Still geworden ist es um das Gasthaus Rössle, seitdem die Pächterfamilie Lindenmeyer im Herbst 2018 ihr 40 Jahre währendes Engagement als Wirtsleute mit Leib und Seele schweren Herzens beendet hat. Um nach dieser Zäsur eine unerwünschte Nutzung des historischen Gebäudes zu verhindern, entschloss sich die Gemeinde, es der Klosterbrauerei AG Heidenheim abzukaufen. Der Grunderwerb gelang zu akzeptablem Preis und nun macht sich die Kommune daran, die Weichen für eine neue, möglichst ebenso beständige und erfolgreiche Ära zu stellen.

Auch künftig sollen Besucher kommen

Einig sind sich Gemeinderat und Bürgermeister darin, dass auch künftig an dieser markanten Stelle im Ortskern Besucher einkehren können und nach Wunsch bewirtet werden sollen. Rund um den Ratstisch will sich niemand ernsthaft vorstellen, dass auf Dauer hier keine gastronomische Anlaufstelle mehr sein wird, dem landauf landab grassierenden Wirtshaussterben, das auch Königsbronn nicht verschont, soll Einhalt geboten werden.„Keine leichte Aufgabe“, wie Bürgermeister Michael Stütz befand, der um die Anziehungskraft Königsbronns für den Fremdenverkehr fürchtet. Vom „Löwen“ in Zang abgesehen müssten Königsbronner mittlerweile auswärtige Adressen ansteuern, wollten sie mal in größerem Rahmen eine Feier mit Bewirtung abhalten. Wie aber konkret das „Rössle“ wieder mit neuem Leben füllen und dabei tunlichst kein Geld in den Sand setzen? Als Laien mit der Beantwortung dieser Frage überfordert, entschloss sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, ausgewiesene Fachleute damit zu befassen.

Konzeptidee und Prognose

Einstimmig wurde deshalb für knapp 15 000 Euro die Erstellung eines Gastronomie-Entwicklungsplans „Rössle“ in Auftrag gegeben, und zwar beim Büro Volz & Partner, Saarbrücken/Frankfurt. Seit über 30 Jahren, so legte die Verwaltung dar, erarbeite dieses Fachbüro unter anderem für Landkreise und Kommunen Machbarbeitsstudien und unterstütze bei der Entwicklung, Umsetzung und Verpachtung oder Verkauf von gastronomischen Betrieben.

Diese Experten für kommunale Gastronomieentwicklung also sollen für die Gemeinde Königsbronn per Markt- und Standortanalyse nicht nur die Erfolgschancen für einen neuen Gastronomiebetrieb an altgewohnter Stelle ausloten und aufzeigen.Weitere Bestandteile der ersten Phase dieses Gutachtens ist die Entwicklung einer Konzeptidee, basierend auf der Marktanlayse und Standortprüfung. Darauf aufbauend soll schließlich auch eine Prognose hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit erfolgen einschließlich Ermittlung des Betriebsergebnisses und des Pachtzinses. Liege das alles vor, könne – je nach Ergebnis – dann im zweiten Schritt die Betreiber- und Investorenauswahl in Auftrag gegeben werden, erläuterte die Verwaltung das weitere grundsätzliche Vorgehen.

Alternativangebot aus Oberkochen

Knapp 3000 Euro teurer wäre das ebenfalls vorliegende Alternativangebot gewesen. Eingereicht hatte dies Michael Mönch, der in der benachbarten Stadt Oberkochen mit Erfolg das „Vilotel“ etablierte. Seine angebotene Standortanalyse und Machbarkeitsstudie mit Focus auf Gastronomiebetrieb inklusive Fremdenzimmern umfasste zehn bis zwölf Beratertage für die Analyse und Konzeptionen, inklusive Kosten für Architekten und Baukostenberechnung.Der Gemeinderat sah jedoch mehr Pluspunkte beim Büro Volz.

Wolfgang Lutz (SPD) hält dessen Distanz zu Königsbronn für vorteilhaft und traut ihm ein durch und durch objektives Gutachten zu, mit dem man das für Königsbronn sehr wichtigen Thema Gastronomie effektiv angehen könne. Engelbert Frey (SPD) berichtete von einer sehr überzeugenden Vorstellung dieses Büros, mit dem man jeglichen Interessenkonflikt von vorneherein vermeiden könne. Ins gleiche Horn stieß Hermann-Josef Boch (CDU), erinnerte jedoch daran, dass bei der Präsentation von Volz nicht nur eine, sondern mehrere Konzeptideen in Aussicht gestellt worden seien. Überzeugt von diesem Fachbüro und dessen Neutralität zeigte sich auch Christl Schäfer (Grüne).

Neue Auschreibung hat sich gelohnt


Als Auftraggeber betätigte sich der Gemeinderat nicht nur hinsichtlich des Gastronomie-Gutachtens fürs neue „Rössle“.

Zugestimmt wurde auch der Verlängerung des Erdasliefervertrages mit den Stadtwerken Heidenheim um drei Jahre.

Satte 60 000 Euro sparte Königsbronn durch die erneute Ausschreibung der Elektroarbeiten für den Kindergartenneubau, die dank zweier Offerten dem Gemeinderat nun eine echte Wahlmöglichkeit eröffnete.

Mit rund 318 000 Euro liegt das Angebot der Aalener Firma Jerg zwar immer noch sehr deutlich über dem Kostenvoranschlag, aber nicht mehr so astronomisch weit, wie das in der ersten Vergaberunde dankend abgelehnte, einzige Angebot eines anderen Betriebes.

Auf 200 000 Euro summieren sich bisher alle Überschreitungen zusammengerechnet. Der neue Kindergarten wird aus jetziger Sicht also 3,2 Millionen Euro kosten und nicht „nur“ drei Millionen Euro.