Königsbronn / Klaus Dammann Bei dem Unternehmen sieht es ein halbes Jahr nach dem Verkauf an die RMB erneut schwierig aus. Der Gießerei-Betrieb ist schon „seit mehreren Wochen“ eingestellt.

Mit viel Optimismus war im Frühjahr die Nachricht aufgenommen worden, dass ein Investor für die nach der zweiten Insolvenz 2017 in Eigenverwaltung geführte SHW Casting Technologies (SHW CT) in Königsbronn gefunden werden konnte: Die Rheinische Mittelstandsbeteiligungs GmbH (RMB) hatte das Gießerei-Unternehmen gekauft, das künftig den Namen SHW High Precision Casting Technologies (SHW HPCT) tragen sollte.

Gießerei: Seit mehreren Wochen Stillstand

Dass damit Ruhe einkehren könnte, erweist sich jetzt als Irrtum. Bei der RMB gibt es wirtschaftliche Schwierigkeiten, die kürzlich bereits dazu geführt haben, dass die mit der Sanierung betraute Geschäftsführung der SHW CT vom Kaufvertrag mit der RMB für das Werk in Wasseralfingen und die Machining Technologies (MT) in Königsbronn zurückgetreten ist.

Dem Wasseralfinger Werk droht seitdem die Schließung – 150 Mitarbeiter werden voraussichtlich die Kündigung erhalten.

In den Sog dieser Schwierigkeiten ist offenbar jetzt auch die in Königsbronn ansässige SHW HPCT geraten. Mangels ausreichender finanzieller Mittel sei vorige Woche erneut ein Insolvenzantrag – somit der dritte für das Unternehmen – gestellt worden, bestätigte am Montag der als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger.

Aufträge lägen vor und der Betrieb werde geführt, allerdings abgesehen von der Gießerei, bei der schon „seit mehreren Wochen“ alles still steht und die Mitarbeiter zu Hause seien, so Mucha. Es fehle schlichtweg an Geld.

Kontakt zu Kunden ist am Jahresende schwierig

Vorrangig gehe es jetzt darum, den Geschäftsbetrieb wieder ins Laufen zu bekommen und fortführen zu können, sagte der Insolvenzverwalter. Derzeit werde an Lösungen gearbeitet, wie das zu finanzieren sei.

Einen Ansatz sehe er in Gesprächen mit den Kunden, um zu ermitteln, inwieweit sie bereit seien, den SHW die Treue zu halten. Er wolle die Situation nicht dramatisieren, denn: „Die SHW haben treue Kunden.“ Mucha: „Wir sind mit Hochdruck dran, aber man hat Probleme, über den Jahreswechsel mit den Kunden in Kontakt zu kommen. Mitte Januar wird man deutlich klarer sehen, wohin die Reise geht.“

Einen neuen Übernehmer zu finden, werde freilich wesentlich länger dauern. Was den Lohn für die Mitarbeiter betrifft, so sei das Insolvenzgeld bis einschließlich Februar 2019 sicher.

SHW HPCT in Königsbronn zählt 162 Beschäftigte. Mucha zufolge sind 35 bis 40 davon in der Gießerei tätig, 50 bis 55 im Bereich Mechanische Bearbeitung. Die restlichen Mitarbeiter würden zu den Abteilungen Verwaltung, Qualität, Instandhaltung und anderes mehr gehören.

IG Metall: „Mehr als ein Trauerspiel“

„Die Beschäftigten in Königsbronn sind fertig.“ So brachte es Ralf Willeck, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim, am Montag auf den Punkt. Am vergangenen Donnerstag habe es eine kurze Infoveranstaltung bei SHW HPCT gegeben – da sei es „richtig übel“ gewesen, den Menschen ins Gesicht zu schauen.

„Hier helfen auch keine tröstenden Worte mehr“, sagte der Gewerkschafter. „Es ist mehr als ein Trauerspiel.“ Mit dieser dritten Insolvenz liefen die Leute seit nunmehr fünf Jahren zwischen Insolvenz und Investor hin und her.

Das Konzept der RMB als Investor sei nicht aufgegangen, meinte Willeck. Es sei „finanziell zu eng“ gestrickt gewesen. Wenn der Betrieb nicht wieder in Gang zu kriegen ist, werde es schwierig, so seine ernüchternde Einschätzung.

An den Insolvenzverwalter gerichtet sagte der Gewerkschafter, dass er darauf hoffe, dass es gelingt, die vorhandenen Aufträge ausführen zu können, damit Geld rein kommt. Als wichtig sehe er an, die Kunden zur Vorfinanzierung bewegen und die Lieferanten bei der Stange halten zu können. „Die Aufträge sind da und die Kunden brauchen die Produkte.“ Weiterkämpfen sei angesagt, um die Produktion ins Laufen zu kriegen.