Nein, Königsbronn ist nicht Bethlehem. Dafür haben aber auch die Königsbronner einen Adventsstern, der hell über dem Dorf leuchtet – und das auch noch alle Jahre wieder.

Seit zwölf Jahren strahlt der Stern auf der Skischanze. Dass er das überhaupt und jedes Jahr aufs Neue tut, haben die Königsbronner vor allem einem Mann zu verdanken: Martin Völcker. Der 62-Jährige wartet den Stern, kümmert sich darum, dass alles an Ort und Stelle bleibt und so leuchtet wie es sein soll.

Martin Völcker kümmert sich um den Königsbronner Weihnachtsstern.
Martin Völcker kümmert sich um den Königsbronner Weihnachtsstern.
© Foto: Markus Brandhuber

Das Thermometer zeigt minus vier Grad an diesem Morgen, als sich Völcker mit der HZ oben an der Skischanze im Königsbronner Töbele trifft. „Auf die Schanze gehen wir nicht“, sagt er direkt. Und nein, beim Anblick der morschen Bretter möchte man das auch tunlichst vermeiden. Die Schanze ist seit Ewigkeiten nicht mehr in Betrieb, würde abgesehen von der Baufälligkeit auch nicht mehr den Regularien des Skisprung-Sports entsprechen. Sie ist stillgelegt und dient nun eben auch als Standort für den Königsbronner Adventsstern. Aber wie kam der Stern überhaupt auf die Schanze?

Wie der Stern auf die Schanze kam

2009, so erzählt es Völcker, meldete sich Günther Frieß bei ihm, ehemalige Chef der Königsbronner Bank und heute Vorsitzender der Bürgerstiftung. „Er sagte mir, dass er dieses Gestell gebaut habe und fragte, ob ich eine Verwendung dafür hätte.“ Völcker, damals noch im Königsbronner Skiclub aktiv, kam auf die Idee, den Stern, ausgestattet mit Lichterketten, auf der großen Skischanze zu installieren.

Der Stern auf der Königsbronner Skisprungschanze

Bildergalerie Der Stern auf der Königsbronner Skisprungschanze

Das wiederum war allerdings leichter gesagt als getan. Gemeinsam mit seinem Sohn und in Kletterausrüstung wurde an der Installation gearbeitet. „Das hat alles länger gedauert als gedacht. Aber ich wollte den Stern unbedingt rechtzeitig zu Weihnachten fertigbekommen“, erinnert sich Völcker. Noch an Heiligabend arbeitete er unermüdlich auf der Schanze. „Den Gottesdienst hab ich verpasst. Meine Frau war da weniger begeistert“, sagt er mit einem Lächeln.

Kurz vor Weihnachten 2009: Der Stern schwebt unterhalb der Schanze und wird kurz darauf montiert.
Kurz vor Weihnachten 2009: Der Stern schwebt unterhalb der Schanze und wird kurz darauf montiert.
© Foto: Martin Völcker

Es muss nicht perfekt sein

Auch heute noch müsse ihn seine Frau daran erinnern, dass nicht alles hundertprozentig perfekt sein müsse: „Wenn ich oben an der Schanze bin, sehe ich natürlich, wenn irgendwo ein Lämpchen nicht brennt. Meine Frau hat aber Recht, wenn sie sagt, dass das unten im Tal niemand wahrnehmen wird.“

Mittlerweile ist Völcker froh, wenn alles klappt und nichts ausfällt. Denn auf den Schanzenturm zu klettern, ist angesichts seines Zustandes nicht gerade ungefährlich. „Ich habe mir mit finanzieller Unterstützung des Gewerbevereins Steigeisen und eine Kletterausrüstung zugelegt. Aber ich bin froh, wenn ich nicht hoch muss.“

2017 komplett abmontiert

Während der Stern zunächst noch mit Lichterketten aus einzelnen LED-Lämpchen zum Strahlen gebraucht worden war, wurden diese 2011 durch LED-Leuchtbänder ersetzte. 2017 dann fielen die Bänder aus. Mithilfe eines Krans wurde der Stern von der Schanze geholt und mit einem Gehäuse für die LED-Beleuchtung versehen.

Seit einigen Jahren wird der Stern auch durch die jeweilige Jahreszahl ergänzt. Hierzu fräste Völcker in Platten wie man sie im Bauhaus bekommt die jeweiligen Ziffern und stattete auch die mit Lichterketten aus. Jedes Silvester um Mitternacht springt die letzte Ziffer um. „Wir haben dafür einen Schaltkasten mit Funktimer“, sagt Völcker. „Aber es ist jedes Jahr aufs Neue spannend, ob es funktioniert.“

Ewig wird der 62-Jährige die Wartung des Königsbronner Adventssternes nicht mehr machen, das ist klar. „Noch gibt es aber niemanden, der das übernimmt. Ich mach es ja alleine.“

Völcker hat selbst nicht viel davon

Der Stern leuchtet auch noch nach Neujahr eine ganze Weile lang weiter. „Er ist vom Tal aus zu sehen und von der Bundesstraße. Die Menschen freuen sich, wenn sie von der Arbeit nach Hause fahren und ihn leuchten sehen“, sagt Völcker. Deshalb soll er das auch möglichst lange tun. Mitunter am wenigsten davon hat ironischerweise Völcker selbst. „Ich wohne in Zang. Ich sehe den leuchtenden Stern eigentlich relativ selten.“

Ideen für eine Erweiterung


Der Stern auf der Königsbronner Skischanze ist in etwa 18 Metern Höhe montiert. Die Schenkellänge beträgt etwa zwei Meter, insgesamt hat er einen Durchmesser von rund sechs Metern.

Martin Völcker erzählt von Überlegungen auch die Schanze selbst zu Weihnachten auf der gesamten Länge zu beleuchten. Bislang ist das aber nur eine Idee.