Königsbronn / Gerhard Stock Die Gemeinde Königsbronn startet eine Initiative zur Rettung der stark angeschlagenen Hüttenwerke. Bürgermeister Michael Stütz sieht das Land in der Pflicht.

Mit einem Schreiben an die Spitze des Landes Baden-Württemberg setzt sich die Gemeinde für die Erhaltung der örtlichen Hüttenwerke ein, die zum nunmehr dritten Mal in wenigen Jahren in Insolvenz geraten sind. „Unverschuldet“, wie Bürgermeister Michael Stütz in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates mit Nachdruck betonte.

Angesichts der sehr schwierigen Lage, in der sich das traditionelle Unternehmen mittlerweile befinde, wolle er sich in Form eines direkten Schreibens an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut wenden und um Hilfe bitten. Ziel dieser Initiative sei es letztlich, das Land zur Freigabe von Sondermitteln zu bewegen oder wenigstens die Übernahme von sicheren Bürgschaften zu erreichen, damit der Betrieb weitergeführt werden könne.

„Wir müssen an die 160 Mitarbeiter denken“, machte der Bürgermeister klar. Diese hätten trotz vieler Rückschläge in den vergangenen Jahren nie aufgegeben, stets die Zähne zusammen gebissen, Opfer gebracht und sich mit voller Kraft für die Zukunft der Firma eingesetzt. Diese Menschen könnten wahrlich nichts für die Fehler anderer und bräuchten nun dringend Unterstützung. Allen Rückschlägen zum Trotz und immer wieder das drohende Aus vor Augen seien die Königsbronner Hüttenwerker stets voller Hoffnung und Zuversicht dazu bereit gewesen, weiter mit anzupacken, verdeutlichte Stütz.

Große Einbußen bei Wechsel

Zwar handele es sich zum größten Teil um qualifizierte Facharbeiter, die im Falle eines endgültigen Scheiterns aufgrund des anhaltenden wirtschaftlichen Booms „relativ zeitnah“ bei anderen Firmen unterkommen könnten. Jedoch sei dies zweifellos in jedem Einzelfall auch mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden. Die lange Betriebszugehörigkeit der meist schon älteren Arbeitnehmer bleibe bei einem Wechsel des Arbeitsplatzes eben auf der Strecke. Auch deshalb müsse alles getan werden, um den alteingesessenen Betrieb nun zu unterstützen, damit er die Menschen weiter ernähren könne. Dafür allerdings sehe es derzeit nicht gut aus. Der Insolvenzverwalter habe ihm gesprächsweise mitgeteilt, dass mit Stand vom Mittwoch die Auftragslage sehr schlecht sei, die vorhandenen Aufträge reichten nicht, um das Unternehmen weiterhin sicher betreiben zu können.

Stütz sieht Land in der Pflicht

Man könne nicht mehr wie in der Vergangenheit mit einem auskömmlichen Polster rechnen. Hätten bisher immer noch gute alte Kunden zur Stange gehalten, sei der Markt mittlerweile deutlich schwieriger und enger geworden, auch wenn die SHW im Bereich der Hartgusswalzen nach wie vor führend seien. Und trotzdem: Angesichts der Tatsachen, dass es sich bei den Hüttenwerken nicht nur um Königsbronns zweitgrößten Arbeitgeber am Ort handele, sondern vor allem um den nachweislich ältesten Industriebetrieb Deutschlands „wenn nicht gar Europas“, müsse alles getan werden, um diese zu erhalten. Das Land Baden-Württemberg sieht der Königsbronner Bürgermeister hier geradezu in der Pflicht. Schließlich habe dieses vor dem Verkauf an die MAN gar mal 49 Prozent der Anteile gehalten.

Das alles soll nun den zuständigen Entscheidungsträgern in Stuttgart in einem Schreiben mit höchster Dringlichkeit vor Augen geführt werden. Der Gemeinderat stellte sich ausnahmslos hinter diese Initiative des Bürgermeisters. Sich eventuell noch inhaltlich einbringen und am Ende mit unterzeichnen wollen die Vorsitzenden bzw. Sprecher der einzelnen Fraktionen. „Ob’s am Ende was nützt“, so Michael Stütz, könne zur Stunde niemand wissen, aber mit Blick auf die vielen betroffenen Menschen müsse alles unternommen und versucht werden.

Auch Kreisräte wollen sich einsetzen

Zusätzlich aktiv werden wollen die Königsbronner Kreisräte Walter Macher, Ulrich Knöller und Otto Flachmüller, dies in Form einer Resolution. Walter Macher, in der Sitzung des Gemeinderates unter den Zuhörern, ergriff hierzu das Wort und ließ wissen, man habe in diesem Sinne bereits Kontakt mit der Landkreisverwaltung aufgenommen. Die SHW seien das allemal wert, bekräftigte er und fügte abschließend nicht minder ernst hinzu: „Ganz Königsbronn braucht die Hüttenwerke.“