Chaos goes wild

“Hi mates“ der HZ. Diese lockere Begrüßung ist in unserer momentanen Wahlheimat Standard und wird vom Automechaniker, dem Obstverkäufer, ja selbst vom Bankangestellten verwendet. Na und bereits erraten? Richtig, wir sind in Australien, wie gefühlt so ziemlich jeder Abiturient. Aber der Reihe nach.

Wir, das sind Juliane Holz (aus Irmannsweiler), Felicitas Dirr (aus Roggden bei Wertingen) und Corinna Bosch (aus Bachhagel). Drei Dorfkinder und tägliche Grenzgänger in den Landkreis Heidenheim, zusammen ergeben wir das perfekte Chaosteam.

Mit dem Abitur in der Tasche und einem viel zu schweren Rucksack begann unsere Reise in München. Da wir nach dem Motto: „Wenn wir schon zum Tanken landen müssen, dann können wir auch aussteigen“ handelten, verbrachten wir vier Tage in Kuala Lumpur. Dort besichtigten wir die typischen Touristenattraktionen wie z.B. die Twin Towers oder die Batu Caves. Trotz der begrenzten Zeit in Malaysia, reichte es zeitlich auch noch für einen Tag im Regenwald, welcher uns besonders in Erinnerung blieb. Leider hat die Stadt, wie auch viele andere Großstädte, zwei Gesichter: neben Armut und Not entstehen immer größere und luxuriösere Wolkenkratzer.

Als wir dann nach einem weiteren, viel zu langen Flug, in Melbourne landeten, mussten wir einen Temperaturschock von über 30 Grad tropischer Hitze gegenüber kalten 12 Grad vor Ort ertragen und in der nächsten Zeit feststellen, dass es in Australien ganz schön kalt werden kann. Nachdem die ersten Formalitäten geklärt waren (Kontoeröffnung, Beantragung der Steuernummer, neuer Handyvertrag), wollten wir so schnell wie möglich einen Campervan für uns drei finden (Hostels sind sehr teuer).

Doch das war gar nicht so leicht wie gedacht: nach endlosen drei Wochen, in denen wir Melbourne und die Great Ocean Road erkundeten, ging es mit unserem ersten eigenen Auto (einem Mazda E2000) los. Aber bereits am zweiten Tag brach das Chaos aus und wir hatten eine kleine Panne, weshalb unser Auto in die Werkstatt musste. Der australischen Gastfreundschaft sei Dank, durften wir kurzerhand in der Werkstatt einziehen und bekamen ein eigenes Auto für die nächsten Tage gestellt.

Somit konnte unser Road Trip in Richtung Grampians weitergehen. In diesem wunderschönen Nationalpark wimmelte es nur so von Kängurus und Papageien. Außerdem gab es hier Wandertouren mit atemberaubender Aussicht. Nächstes großes Ziel sollte eigentlich Sydney sein, doch dann bekamen wir ein sehr gutes Jobangebot und legten auf unserem Weg nach Cowra (vier Stunden westlich von Sydney) nur in zwei weiteren Nationalparks und dem paradiesischen Ort Eden ein paar Tage Rast ein. Traumhafte Strände und einige neue Bekanntschaften inklusive.

Da wir dem Klischee treu blieben, haben wir uns natürlich einen Farmjob für etwa drei Wochen gesucht und hacken momentan bei über 30 Grad Unkraut, sähen Melonen oder Kürbisse. Trotz des grellen Lamettas in den Einkaufsläden und selbstgebackener Plätzchen kommt hier nicht wirklich Weihnachtstimmung auf, da es einfach viel zu warm ist und der Schnee fehlt.

Silvester möchten wir dann endlich unserem Plan nachkommen und in Sydney sein. Danach wollen wir die Ostküste bereisen und im Anschluss ins Land der Kiwis, nach Neuseeland, aufbrechen. Aber wer weiß, was bis dahin noch alles so passiert?

Zum Schluss wünschen wir euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und speziell an alle Abiturienten: der ganze Stress hat sich spätestens dann gelohnt, wenn ihr in Australien angekommen seid und zur Begrüßung “Hi mate“ hört.