Bereits im Juli 2018, vor drei Jahren, habe ich einen Leserbrief geschrieben. Damals ging es um die Bebauung des von Professor Dr. Winfried Reiff durch Bohrungen festgestellten Damms der Europäischen Wasserscheide aus der Altsteinzeit. Das ist exakt die Zeit unserer Altsteinzeitmenschen im Lone- und Achtal – Unesco-Weltkulturerbe. Es konnte dabei festgestellt werden, dass offensichtlich auch diese Menschen am Dammbau beteiligt gewesen sein mussten. Und was hat ein Damm für einen Sinn ohne das aufgestaute Wasser?

Auf der Nordseite des Dammes bildete die Ur-Brenz einen See mit entsprechend flachen Sediment-Ablagerungen bis hinein ins Tiefental. Dessen neuer Abfluss im Norden (beim heutigen Hüttlingen) führte zur Ur-Brenz-Umkehrung etc.

Einzigartiges Wassersystem

In diese flachen Sediment-Ablagerungen soll nun das neue Gewerbegebiet gebaut werden. Ist den Verantwortlichen bewusst, dass gerade dieser Bereich zwischen der Pfeffer-, der Brenzquelle und dem Quellbereich des Schwarzen und des Weißen Kochers mit seinen Geschwisterquellen um Oberkochen, gespeist aus dem tiefen Karst im Süden und aus dem seichten Karst im Norden um Oberkochen, ein einzigartiges Wassersystem darstellt, das seit 40.000 Jahren besteht im Gegensatz zu vielen Landschaften, die erst während der Sintflut vor 11.000 Jahren gestaltet wurden? Es sollte für uns ohne Zweifel "heiliges Land" sein, denn es ist für uns zur weiträumigen Trinkwassergewinnung lebensnotwendig.

Massive Zerstörungen zu befürchten

Die bisherigen Eingriffe in den Bereich der altsteinzeitlichen Urbrenz-Kocher-Trennung auf der Ostalb sind heute schon deutlich grenzwertig. Diese "Geheimsache Gewerbegebiet" liegt zentral im Altsteinzeitsee-Sediment. Der Griff nach diesem europäischen Menschheitsdokument, diese Maßnahme, würde ganz massiv das zerstören, was durch die Altsteinzeitmenschen seinerzeit gemeinsam mit den Naturkräften geschaffen wurde – mit unkalkulierbaren Folgen.

Wer übernimmt die Verantwortung?

Wollen Sie das tatsächlich verantworten? Besser wäre es, die landwirtschaftlichen Flächen südlich der Quelle des Schwarzen Kochers aufzuforsten und in den Seitentälern, wie rund um Heidenheim, Rückhaltebecken anzulegen. Wenn wir die aktuelle Wasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen miterleben, scheint dieser Weg für die Lebensgrundlage der Menschen des Kochertales dringlicher zu sein wie neue zeissnahe Arbeits- und Wohnplätze.

Adalbert Feiler, Steinheim