Königsbronn / Laura Strahl Seltenes Hobby? Belächelter Sport? Der Königsbronner Verein Brenzquell kann sich über einen Mangel an Anmeldungen beim jährlichen Lehrgang nicht beschweren.

Zwei Rentner sitzen mit ihren Angeln am Wasser und schweigen sich an. Vorurteile wie diese sind den Mitgliedern des Königsbronner Angelvereins Brenzquell nicht unbekannt. „Man wird immer wieder belächelt“, sagt etwa Daniel Mack, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Dabei stecke weit mehr hinter dem Sport – ein riesiger Markt, sagt Mack, vor allem aber umfangreiches Fachwissen.

Fünf Tage Lehrgang

Auch der Königsbronner Verein kümmert sich regelmäßig darum, dieses Wissen an den Mann zu bringen. Jeden Herbst organisieren die Mitglieder einen Kompaktlehrgang, der all das vermittelt, was in der Fischerprüfung abgefragt wird. Etwa zehn bis 15 Vereinsmitglieder sind dann von Mittwoch- bis Sonntagabend beschäftigt. Einige sind Rentner, andere nehmen sich extra dafür frei. Doch das Interesse an den Kursen ist groß: Die 60 verfügbaren Plätze seien jedes Jahr ausgebucht, sagt Mack, und die Nachfrage sei sogar noch höher. „Wir mussten schon Interessenten ablehnen.“

Fischereigesetz und Ökologie

Auch der kürzlich zu Ende gegangene Lehrgang in der Hammerschmiede war voll belegt. 60 Männer, Frauen und Jugendliche beschäftigen sich fünf Tage lang mit Geräte-, Gesetzes- und Gewässer- sowie allgemeiner und spezieller Fischkunde. „Man lernt sehr viel“, sagt Mack. „Es ist aber eine riesige Herausforderung, innerhalb der knappen Zeit so viel aufzunehmen.“ Doch was muss, das muss. Alle Themen sind am Ende prüfungsrelevant: angefangen bei Tier-, Natur- und Fischereigesetzen über Ökologie und Lebenszyklen von Tieren und Pflanzen bis hin zu den Erkennungsmerkmalen verschiedener Fischarten. Viel Theorie also für die angehenden Angler.

Tod durch Herzstich

„Es ist wichtig, dass die Voraussetzungen in Deutschland so hoch sind“, findet Daniel Mack. Schließlich gehe es nicht um Maschinen, sondern um Lebewesen. Und eben auch um deren Tod. Deshalb, sagt Mack, zähle auch der Herzstich nach Betäubung sowie das Ausweiden, Entschuppen und Filetieren zu den Inhalten des Lehrgangs. Getötet wird während des Unterrichts aber nicht. Stattdessen nehme man zur Veranschaulichung des Lerninhalts tote Fische aus einer Zucht. Alles andere, sagt Mack, wäre zu viel Stress für die Tiere.

Bis zu 20 Prozent fallen durch

Für die Kursteilnehmer wird es am Ende auch stressig: So findet am letzten Tag des Lehrgangs eine Testprüfung statt. Die richtige folgt dann knapp zwei Wochen später. Die Inhalte werden dabei vom Landratsamt vorgegeben, die Organisation der Prüfung übernimmt aber der Verein. Fallen auch Teilnehmer durch? Landesweit etwa zehn bis 20 Prozent, sagt Mack. In Königsbronn allerdings nur eine Zahl im unteren einstelligen Bereich.

Angelschein beantragen

Die Mehrzahl der Lehrgangsteilnehmer kann also nach bestandener Prüfung im Rathaus einen Angelschein beantragen. Und dann am Wasser sitzen und die Natur genießen, sagt Mack. „Es geht nicht nur um den Fang“, sagt er, sondern auch um das Drumherum, das Erlebte.Überall die Angel auswerfen darf man aber auch als Inhaber eines Angelscheins nicht, sondern nur dort, wo man einen Berechtigungsschein hat. Der Königsbronner Angelverein etwa verkauft Jahreskarten für einen Brenzabschnitt zwischen Aufhausen und Itzelberg sowie Tageskarten für ein Gewässer bei Lauingen.

Den Verein gibt es seit 50 Jahren

Der Angelverein Brenzquell Königsbronn wurde 1969 gegründet. Im Sommer feierten die knapp 60 aktiven und 60 passiven Mitglieder das 50-jährige Bestehen ihres Vereins. Der Verein befischt drei Gewässer: den Griesfeldsee in Aislingen bei Lauingen, einen Abschnitt der Brenz und die Moosweiher in Königsbronn. Letzteren haben die Mitglieder nach Gründung des Vereins in Eigenleistung selbst angelegt. Neben dem Angeln muss sich der Verein auch um die Bewirtschaftung seiner Gewässer kümmern. Dies schließt unter anderem Uferpflege und das Einsetzen neuer Fische ein. Jährlich muss ein Mindestbetrag investiert werden, um die Population aufrecht zu erhalten.