Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte das Löschfahrzeug LF-16 TS für die Königsbronner Feuerwehr gute Dienste geleistet. Es mag nun nicht mehr den allerneusten Standards entsprechen, aber es funktioniert noch tadellos. Zum Ausmustern ist es zu schade. Aber einfach nur verkaufen? Die Königsbronner hatten da eine andere Idee: Das Löschfahrzeug wird in den kommenden Tagen seine Fahrt in die westliche Ukraine aufnehmen, in eine Gemeinde nicht weit von Lemberg entfernt. Bei der feierlichen Übergabe vor dem Rathaus waren nun nicht nur viele aus Königsbronn vor Ort, sondern auch der Bürgermeister der beschenkten Gemeinde, Stephan Buzanovskyi.

Feierliche Übergabe eines Feuerwehrfahrzeuges in Königsbronn an eine ukrainische Gemeinde

Bildergalerie Feierliche Übergabe eines Feuerwehrfahrzeuges in Königsbronn an eine ukrainische Gemeinde

Freunde in der Not

Über die Schrecken des aktuellen Krieges in seiner Heimat wollte er nicht sprechen, zu groß seien die seelischen Schmerzen angesichts der furchtbaren Geschehnisse. Stattdessen stellte Buzanovskyi, der sich von seinem bereits seit Längerem im Kreis Heidenheim lebenden Sohn Vasyl übersetzen ließ, die Dankbarkeit in den Vordergrund, die er verspüre angesichts der Hilfsbereitschaft aus Königsbronn: Wahre Freunde erkenne man in der Not.

Die Geschichte dieses Geschenks allerdings reicht schon in eine Zeit vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine zurück: 2020 wurde Buzanovskyi zum Bürgermeister seiner Gemeinde gewählt, zu der 16 weit verstreut liegende kleine Ortschaften gehören. Eine Freiwillige Feuerwehr gibt es in der Ukraine nicht, nur eine Berufsfeuerwehr. Die Wege sind oft weit, die Anfahrtszeiten lang. „Wenn die Einsatzkräfte vor Ort sind, liegt meistens schon alles in Schutt und Asche“, beschrieb es bei der Übergabe Uli Steeger, der Vorsitzende des Heidenheimer Kreisfeuerwehrverbands.

Uli Steeger: „Dann kam der 24. Februar 2022“

Davon erfahren hat Steeger schon vor eineinhalb Jahren von Vasyl Buzanovskyi, der in Steegers Nachbarschaft wohnt und von den Plänen seines Vaters erzählte, in seiner ukrainischen Heimatgemeinde eine Freiwillige Feuerwehr einzurichten.

Der Chef des Kreisfeuerwehrverbands begann daraufhin, bei den Feuerwehren des Kreises nach Fahrzeugen, Geräten oder Schutzkleidung zu fragen, die vor Ort nicht mehr gebraucht, in der Ukraine aber noch gute Dienste leisten könnten. „Dann kam der 24. Februar 2022“, so Steeger. Der Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Und plötzlich fehlte es dort am Allernötigsten: an Kleidung, Verbandsmaterial, Stromgeneratoren. Fast von Beginn an waren die Ehrenamtlichen des Vereins „Heidenheim für Ukraine“ mit Hilfstransporten aktiv. Auch bei der Überführung des Feuerwehrfahrzeugs aus Königsbronn werden sie nun mit ihrem Know-how und ihren Kontakten helfen.

Spende statt Weihnachtsgeschenke

Als Uli Steeger bei der Fahrzeugweihe des neuen Königsbronner Löschfahrzeugs mit Bürgermeister Jörg Weiler über die Notwendigkeit von Feuerwehrfahrzeugen in der Ukraine sprach, waren Weiler und sein Rathaus-Team sofort dabei: „Das eigene Streben und Mehren muss dem Helfen und Einstehen für die Gemeinschaft weichen“, so Weiler, der für die Übergabe und den Besuch aus der Ukraine extra Ukrainisch gelernt hatte, um Teile seiner Rede in der Sprache seiner Gäste zu halten. Die Gemeinde Königsbronn werde in diesem Jahr weitestgehend auf die üblichen Weihnachtsgeschenke verzichten, um die Spende des Feuerwehrfahrzeugs zu ermöglichen.

Als Vertreterin des Heidenheimer Landratsamtes war die Dezernentin für Ordnung und Vorsorge zur Übergabe gekommen. Derzeit, so Bianca Kneer, befänden sich rund 1500 Geflüchtete aus der Ukraine im Landkreis Heidenheim – sowohl in kommunaler als auch in privater Unterbringung. Diese Zahl und die Unsicherheiten bezüglich der Energieversorgung in den kommenden Monaten stellten die Kommunen und den Landkreis vor große Herausforderungen. Kneer betonte: Der Dienst am Nächsten ist auch ein Dienst an der Allgemeinheit, der nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Eine kleine Geste abseits offizieller Reden

Und so war es eine kleine Geste am Ende der Veranstaltung, als alle offiziellen Dankesreden und Grußworte vorbei waren, die all das Gesagte wohl am Besten zusammenfasst: Eine Bewohnerin der Ochsenberger Unterbringung für Geflüchtete ging zum Schluss zu Bürgermeister Weiler und bedankte sich mit den Worten: „Danke, dass wir bei Ihnen in Sicherheit sein dürfen.“

Heidenheim für Ukraine: Das steckt hinter dem Verein


Der Verein „Heidenheim für Ukraine“ hilft dabei, das von Königsbronn gespendete Feuerwehr-Fahrzeug in die Ukraine zu bringen.

Der Verein wurde als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gegründet und besteht seit März.

Seitdem haben die Ehrenamtlichen zahllose Spenden gesammelt und Hilfstransporte in die Ukraine organisiert. Im September wurde der Verein mit dem Bürgerpreis des Landkreises in der Kategorie „Alltagshelden“ ausgezeichnet.

Es gibt viele Wege, dem Verein bzw. den Menschen in der Ukraine oder den aus der Ukraine Geflüchteten zu helfen. Mehr Informationen dazu gibt es online auf heidenheim-fuer-ukraine.de.