Seit 30 Jahren arbeite ich im westafrikanischen Benin. Die Landbevölkerung lebt vom Ackerbau und dem Verkauf ihrer Ernte auf Dorfmärkten. Zusätzlich werden Waren aller Art im Kleinhandel am Straßenrand oder vor der eigenen „Haustüre“ angeboten. Viele Familien halten sich gerade so über Wasser, aber es bleibt kaum Geld für größere Anschaffungen oder gar eine umfangreichere Behandlung im Krankheitsfall. Der Alltag ist hart.

Doch trotz großer Herausforderungen und Einschränkungen sind die Menschen zuversichtlich. In der Kunst, in Schwierigkeiten und finanziellen Engpässen den Mut nicht zu verlieren, da sind viele meiner beninischen Freunde und Glaubensgeschwister echte Meister: Meine langjährige Bekannte A. verlor im Februar infolge einer Routineoperation ihren Ehemann. Sie muss nun ohne feste Arbeitsstelle mit Feldarbeit und kleinen Jobs ihre große Familie alleine versorgen. Dazu gehören zwei unverheiratete Töchter mit ihren Kleinkindern, ein Sohn, der die Abiturprüfung nicht bestanden hat, eine schulpflichtige Tochter, ein Enkel ihres Ehemannes aus erster Ehe sowie zwei Nichten – eine mit Kleinkind –, deren Mutter verstorben ist.

Große Lebensfreude trotz allem

Meine Bekannte strahlt trotz allem eine Lebensfreude aus, über die ich nur staunen kann. Mir stellt sich die Frage: Woraus bezieht sie ihre Kraft? Ich beobachte, wie sie sich sonntags ganz in den zwei- bis dreistündigen Gottesdienst einlässt, zu dem außer der Predigt viel Singen mit Bewegung gehören. Außerdem haben die Gottesdienstteilnehmer die Gelegenheit, kurz zu berichten, was sie in der Woche mit Gott erlebt haben.

Während ich zwischendurch auf die Uhr schaue und mir den Schweiß von der Stirn reibe, vergisst meine Freundin die Zeit und wahrscheinlich auch die Schwierigkeiten, die sie in der Woche zu bewältigen hatte. Und so, so kommt es mir jedenfalls vor, findet sie im ansteckenden Vertrauen auf Jesus Christus innere Ruhe und Kraft für die neue Woche mit neuen Nöten.

Gemessen an A. sind meine Herausforderungen klein: Tage mit stundenlangem Strom- und Wasserausfall, unterwegs sein auf schlechten Straßen und in chaotischen Straßenverhältnissen, bescheidene Einkaufsmöglichkeiten in staubigen Tante-Emma-Läden gehören zu meinem Alltag. Trotzdem möchte ich mich durch die äußeren Umstände nicht zermürben lassen, sondern das anpacken, was möglich ist.

Aufmerksamkeit und Wohlwollen

Ein definitiver Alltagsaufheller sind die Treffen mit einigen jungen Frauen aus der Volksgruppe der Sola. Es macht mir Freude, ein gemischtes Programm (biblisches Thema mit interaktiver Vertiefung, Teamspiele, Snack, Lieder) vorzubereiten und Zeit mit ihnen zu verbringen. Es tut ihnen gut, Aufmerksamkeit und Wohlwollen zu erfahren.

Langsam beginnen die sonst durch die Kultur bedingt eher verschlossenen jungen Frauen sich zu öffnen. Wie meine Freundin geben sie sich hinein in das Angebot, in der Gemeinschaft für eine Weile miteinander aufzublühen. Dafür fahre ich gern in ihr Dorf und vergesse fast die vielen Schlaglöcher auf der Staubpiste!

Trotz aller widrigen Umstände wurde Gott damals Mensch – in Krippe und Stall –, um uns in Jesus Christus seine einzigartige Menschenfreundlichkeit zu erweisen. Weihnachten bedeutet: Der Retter ist da. Lassen wir uns auf die Zusagen in seinem Wort ein?! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein bedeutungsvolles Weihnachtsfest.

Ulrike Heyder

Mehr über Menschen aus dem Landkreis Heidenheim, die im Ausland leben, gibt es bei Brücken in alle Welt zu lesen.