Königsbronn / Carolin Wöhrle Frank-Walter Steinmeier wird am 4. November Hermaringen und Königsbronn besuchen - aus einem einzigen Grund: Georg Elser.

Hoher Besuch für Hermaringen und Königsbronn: Am Montag, 4. November, wird der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier höchstpersönlich die beiden Gemeinden besuchen. Anlass soll der 80. Jahrestag des Attentats des Schreiners Georg Elser auf Adolf Hitler sein. Zudem wird das Staatsoberhaupt auch bei der Einweihung des neuen Elser-Denkmals in Hermaringen dabei sein. Dass es nicht ganz geklappt hat mit dem tatsächlichen Jahrestag am 8. November liegt an der zeitlichen Nähe zu den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Mauerfalls, zu dem der Bundespräsident in Berlin erwartet wird.

Steinmeier will „Orte der Demokratie“ besuchen

Eine erste informelle Anfrage kam dabei an Hermaringen gerichtet vom Bundespräsidialamt selbst. Steinmeier hatte sich für seine Amtszeit vorgenommen „Orte der Demokratie“ zu besuchen. Offenbar war bis nach Berlin durchgedrungen, dass in Hermaringen in diesem Jahr ein neues Denkmal für Elser eingeweiht werden soll.

Um zu vermeiden, dass die erste unverbindliche Anfrage „in den Mühlen der Bürokratie hängen bleibt“, so Hermaringens Bürgermeister Jürgen Mailänder, habe er sich an den Landesvorsitzenden der SPD, Andreas Stoch, gewandt. „Als Bundespräsident ist man natürlich der Neutralität verpflichtet, aber Herr Steinmeier ist ja durchaus SPD-nah“, so Mailänder weiter. Stoch und Mailänder schickten daraufhin eine offizielle Einladung nach Berlin – mit dem Wunsch, auch Königsbronn miteinzubeziehen.

Bürger sollen teilnehmen können

Gesagt, geplant: Am 4. November wird Frank-Walter Steinmeier nun also Hermaringen und Königsbronn besuchen. Einen genauen Ablaufplan gibt es noch nicht, wohl aber steht sowohl für Mailänder als auch für seinen Königsbronner Bürgermeisterkollegen Michael Stütz fest: Die Bürger beider Orte sollen die Möglichkeit haben, beim Besuch des Bundespräsidenten dabei zu sein. „Natürlich muss bei einem solchen Besuch ein gewisses Protokoll eingehalten werden“, sagt Stütz. „Es wäre aber schön, wenn gerade jüngere Menschen mit dem Bundespräsidenten ins Gespräch kommen könnten.“

Alle Beteiligten erhoffen sich durch den hohen Besuch eine Erweiterung der Strahlkraft Georg Elsers über den Kreis Heidenheim hinaus: „Vielleicht entsteht auch eine Signalwirkung gerade für Pädagogen“, sagt Stütz: „Georg Elser und sein Handeln sind sehr wichtige Themen, die auch im Schulunterricht mehr Beachtung finden sollten.“ Dem wiederum kann Sütz’ Hauptamtsleiter Joachim Ziller, Leiter der Elser-Gedenkstätte in Königsbronn, nur zustimmen: „Gerade in Zeiten, in denen viele ihre Informationen ungefiltert über Facebook und Co bekommen, ist Elser eine Inspiration dafür, sich selbst seine eigenen Gedanken zu machen.“

„Auszeichnung für Ehrenamtliche“

Für all die Ehrenamtlichen, die sich in Königsbronn, Hermaringen und Heidenheim für die Erinnerung an Elser stark machen, ist Steinmeiers Besuch laut Ziller eine Auszeichnung. Gerade aber Königsbronn erhofft sich auch eine Signalwirkung in eine etwas andere, sehr konkrete und politische Richtung: Seit Langem angedacht ist ein barrierefreier Umbau der Elser-Gedenkstätte. Die Kosten liegen bei rund 800 000 Euro. Der Bund hat bereits signalisiert, die Maßahme mit 50 Prozent fördern zu wollen – vorausgesetzt die andere Hälfte kommt aus dem Land. „Wir haben selbst bereits 100 000 Euro vorgesehen, zudem wollen wir 100 000 Euro an Spenden aufbringen“, erklärt Bürgermeister Stütz.

Nun erhoffe man sich 200 000 Euro an Landesförderung. „Elser hat noch nie in ein festgelegtes Schema gepasst“, sagt Joachim Ziller. „Leider gilt das nun auch für die Fördertöpfe des Landes.“ Baumaßnahmen werden im Unterschied zur pädagogischen und medialen Ausstattung nämlich normalerweise nicht gefördert.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch will das allerdings nicht gelten lassen: „Das Land hat im vergangenen Haushaltsjahr beträchtliche Überschüsse erwirtschaftet. Man sollte sich da deshalb nicht herausreden.“

Die Hoffnung: Ein Besuch des Bundespräsidenten könnte den baden-württembergischen Ministerpräsidenten dazu ermutigen, eine finanzielle Unterstützung der Georg-Elser-Gedenkstätte in Betracht zu ziehen.

Das neue Elser-Denkmal in Hermaringen

Der Hermaringer Gemeinderat und die Elser-Projektgruppe entschied sich im April 2018 für den Entwurf der Ulmer Studentin Nina Seliger.

Das Werk heißt „Ein Teil des Ganzen und doch anders": Es besteht aus einem feststehenden Betonblock, der die Gesellschaft in der NS-Zeit symbolisieren soll.

Dem gegenüber steht Georg Elser, symbolisch dargestellt durch eine Form aus Holz, die exakt in die Lücke im Betonblock passen könnte und doch allein durch die Wahl des Materials aus dem Rahmen fällt.

Das Holz mit individueller Maßerung soll zudem symbolisch für Elser als Schreiner stehen.