Kleine Räume, fehlende Barrierefreiheit, veraltete Gestaltung. Die Modernisierung der Georg-Elser-Gedenkstätte steht schon lange auf dem Wunschzettel der Gemeinde Königsbronn. Die entsprechenden Pläne für den Umbau des Hauses an der Herwartstraße 2 liegen im Rathaus bereits seit 2017 vor, die Kosten sind ebenfalls bekannt: 800 000 Euro werden benötigt, um Ausstellung und Räumen ein neues Antlitz zu geben. Die Frage nach der Finanzierung blieb seither allerdings unbeantwortet.

Im Doppelhaushalt enthalten

Wie Joachim Ziller, Leiter der Gedenkstätte, bestätigt, ist man der Antwort nun aber einen entscheidenden Schritt nähergekommen. So kann die Gemeinde inzwischen mit einer Förderung des Landes Baden-Württemberg rechnen. Insgesamt 200 000 Euro sollen im Rahmen der Gedenkstättenarbeit in den Doppelhaushalt 2020/21 eingeplant werden. 150 000 Euro im ersten Jahr, der Rest dann im Folgejahr.

„Letter of Intent“

Dafür haben sich die Landtagsfraktionen der Grünen, CDU, SPD und FDP/DVP jetzt parteiübergreifend in Form eines „Letter of Intent“, sprich einer Absichtserklärung, ausgesprochen. Denn: Verabschiedet wird der Doppelhaushalt erst in der letzten Plenarsitzung des Jahres, am 18. Dezember.

Vorgreifen könne man dieser Entscheidung natürlich nicht, sagt Landtagsabgeordneter Martin Grath (Grüne). Trotzdem könne man sich darauf verlassen, dass die Summe später auch tatsächlich im Etatplan zu finden ist. „Es ist ein fester Posten“, die Vorgehensweise über den „Letter of Intent“ in Fällen wie diesem üblich.

Baustein für Bundesförderung

Fälle wie dieser? Der Bund hat die Übernahme von 50 Prozent der Kosten bereits zugesichert, allerdings die Bedingung gestellt, dass sich dann auch das Land finanziell beteiligen muss. Die entscheidende Sitzung in Berlin, ob die 400 000 Euro in Richtung Königsbronn fließen werden, hat kürzlich stattgefunden – also weit vor der Haushaltsverabschiedung.

Die Absichtserklärung der Landtagsfraktionen ist also auch als Signal gedacht. „Ein wichtiger Baustein für die Bundesförderung“, sagt Grath. In Königsbronn sieht man das natürlich ähnlich und zeigt sich erfreut: „Es ist grandios, dass sich die Parteien dazu entschieden haben“, sagt Joachim Ziller. „Ein wichtiger Meilenstein.“ Und: Man rechne quasi jeden Tag mit Post aus der Hauptstadt.

Sponsoren und Spenden werden noch gesucht

Dass die Gemeinde selbst 100 000 Euro für die Modernisierung beisteuern will, steht bereits jetzt fest. Wenn also in Berlin und Stuttgart alles so läuft wie geplant, bleiben noch weitere 100 000 Euro offen. Diese Summe soll durch Spenden gedeckt werden. Zusagen von Sponsoren, sagt Ziller, habe man bisher noch nicht. Aber: „Wir sind gut vorbereitet.“ Sobald die Zusage aus Berlin vorliegt, wolle man loslegen und das Geld einwerben.

Die Rückendeckung der vier Landtagsfraktionen ist der Gemeinde dabei sicher. „Eine aufklärende und umfängliche Erinnerungskultur“ trete populistischen und fremdenfeindlichen Kräften entschieden entgegen, betonen der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter und der für den Wahlkreis Heidenheim zuständige Landtagsabgeordnete Winfried Mack.

SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Stoch ergänzt: Für eine offene und tolerante Gesellschaft brauche es eine „moderne und erlebbare Erinnerungs- und Gedenkkultur“. Das hätten zuletzt auch die Ereignisse in Halle auf erschreckende Weise gezeigt.

Was soll sich in der Gedenkstätte verändern?


Die Gedenkstätte ist im Obergeschoss eines historischen Gebäudes an der Herwartstraße untergebracht. Erreichbar ist die Ausstellung über eine enge, steile Treppe und durch den Eingang des Cafés Veredelt. Die Planung sieht vor, dass ein barrierefreier Zugang (Treppe und Aufzug) an der südlichen Gebäudeseite errichtet werden soll. Die weiteren geplanten Veränderungen: ein neu gestalteter Empfangsbereich, ein Auditorium mit 25 Sitzplätzen für Filmvorführungen und Vorträge sowie Monitor und Lautsprecheranlage, neue Raumzuschnitte durch Wanddurchbrüche und die Entfernung von Türen, ein neues Lichtkonzept sowie Medienstationen und Rechnerplätze. Zudem soll die Ausstellung auch in Englisch, Gebärdensprache und per Audioguide vermittelt werden.

Die Ausstellung gibt es seit 1998. Sie wurde von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin mit Unterstützung durch die Gemeinde Königsbronn und den Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim konzipiert.