Königsbronn / Philipp Hruschka Betriebsrat und Belegschaft protestierten mit einer Menschenkette und symbolischen Grabkreuzen gegen die Schließung der Königsbronner Firma.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, fasste am Donnerstagmittag ein langjähriger Mitarbeiter die Lage zusammen. Wie er hatte sich ein Großteil der Belegschaft von SHW HPCT an dem Demonstrationszug vom Kettelerhaus zum Firmengelände beteiligt. Die Menschen trugen Holzkreuze mit ihren Namen vor sich her. Als „Geburtsdatum“ war das Jahr des jeweiligen Firmeneintritts verzeichnet. Darunter stand das Jahr 2019.

Bei vielen der Beteiligten hielten sich Wut, Verzweiflung und Kampfeswillen die Waage. „Wir können es nicht verkraften, dass die Firma kaputt gegangen ist“, sagte etwa Grzegorz Milczarek. Auf seinem Holzkreuz war 1997 zu lesen – so lange ist er schon bei SHW. An diesem Tag brachte er die letzte Hoffnung, aber zugleich seine Wut auf der Straße zum Ausdruck. „Wir haben so vieles überstanden, doch es hat nichts genutzt.“ Ein weiterer Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte, stimmte dem zu: „Ich erwarte keine Hilfe mehr, etwa vom Land Baden-Württemberg. Man hat uns mehr oder weniger ausgesaugt.“

„Die Belegschaft ist nicht schuld“

Philipp Kurtz ist erst seit 2016 Teil der Firma und jünger als viele seiner Kollegen. Um sich selbst macht er sich deshalb weniger Sorgen. „Wir Jungen kommen schon unter, aber die älteren Kollegen bleiben vielleicht auf der Strecke“, befürchtete er. Lob sprach er dem Betriebsrat aus, der „Maßgebliches“ leiste. Und auch die IG Metall zeige Initiative. Anders bei den politischen Parteien vor Ort – man werde im Stich gelassen: „Es passiert nichts.“ Nun gehe es darum, auch möglichen zukünftigen Arbeitgebern zu signalisieren, dass alle Mitarbeiter mit Herzblut bei der Sache sind: „Die Belegschaft ist nicht schuld an dieser Situation.“

Betriebsratsvorsitzender Fred Behr schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 250 Menschen, darunter rund 140 der 162 Beschäftigten. Auch am Donnerstag, 28. Februar, soll noch einmal demonstriert werden: Ab 13 Uhr geht es vom Sportplatz an der Paul-Reusch-Straße zum Vorplatz der SHW, wo eine Kundgebung abgehalten wird. „Wir tragen 653 Jahre Tradition zu Grabe“, so Behr.

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