Königsbronn/New York / Heiner Jestrabek Ein US-amerikanischer Verlag hat jetzt die Georg-Elser-Biographie „Den Hitler jag' ich in die Luft“ des aus Mühlacker gebürtigen und jüngst 71 Jahre alt gewordenen Autors Hellmut G. Haasis, ein Standardwerk, in der Landessprache herausgegeben. Das ist nach der niederländischen die zweite Fremdsprachenedition des im Jahr 1999 erschienenen Buches.

Der Übersetzer William Odom legte hier eine recht souveräne und kreative Arbeit vor und entspricht dem amerikanischen Geschmack, was keinesfalls zu Lasten der Seriosität und des anspruchsvollen Themas geht. Das liegt vor allem an Odoms Vertrautheit mit der deutschen Sprache. Er studierte seit 1961 an der Universität in Berlin Germanistik. 40 Jahre lang unterrichtete er Deutsch an einer amerikanischen Universität.

Nach jahrelangem Bemühen war es ihm gelungen, den deutschen Widerstandskämpfer Georg Elser in den USA bekannt zu machen, trotz der US-zentristischen Wahrnehmungsbeschränktheit, den renommierten New Yorker Verlag „Skyhorse Publishing“ für die Veröffentlichung zu gewinnen. „Skyhorse“, mitten in Manhattan in der 36. Straße gelegen, besetzt eine Marktnische der nichtfiktionalen Erzählungen, wofür sich vorzüglich Haasis' genaue und spannungsvolle Erzählung von Elsers Leben, Tat und tragischem Ende eignet. Titel: „Bombing Hitler. The Story of the Man, who almost assassinated the Führer“.

Der Umschlagtext endet mit einer ehrenvollen Einschätzung: „Bombing Hitler führt uns zurück ins Jahr 1939 und empfindet die Schritte nach, die Elser in die Münchener Bierhalle führte, mit auf seine versuchte Flucht über die Schweizer Grenze und leider ins Konzentrationslager, wo sein heroisches Leben (heroic life) endete. Lesen Sie zum ersten Mal die epische und tragische Geschichte eines Mannes, der wusste, was richtig war und sich gegen den mächtigsten Mann in Deutschland erhoben hatte und sich ihm entgegenstellte, um im Alleingang den Krieg zu beenden.“

Elsers „heroic life“ – diese Formulierung fand bisher noch keinen Eingang in bundesdeutsche Rezensionen und Verlagstexte; vielleicht weil uns eine gewisse Scheu vor allzu heroischen Attributen eigen geworden ist? Sehr erfreulich ist auch, dass der Übersetzer keine Konzessionen an den Unterhaltungs- und Kitschbedarf seines heimischen Publikums zu machen brauchte. Jede namentlich genannte Person dieser dramatischen Geschichte und jedes historische Detail werden wortgetreu übernommen. Es erstaunt, wie viele deutsche Wörter der Übersetzer im Wortlaut beließ, die hier kursiv hervorgehoben sind: Alte Kämpfer, Reichskriminaldirektor, Sieg Heil, Dolchstoßlegende, Götterdämmerung, Höllenmaschine, Blutfahne, Abwehr – aber auch Lederhose, Wochenschau und Schadenfreude.

Schade, dass das Englische keine differenzierte Entsprechung für das Wort „Attentat“ kennt. Attentat, Tyrannentötung, aber auch der gemeine Mord werden gleichermaßen mit „assassination“ übersetzt. Der Kontext stellt aber die Unzweideutigkeit her.

William Odom: „Diese Übersetzung ist gewidmet dem unbezwingbaren Geist (indomitable spirit) Georg Elsers.“ Die Begriffe „heroic life“ und „indomitable spirit“ im Zusammenhang mit dem als bescheiden geschilderten Georg Elser sind bemerkenswert. In jedem Fall wird das englischsprachige Publikum mit einer lehrreichen und spannenden „true instructive story“ belohnt.