Hallo,

mein Name ist Bianca, ich bin 32 Jahre alt und im wunderschönen Königsbronn aufgewachsen. Dort habe ich auch meinen Mann Tim kennengelernt. Wir haben zwei Kinder, Felix (12) und Emma (4). Vor drei Jahren ist mein Mann wieder der US-Army beigetreten und nach Oklahoma gezogen. Im September 2018 war es dann auch für die Kinder und mich soweit – und wir haben den Schritt in eine neue Welt gewagt. Mit zwei Kindern, die beide kein Wort Englisch sprachen, und einem Mann, der zu unserer Ankunftszeit noch immer im Auslandseinsatz war, waren die Sorgen und Ängste natürlich nicht gerade gering.

Rückwirkend betrachtet muss ich aber sagen, dass diese völlig unbegründet waren. Felix kam in eine kleine Schule, die Englisch-Förderunterricht anbot. Sein Englisch wurde so gut, dass er seine 5. Klasse mit einer Belobigung abgeschlossen hat. Auch sein geliebtes Fußballspiel hat er weiter betreiben können, er war in allen drei Saisons der „Star”. Heute ist er völlig integriert in der Junior-High und in seiner Freizeit ist er zu einem Meisterschützen herangewachsen, der selbst Soldaten in Grund und Boden schießt.

Auch Emma ist inzwischen in der Schule angelangt. Mit vier Jahr fangen hier die meisten Kinder mit der „Pre-K” an, die vom Lernverhalten einer Mischung aus Kindergarten und 1. Klasse entspricht.

Mein Mann Tim ist nach wie vor bei der US-Army und steht kurz vor seiner nächsten Beförderung. In der wenigen Freizeit, die er hat, genießt er die Zeit auf der Farm, beim Camping und trainiert seine Schießfähigkeiten fleißig mit Felix.

Für mich selbst ist hier ein Traum in Erfüllung gegangen. Wir haben im letzten Jahr eine kleine Farm gekauft, die alles bietet, was man sich wünschen kann. Auf mehr als 20 000 Quadratmetern Grundstück haben wir einen kleinen See, einen eigenen Schießstand und Pferdeställe. Dazu studiere ich derzeit Psychologie an der Grand-Canyon-University. Auch in der Arbeitswelt bin ich gut angekommen und bin derzeit stellvertretende Kassenleitung in einem Supermarkt.

Dieses Jahr war auch für uns sehr besonders. Proteste, Debatten um Polizeigewalt, Verschwörungstheorien und Präsidentschafts-Wahlen in den USA .Über allem jedoch liegt der Schatten von Covid-19. Da wir sehr ländlich leben, haben wir hier Glück und die Zahl der Infizierten hält sich in Grenzen. Nachdem die Schule vor der Sommerpause für drei Monate geschlossen war, haben Schüler und Eltern jetzt die Wahl zwischen „Traditional”, was normalem Unterricht im Gebäude entspricht, und „Virtual”, also dem Online-Unterricht. Jeder Schüler hat einen Laptop oder ein Tablet zur Verfügung gestellt bekommen, um auf jeden Fall für Online-Unterricht bereit zu sein, sollten die Zahlen steigen.

Für uns selbst hat sich trotz allem wenig geändert, auch in unserer kleinen Stadt ist alles relativ normal – abgesehen von der Maskenpflicht. Wir hoffen sehr, dass es so bleibt und auch in anderen Teilen des Landes bald etwas Ruhe einkehren kann. Und am meisten hoffen wir, das wir im kommenden Jahr wieder Besuch von meiner Familie empfangen können. Denn das Heimweh nach den Liebsten ist gerade in diesen Zeiten am Größten. Auch wenn ich täglich mit meinen Eltern rede, ist es doch nicht dasselbe.

Jedes Jahr berichtet die Redaktion im Rahmen von „Brücken in alle Welt“ über Menschen aus dem Kreis Heidenheim, die im Ausland leben. Hier lesen Sie alle Artikel.