Gundremmingen / Catrin Weykopf Block C liefert wieder Strom. Doch wie konnte es passieren, dass ein Arbeiter einen falschen Handgriff tat, der zur automatischen Schnellabschaltung führte? Als es zum Zwischenfall kam, waren mehrere Techniker im Gebäude. Jetzt werden sie befragt.

Es war kein technischer Defekt sondern menschliches Fehlverhalten, das vorvergangenen Mittwoch zur Schnellabschaltung von Block C des AKW Gundremmingen geführt hat. Ein Mitarbeiter hat das Gehäuse einer Armatur geöffnet, das nicht hätte geöffnet werden dürfen. Der Arbeiter war an den Bedienelementen von Block C zugange und nicht – wie eigentlich vorgesehen – an Block B. Die unmittelbare Folge des Fehlgriffs waren ein Leck und ein Druckabfall im Luftsystem. Um das Leck zu schließen, wurde eine weitere Armatur bedient. Das wiederum war das Signal für Block C, sich automatisch schnellabzuschalten.

Der Hergang, so wie er im Bericht des Kraftwerksbetreibers an das bayerische Umweltministerium beschrieben wird, wirft im Nachgang jedoch Fragen auf. Denn nicht nur steht im Raum, wie es zur Verwechselung der Armaturen von Block B und C kommen konnte. Auch die Frage danach, warum in Anwesenheit mehrerer Techniker der falsche Handgriff vollzogen werden konnte, bedarf nun der Klärung.

Bei Revision 1000 Arbeiter von außerhalb im Kraftwerk

Während einer Revision, so wie sie derzeit in Block B des AKW geschieht, ist nicht nur die ständige Kraftwerksbelegschaft im Einsatz, sondern auch rund 1000 Mitarbeiter von externen Partnerfirmen. Fremdmitarbeiter seien auch zugegen gewesen, als am Mittwoch in der vergangenen Woche der Zwischenfall im Hilfsanlagengebäude passierte. Grundsätzlich dürfen nach Auskunft von AKW-Sprecher Tobias Schmidt externe Mitarbeiter auch ohne Begleitung der ständigen Belegschaft tätig werden. Als der Zwischenfall geschah, sei dies jedoch nicht der Fall gewesen, so Schmidt. Fremd- und Stammkräfte waren gleichermaßen zugegen, als der Fehler passierte.

Wie es dazu kommen konnte, dass die falsche Armatur geöffnet wurde, wird jetzt weiter untersucht. Im AKW wurde dazu ein Team gebildet, das mit allen Beteiligten Gespräche führt. „Ein mögliches Fehlverhalten von Mitarbeitern untersuchen wir genau und ziehen daraus die notwendigen Schlüsse“, so Kraftwerkssprecher Schmidt.

Ursache war intern am Tag des Geschehens bekannt

Unterdessen bestätigt der Kraftwerksbetreiber, dass man durchaus schon am Tag des Zwischenfalls und des Wiederanfahrens des Reaktors gewusst habe, dass die Öffnung der Armatur zur Schnellabschaltung geführt habe. In den ersten Tagen nach dem Vorfall hatte es dazu aus dem AKW immer wieder geheißen, der Ablauf werde noch untersucht.

Für den Nattheimer Dieter Majer, der rund 30 Jahre lang Chefaufseher der deutschen Atomkraftwerke im Bundesumweltministerium war, ist es nicht überraschend, dass die eigentliche Ursache intern schon bekannt war, aber nicht nach außen kommuniziert wurde. „Dass eine Armatur geöffnet wurde, weiß man in so einem Kraftwerk sofort“, betont er. „Zudem war es ja im Rahmen der Revision geplant, dass am Luftsystem gearbeitet werden soll.“ Weil aber eine Frist von fünf Tagen gelte, bis die Ursache ans Ministerium gemeldet werden muss, würden solche Fristen auch ausgereizt, weiß er aus Erfahrung.

Zwei Blöcke + ein Standort = erhöhtes Risiko?

Majer zufolge zeige der Vorfall beispielhaft einmal mehr, dass der Betrieb von zwei Reaktoren an einem Standort nachteilig sein könne. „Es hat ein Irrtum stattgefunden, der beide Blöcke involviert.“ Dieser und andere Vorfälle weltweit würden wiederholt zeigen, „dass es im Ablauf und in der Beherrschung von Störfällen zu Problemen kommt, wenn zwei Blöcke betrieben werden, weil es zu Wechselwirkungen kommen kann, obwohl dies nicht vorgesehen ist.“

Während der Kraftwerksbetreiber betont, für eine Schnellabschaltung, so wie geschehen, sei die Kraftwerkstechnik geplant und ausgelegt und es würde dabei keine normabweichende Belastung für das Material entstehen, schätzt Ex-Atomaufseher Majer die Situation deutlich anders ein: „Das ist eine enorme Belastung für die Anlage und dieser Vorfall war in seinem gesamten Ablauf alles andere als Routine.“