbarem über den Hof laufen. Die Liste der Maßnahmen, wie Renate Lieb und Günther Saiger, Inhaber der Scheunenwirtin in Batholomä, ihr Hofgut nachhaltig betreiben, ist lang.

Bereits seit 2017 sind sie Vertragspartner von Demeter und erhielten somit deren Siegel. „Dies bedeutet, dass die verwendeten Lebensmittel und Getränke unter den strengsten Standards für Umweltschutz und Tierwohl hergestellt werden, die es in der Landwirtschaft gibt“, so Saiger.

Doch was ist das Besondere daran?

Deutschlandweit gibt es immerhin rund 1400 Demeter-Betriebe. Dabei handelt es sich jedoch um Erzeugungsbetriebe. Das Besondere bei der Scheunenwirtin hingegen ist, dass es ein gastronomischer Betrieb ist. „Es gibt in ganz Deutschland nur zwölf, davon sechs in Baden-Württemberg, die diese Auszeichnung bekommen haben“, sagt Tim Kiesler, Geschäftsführers von Demeter Baden-Württemberg. Kiesler hatte Anfang Oktober für zwei Wochen eine Erntedank-Tour durch Baden-Württemberg gemacht und dabei verschiedene Demeterbetriebe besucht.

Diese Erntedank-Tour nahmen Renate Lieb und Günther Saiger zum Anlass, ihr Hofgut und das Konzept dahinter der Demeter-Geschäftsführung, Demeter-Landwirten aus deren Lieferantennetzwerk sowie Thomas Kuhn, Bürgermeister von Bartholomä, vorzustellen.

Überraschung auf dem Teller

„Unser nachhaltiges gastronomisches Konzept ist zu hundert Prozent Bio“, sagt Saiger. Hinzu kommt ein Alleinstellungsmerkmal: „Die Gäste werden bei uns überrascht. Egal ob Menüabend, Hochzeitsfeier oder Firmenessen. Und das muss man sich erst mal trauen. Da sind wir deutschlandweit die Einzigen.“

Dieses Konzept bedeutet für die beiden Gastronomen, dass sie von ihren Lieferanten immer das ganze Tier verwenden und die Bauern liefern können, was sie momentan haben. „Erst wenn wir wissen, was wir geliefert bekommen, planen wir das Menü. Alle Veredlungsschritte geschehen dann hier im Haus.“ Ob Konditorei oder Backstube, Wursten oder Eismachen: All das geschieht vor Ort.

Nachhaltigkeit an jeder Ecke

Und auch über das Kulinarische hinaus wird bei der Scheunenwirtin nachhaltig gearbeitet. Beispielsweise werden ausschließlich Naturmaterialien für Tischdecken, Sitzpolster oder Vorhänge verwendet, die auch in der hauseigenen Wäscherei mit ökologischem Waschmittel gewaschen werden. Außerdem wurden für das Restaurieren der Gebäude, wenn möglich, natürliche und recycelte Materialien wie beispielsweise Holz aus ehemaligen Scheunen verwendet.

Als neuestes Projekt kam diesen Sommer das Anlegen eines Permakulturgartens zum Hofgut hinzu. „Hier wollen wir in den kommenden Jahren einen Garten schaffen, den wir ständig bewirtschaften und in dem wir auch ganzjährig ernten können. Also das Gegenteil zu einer Monokultur“, sagt Saiger.

Ein Menü mit reichlich Gesprächsstoff

Im Anschluss an die Führung über das Hofgut wurden die Gäste zu Tisch gebeten. Renate Lieb servierte ein Menü aus regionalen und saisonalen Demeter-Produkten, wobei sich die Gäste rund um das Thema Nachhaltigkeit und Landwirtschaft austauschten. „Wir müssen die Menschen überzeugen und das ist in der Region einfacher als auf nationaler Ebene“, so Tim Kiesler.

Bartholomäs Bürgermeister Thomas Kuhn bezeichnete die Scheunenwirtin als Aushängeschild. „Wir sind stolz auf Sie und was sie leisten. Politik und Landwirte müssen gemeinsam aufklären, damit Zusammenhänge verstanden werden.“

Vom Zufall zur Berufung


Entstanden ist das Hofgut Scheunenwirtin übrigens ganz zufällig im Laufe der Zeit. „Der Hof ist bereits seit über 250 Jahren in Familienbesitz“, sagt Renate Lieb.

Die Scheune wurde umgebaut und diente so viele Jahre für große Familientreffen, da nur hier alle Platz finden. Diesen Raum haben dann auch Bekannte als Treffpunkt verwendet.

„Neben dem sporadischen Vermieten der Räumlichkeiten kam dann auch noch das Bewirten dazu und hat sich so immer weiterentwickelt, bis daraus ein neues Konzept entstanden ist“, erzählt Günther Saiger. lr