Am 31. Dezember 2021 wird der letzte noch in Betrieb befindliche Reaktor C des Atomkraftwerks Gundremmingen endgültig vom Netz genommen. Wie der Betreiber, die RWE Nuclear, nun mitteilt, habe man am 26. Mai seitens des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die notwendige Genehmigung erhalten, nicht mehr benötigte Anlagenteile danach rückzubauen. Somit könne umgehend nach der Abschaltung mit diesen Arbeiten begonnen werden. Im Fall des bereits 2017 stillgelegten Blocks B hatte es noch mehr als ein Jahr gedauert, bis diese Genehmigung erteilt worden war. Eine Verzögerung wie damals droht für Block C somit nicht.

„Die jetzt erteilte Genehmigung ist ein wichtiger Meilenstein für den sicheren Rückbau an unserem Standort in Gundremmingen“, freut sich Nikolaus Valerius, Kernenergievorstand der RWE Power AG und technischer Geschäftsführer der RWE Nuclear GmbH.

Nicht mehr benötigte Systeme rückbauen

„Damit können wir nach der Abschaltung zum Jahresende nahtlos mit einer motivierten Kraftwerksmannschaft unserer Pflicht zum unverzüglichen Rückbau gemäß Atomgesetz weiter nachkommen“, betont Valerius. Wesentliche Bestandteile dieser zweiten Genehmigung sind der Abbau von Systemen und Anlagenteilen des Blocks C, die für den sicheren Nachbetrieb der Blöcke B und C keine Bedeutung mehr haben und zum anderen keine sicherheitstechnischen Funktionen für den Betrieb des Kontrollbereiches und der Aktivitätsüberwachung erfüllen, so der Kraftwerksbetreiber.

Bis zum Jahresende werde Block C noch zur Versorgungssicherheit der Region Bayerisch Schwaben beitragen, betont RWE.

In den 2030er-Jahren alle Gebäude rückbauen

„Anschließend schlagen wir am Standort Gundremmingen ein neues Kapitel auf: Wir werden vom Energieerzeuger zum Produzenten von Wertstoffen – denn der größte Teil der Abbaumassen kann nach entsprechender Aufbereitung wieder in den Wertstoffkreislauf zurückfließen“, so Dr. Heiko Ringel, Leiter der Anlage. „Bis Mitte/Ende der 2030er Jahre wollen wir die dann noch stehenden Gebäude aus dem Geltungsbereich des Atomgesetzes entlassen haben und danach den kompletten Rückbau abschließen“, so Ringel.

Alle Arbeiten würden weiterhin der Überwachung durch die Aufsichtsbehörde unterliegen und von einem unabhängigen Sachverständigen beaufsichtigt. Bei allen Arbeiten hätten Anlagensicherheit, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz oberste Priorität, so der Betreiber.

Atomgegner kritisieren AKW-Betrieb über Pfingsten 2021

Kritik an der fortdauernden Stromproduktion im AKW kommt unterdessen von der Bürgerinitiative Forum – Gemeinsam gegen das Zwischenlager. Deren Vorsitzender, Raimund Kamm, bemängelt in einer Pressemitteilung, dass am Pfingstsamstag viele moderne Solar- und Windkraftanlagen abgeregelt worden seien, da an der Strombörse die Preise mehrere Stunden negativ waren. Zugleich sei das AKW Gundremmingen mit fast unveränderter Leistung weitergelaufen, obwohl dort mit jeder erzeugten Kilowattstunde Radioaktivität entstehe, so Kamm.

Raimund Kamm, Vorsitzender der Bürgerinitiative Forum - Gemeinsam gegen das Zwischenlager.
Raimund Kamm, Vorsitzender der Bürgerinitiative Forum - Gemeinsam gegen das Zwischenlager.
© Foto: Catrin Weykopf/Archiv

Zu negativen Strompreisen käme es nicht, wenn die Atomkraftwerke entsprechend „früherer Propaganda“, so Kamm, ihre Produktion drosselten. „Doch das tun sie nicht, weil beispielsweise das AKW Gundremmingen bequeme börsenunabhängige Lieferverträge hat, und weil im Ende 2021 stillzulegenden AKW kaum noch betriebsabhängige Kosten anfallen“, so seine Kritik.

„Ob man viel oder wenig produziert, es fallen keine zusätzlichen Betriebskosten an. Jetzt will man offenbar noch das Letzte aus dem alten Werk herausholen“, so Kamm. Es sei „ein Wahnsinn“, dass die gesetzlichen Regeln das Weiterlaufenlassen der AKW schützen und zugleich das zeitweise Abschalten von Solar- und Windkraftanlagen erzwingen würden.

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