Wer verfolgt hat, mit welchem enormen Einsatz der Betriebsrat unter seinem damaligen Vorsitzenden Fred Behr gegen die Schließung der Königsbronner Hüttenwerke (damals noch SHW) 2019 angekämpft hatte, den hätte es wohl sehr überrascht, wenn das Team nicht irgendwann dafür ausgezeichnet worden wäre. Nun haben die Betriebsräte beim Deutschen Betriebsrätepreis, der einmal im Jahr vergeben wird, gleich zweimal abgeräumt: Sie erhielten den Preis in Silber und zusätzlich noch den Publikumspreis des Deutschen Betriebsrätetages.

Auch in scheinbar ausweglosen Situationen das Ruder herumreißen

Das Betriebsratsgremium habe gezeigt, dass man auch in scheinbar ausweglosen Situationen das Ruder herumreißen könne, wenn man zusammenstehe und Mitbestimmungsrechte aktiv umsetze, so Christiane Benner, stellvertretende Vorsitzende der IG Metall, in ihrer Laudatio. Für sie sei dieser Preis deshalb auch ein politisches Zeichen dafür, wie unverzichtbar gute Betriebsräte in schwierigen Zeiten seien und dass Betriebsräte mehr Mitbestimmungsrechte brauchten.

SHW: Protestmarsch durch Königsbronn

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Fred Behr, der mittlerweile Werksleiter der Hüttenwerke in Königsbronn ist, freut sich sehr über die Preise: „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man für seine Leistung als Betriebsrat belohnt und gewürdigt wird.“ Chancen ausgerechnet hätten sich er und sein Team schon, „jedoch nicht mit einer solch tollen Platzierung“.

Monate des Bangens noch „sehr präsent“

Kein Preis der Welt kann allerdings an das herankommen, was die Betriebsräte tatsächlich gemeinsam geschafft haben: ihr Unternehmen und zahlreiche Arbeitsplätze zu retten. Die Monate des Bangens liegen zwar schon eineinhalb Jahre zurück, für Behr sind sie aber noch immer „sehr präsent“: „Wir sind jetzt ein junges, aufstrebendes Unternehmen, das sich erst noch behaupten muss.“

Viel gelernt hat das Königsbronner Gremium aus der schweren Zeit. Es gelte der Geschäftsführung immer genau über die Schulter zu schauen, „was ja auch das gute Recht des Betriebsrates ist“. Die Zahlen und das Tun, sagt Behr, müsse man immer genau im Auge behalten.

Außerordentliche Betriebsversammlung bei SHW

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Auch Ralf Willeck, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim, freut sich mit den Hüttenwerken über den Preis. Seitens der Gewerkschaft hatte er die schweren Jahre und Monate der SHW begleitet. „Die Kolleginnen und Kollegen haben diesen Preis mehr als verdient“, so Willeck. Für ihn stünden nicht nur der Betriebsrat, sondern alle Beschäftigten der HWK für gelebte Solidarität: „Gerade in der aktuell schwierigen Zeit ist dieser Preis ein wichtiges Signal an Beschäftigte, dass man sich aktiv einbringen und das eigene Umfeld verändern kann.“

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Fred Behr jedenfalls hat für alle Betriebsräte noch einen Ratschlag: „Bringt euch vorher aktiv in das Geschehen des Unternehmens ein, bleibt immer am Ball und kämpft, wenn es sein muss – auch wenn es aussichtslos scheint. Dafür wurden wir gewählt. Wir sind nicht nur Betriebsräte für die gute Zeit.“

Betriebsrat von Bahlsen landete auf Platz eins


Den Betriebsratspreis in Gold erhielt in diesem Jahr das Gremium des Süßwarenherstellers Bahlsen.

Dort hatte im Jahr 2010 eine Automatisierungswelle begonnen, die viele Arbeitsplätze bedrohte – hauptsächlich die von Frauen.

Das Gremium konnte nach langen Verhandlungen erreichen, dass nach und nach nicht nur die untersten Tarifgruppen im Werk Varel abgeschafft wurden, sondern eine deutliche Höhergruppierung von rund 100 Frauen erfolgte.

So wurden sie nicht nur in die nächst höhere Tarifgruppe B 2 eingruppiert, sondern direkt in Tarifgruppe C 2. Dies führte mittlerweile dazu, dass Tätigkeiten unabhängig vom Geschlecht gleich entlohnt werden.