Königsbronn / gerhard stock In den letzten Tagen der Sommerferien wird die Gemeinde ganz im Zeichen des Jubiläums „650 Jahre Eisenverhüttung stehen. Seit Januar laufen die Vorbereitungen für die industriellen Retro-Tage. Zur großen Erleichterung der Organisatoren steht fest, dass auch die mittlerweile von einem Investor übernommenen Hüttenwerke mit von der Partie sein werden. Ihr spektakuläres Angebot: live dabei sein beim Gießen von Walzen.

Das verkündete gestern anlässlich einer Pressekonferenz im Rathaus Werksleiter Eberhard Geissler. Anlässlich des Festabends am Donnerstag, 10. September, wird er in der Hammerschmiede über „SHW CT - Schwäbische Hüttenwerke heute“ sprechen, im Beisein auch von Arbeitsjubilaren.

Das Gießen von Walzen für die Papierindustrie war und ist die Spezialität des Werkes in Königsbronn. Zwei Exemplare sollen am Tag der offenen Tür (Sonntag, 13. September, 11 bis 17 Uhr) vor Publikum aus flüssigem Eisen gegossen werden, voraussichtlich im Zeitfenster 12 bis 15 Uhr. Aus Sicherheitsgründen kann dazu aber nur eine begrenzte Zahl von Personen zugelassen werden. Auch die großen Fräsmaschinen in der Bearbeitungswerkstatt können Besucher in Aktion erleben. Der Samstag davor steht seitens SHW im Zeichen familiären Mitarbeiterfestes, der Freitag ist den Kunden gewidmet, der Präsentation der Produkte und der Darstellung übernahmebedingter Veränderungen.

Nach den insolvenzbedingten Schwierigkeiten und Problemen der vergangenen Jahre sei es nun umso schöner, dass Markus Hüter, der neue Chef der Hüttenwerke, voll und ganz zum Jubiläum stehe, betonte Bürgermeister Michael Stütz. Dieses sei somit eine gemeinsame Veranstaltung von Gemeinde, Kulturverein und SHW. Doch gehe es dabei nicht darum, ein abgekapseltes oder gar abgehobenes Fest zu feiern, sondern darum, Eisenverhüttung für alle erlebbar zu machen. In diesem Sinne engagierten sich um die hundert Personen ehrenamtlich und auf vielfältige Weise. „Dieser Event ist breit in der Bürgerschaft verankert“, so Stütz. Besonders dankbar sei man ebenso engagierte, sachkundige und kompetente Unterstützung durch Firmen wie zum Beispiel Voith und Zeiss sowie der Fachhochschule Aalen.

Der Festabend zum Jubiläum wird bewusst schlicht gestaltet, im Mittelpunkt steht der historische Rückblick von Kulturvereinsmitglied Josef Seibold über „Eisenverhüttung ab 1365“. Mit Kultusminister Andreas Stoch, so ließ Bürgermeister Michael Stütz wissen, erwarte man einen „Überraschungsgast“, der allerdings erst gegen 20 Uhr zur Festgemeinde stoßen könne. Mit „reingepackt“ ins große Jubiläum 650 Jahre Eisenverhüttung würden 125 Jahre Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung und 450 Jahre Klosterkirche. Zu letzterem komme als besonderer Gast ein Zisterzienser-Abt aus Österreich und es werde ein spezielles Kirchenkonzert mit einer Formation aus Leipzig veranstaltet.

Umfangreich und dem Anlass entsprechend stark mittelalterlich geprägt sein wird am Jubiläumswochenende 12./13. September das Rahmenprogramm im und rund um den Klosterhof. Aufspielen wird, wie Organisator Hanspeter Forner berichtete, unter anderem die Mittelalterband „Des Geyers schwarzer Haufen“. Außerdem gibt's Ritterspiele, Schmiedekunst, einen historischen Handwerkermarkt und eine Feuershow vor den Epitaphien.

So richtig in die industrielle und sonstige Vergangenheit Königsbronns eintauchen können die Jubiläumsgäste an insgesamt elf Stationen. So wird zum Beispiel auf der historischen Kohlplatte bei Ochsenberg ein Meiler aufgeschichtet und Holzkohle hergestellt. Diese war früher der einzige Energielieferant für die Eisenverhüttung. Ende August wird der Meiler angezündet und im Rahmen eines Meilerfestes am Wochenende 5./6. September geöffnet und „abgeerntet“.

Dass die Hüttenwerke nachweislich, so Kulturvereinsvorsitzender Ulrich Knöller, der älteste Industriebetrieb Deutschlands sind, kann man gut auch im Flammofengebäude nachvollziehen. Hier beeindrucken das alte Gießhaus von 1667 mit Zwillingsflammofen von 1854 und hölzernem Kran mit fünf Tonnen Traglast. Bis zum Jubiläum im September soll er wieder voll funktionsfähig sein, wofür sich Voith-Azubis mit Begeisterung reinhängen. Weitere Schaufenster in die Vergangenheit: Langes Haus, Torbogengebäude, Epitaphien, Rennofen, Pfisterei, Feilenschleiferei, Fürstenzimmer im Rathaus, Wasserkraft am Brenzursprung.

Um das Jubiläum angemessen feiern zu können, hat der Gemeinderat das dafür bereitgestellte Budget von 15 000 auf 25 000 Euro aufgestockt. Übrigens– Zur Erinnerung an das große Eisenjubiläum werden unter Mitwirkung von SHW-Azubis künstlerisch gestaltet Plaketten in limitierter Auflage gegossen und feilgeboten.