Krisen sorgen für Knappheit. Erst war es Klopapier, dann Speiseöl und Hefe und jetzt ist es das Brennholz. Wie die aktuelle Lage für die Heizperiode 2022/2023 ist, darüber informierte Rainer Deuschel, stellvertretender Forstbezirksleiter Östliche Alb von Forst BW, jetzt den Königsbronner Gemeinderat.

Seinen Vortrag begann Deuschel mit einer Vorbemerkung. Als größter Forstbetrieb des Landes trägt Forst BW Verantwortung für die Bewirtschaftung von mehr als 300.000 Hektar Staatswald. „Das heißt Wald von Gerstetten bis Bopfingen“, so Deuschel. „Wenn alle Städte und Gemeinden wünschen würden, dass wir einen Bericht abgeben, wäre das nicht machbar. Aber da wir in Königsbronn zwei wichtige Standorte haben und Jörg Weiler ein ehemaliger Kollege ist, kommen wir seinem Wunsch sehr gern nach.“

Über den Bedarf hinaus

Und wie angespannt ist die Lage auf dem Holzmarkt? „Das von allen Waldbesitzern in der Region angebotene Brennholz für diesen Herbst und Winter ist bereits weitgehend verkauft, obwohl das Holz noch nicht eingeschlagen ist“, führte Deuschel aus. Offensichtlich deckten sich die Kunden über ihren Bedarf hinaus ein. „Wir haben aktuell eine enorme und überraschend hohe Nachfrage. Viele scheinen nicht zu bedenken, dass wer jetzt Brennholz kauft, diesen Winter keinen Nutzen davon hat. Brennholz aus dem aktuellen Einschlag kann bei Lufttrocknung frühestens nach zwei Sommern Trockenzeit verheizt werden.“

Im Prinzip ausverkauft

Etwa 24.000 Festmeter Laub-Brennholz soll in dieser Saison eingeschlagen werden, rund 7000 davon für Kleinkunden, der Rest für Großkunden, mit denen feste Verträge bestehen. Die Mengen sind vergleichbar mit dem Vorjahr. Doch in diesem Jahr war das Kontingent innerhalb von 14 Tagen auf dem Internetportal von Forst BW im Prinzip ausverkauft. Und viele Stammkunden aus dem Segment der Kleinkunden konnten laut Deuschel bislang gar nicht berücksichtigt werden. Und für langjährige Großabnehmer seien ähnlich wie im Vorjahr 12.000 Festmeter unter Vertrag. „Die Wunschmenge dieser Kunden lag aber sogar bei 18.500.“

Erwartete Zusatzmengen

Und was tut Forst BW, um die hohe Nachfrage kurzfristig zu befriedigen? Laut Deuschel soll etwa Nadel-Brennholz bereitgestellt werden, das bisher von Kleinkunden wegen geringerem Brennwert im Vergleich zum Laubholz nicht akzeptiert war. Zudem soll es zusätzliche Flächenlos-Versteigerungen geben. „In Summe erwarten wir Zusatzmengen im Umfang von etwa 3000 Festmetern.“ Fichten-Käferholz anzubieten, mache aus Waldschutzgründen keinen Sinn, da das Holz vor dem Ausflug des Käfers rasch aus dem Wald abgefahren werden sollte. „Und das ist bei klassischen Brennholzkunden nicht gewährleistet.“

„Es wird auch nächstes Jahr Brennholz geben“

Mit Blick auf die Folgejahre will Deuschel dennoch beruhigen. Man werde vergleichbare Mengen aus dem Staatswald anbieten. „Das heißt, dass es auch nächstes Jahr wieder Brennholz geben wird.“ Das bestätigte auch sein ehemaliger Kollege Jörg Weiler. „Ich kann diese Panik nicht verstehen und auch nicht, dass viele Leute offenbar meinen, sie kriegen sofort ofenfertiges Holz.“ Jedenfalls könne man aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht einfach aufgrund der gestiegenen Nachfrage mehr Holz eingeschlagen.

Unverständnis für die angespannte Situation herrschte auch unter den Räten. Hermann-Josef Boch sprach wie der Bürgermeister von einem panikartigen Run auf Brennholz, Nils Alexander Fischer von einer drastischen Übernachfrage und Michael Bruch wollte wissen, ob es, wie in anderen Regionen, auch schon zu Holzdiebstahl im großen Stil gekommen sei. Deuschel bejahte, dass es diese Fälle, in denen Diebe mit dem Lkw in den Wald fuhren, um Holz abzutransportieren, zwar gebe, aber bislang sei das vor Ort noch nicht an der Tagesordnung. „Und wir hoffen nicht, dass das überhandnimmt.“

Landkreis Heidenheim

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