Nach der Rückkehr von unserer einjährigen Motorrad-Weltreise nach Estepona (Málaga) im Sommer 2017 begann eine spannende Zeit: Mit Anfang 50, ohne Job und mit knappen finanziellen Mitteln blieb wenig Zeit für Erholung und Aufbereitung der Reiseerinnerungen. Meine Frau Karen und ich begannen sofort mit der beruflichen Neuorientierung. Die Jobsuche in Spanien, zumindest im Grossraum Málaga, verläuft anders als in Deutschland. Man läuft einfach mit seinem Curriculum Vitae, dem Lebenslauf, als eine Art “Klinkenputzer” durch die Stadt und fragt direkt nach einer vakanten Stelle.

Karen war sehr schnell und hatte nach zwei Tagen drei Stellenangebote. Allerdings waren die Konditionen nicht sehr vorteilhaft. Wobei: “Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach”. Nach wenigen Tagen war Karen also wieder in Arbeit und Brot.

Motorrad verkauft

Für mich begann nun der schwierigste Teil des Neuanfangs: Ich musste unser geliebtes Reisemotorrad verkaufen, da wir ein Auto für Karens neuen Job als Immobilienmaklerin benötigten. Der Verkauf des Motorrads war geplant, doch war es schon ein sehr trauriger Moment als der neue Inhaber mit “unserer BMW” wegfuhr. Schließlich hat uns dieses Motorrad mehr als 70.000 Kilometer ohne Probleme um (fast) die ganze Welt gefahren.

Für Sentimentalitäten blieb aber keine Zeit. Wir haben kurz die Tränen abgewischt und uns dann voll auf den Neueinstieg ins Berufsleben konzentriert. Ich habe den Weg der Selbständigkeit gewählt und gemeinsam mit meinem norwegischen Partner eine Immobilienfirma gegründet. Immobilien haben mich und Karen schon immer interessiert und so waren wir in wenigen Monaten dank harter Arbeit schnell einigermaßen etabliert. Wenn auch als unmittelbare Konkurrenten im doch sehr anspruchsvollen Immobilienmarkt der Costa del Sol. Es gibt wohl nur sehr wenige Gebiete auf dieser Welt mit einer so hohen Anzahl an Immobilienmaklern wie im Großraum Málaga. Um die 6000 Makler buhlen um die Käufer und es wird bisweilen mit harten Bandagen gekämpft. Die Jahre 2018 und 2019 waren geprägt von viel Arbeit – und der Erfolg blieb nicht aus.

Garten der Costa del Sol
Garten der Costa del Sol
© Foto: Dieter und Karen Forner

So waren die Corona-Regeln in Spanien

Dann kam Corona. Spanien hatte europaweit wohl die strengsten Regelungen. Anfang April 2020 wurde eine komplette Ausgangssperre verhängt. Man durfte die eigene Wohnung nicht mehr verlassen. Nur der Weg zum Supermarkt war erlaubt. Mehr als acht Wochen lang durften wir nicht mal einen Spaziergang machen. Unser größter Luxus war es, den Hausmüll wegzubringen. Natürlich nur getrennt voneinander. Man durfte nicht einmal gemeinsam auf der Straße laufen. Wir wohnten zwar in der gleichen Wohnung, durften aber auch nicht gemeinsam in einem Auto sitzen. Jedes Land hatte wohl teilweise unsinnige Corona-Regeln und es macht keinen Sinn, dies hier weiter auszuführen.

Es folgten schwierige Monate – und die Geschäfte liefen sehr schleppend. Mittlerweile ist aber wieder alles super. Spanien ist neben Portugal an führender Stelle bei den Impfungen (mehr als 80 % der Gesamtbevölkerung sind vollständig geimpft) und die Nachfrage nach Immobilien ist größer als je zuvor. Corona hat wohl die Mentalität der Menschen geändert und viele wollen sich den Traum einer Zweit-Wohnung unter der Sonne lieber jetzt als später erfüllen.

Vor 26 Jahren ausgewandert

Es sind nun mehr als 26 Jahre vergangen, seitdem ich von der Ostalb nach Spanien ausgewandert bin. Den Entschluss habe ich nie bereut. Und es gibt keinen Grund, wieder zurück nach Deutschland zu gehen.

Ich habe zweimal bei Null angefangen. Einmal mit 29 Jahren, als ich mit zwei Koffern nach Spanien ausgewandert bin. Und nochmal mit 50 Jahren, als wir von der Motorrad-Weltreise zurückgekehrt sind. Der zweite Neustart war anstrengender. Man wird ja nicht jünger. Trotzdem möchte ich alle Leser motivieren, ungelebte Träume zu verwirklichen. Eine Auszeit bringt jeden weiter. Ein beruflicher Neuanfang ist unabhängig vom Alter immer möglich. Man muss nur hart arbeiten.

Motorrad zurückgekauft

Im Frühjahr 2021 habe ich dann spontan den Käufer unseres Reisemotorrads angerufen und er hatte zum Glück noch unsere BMW. Schnell hatte ich ihn überzeugt, dass ich von ihm unser Motorrad wieder zurückkaufen möchte. Es war zwar ein teurer Spaß, aber die Freude über die Wiedervereinigung war riesig und das Motorrad bleibt nun für immer in unserem Besitz.

Dieter Forner beim Rückkauf seines Reisemotorrades.
Dieter Forner beim Rückkauf seines Reisemotorrades.
© Foto: Dieter und Karen Forner

Unsere Reiselust ist unabhängig von Corona nicht mehr so stark. Bisweilen bekommen wir Besuch von anderen Motorrad-Weltreisenden und reisen dann über die sozialen Netzwerke vom Sofa aus durch die weite Welt. Wir sind einfach nur glücklich und zufrieden.

In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern der HZ ein besinnliches Weihnachtsfest, viel Gesundheit und nur das Beste für 2022.

Herzliche Grüsse aus dem Süden

Dieter Forner & Karen Mc Auley Forner

Mehr über Menschen aus dem Landkreis Heidenheim, die im Ausland leben, gibt es bei Brücken in alle Welt zu lesen.