Königsbronn / holger scheerer Das dritte Arbeitsgespräch Technikgeschichte des Landesamts für Denkmalpflege fand im kleinen Saal der Hammerschmiede statt. Thema war die Montanarchäologie und Montandenkmalpflege in Baden-Württemberg, wobei es auch um die Zusammenarbeit der Behörde mit Initiativen vor Ort ging, zum Beispiel mit dem örtlichen Kulturverein.

Anlässlich der 650-Jahr-Feier zur Eisenverhüttung in Königsbronn war die Idee entstanden, diese Bergbau-Tagung in Königsbronn abzuhalten. Dr. Michael Hascher vom Landesdenkmalamt hatte rund 20 Kollegen und andere Referenten zum Thema eingeladen. An zwei Tagen wurden insgesamt zwölf Referate zum Thema gehalten.

Am ersten Tag hatten vor allem die Forscher das Wort. Die beiden Eckpfeiler bildeten zum einen die Montanarchäologie, zum zweiten die Montandenkmalpflege in Baden-Württemberg. Dr. Guntram Gassman referierte zum Stand der Montanarchäologie in Baden-Württemberg. Damit sind alle Projekte bezeichnet, die sich um das Ausgraben von Bergwerken und Industriedenkmälern kümmern. Bevor ein Bergwerk zum Besucherbergwerk gestaltet werden kann, müssen die Archäologen erst einmal seinen Bestand sichern. Sonst besteht die Gefahr, dass die archäologischen Spuren verwischt werden.

In Konflikt tritt man dabei oft mit denjenigen vor Ort, die eine solche Anlage betriebswirtschaftlich betreiben wollen und oftmals weniger an deren Erforschung interessiert sind. Aus diesem Grund hatte man am zweiten Tag des Arbeitsgespräches eine Reihe von Praktikern aus diesem Bereich eingeladen. Es erschienen Vertreter des Forschungsbergwerkes Grube Marie bei Einheim sowie der Besucherbergwerke Freudenstadt, Tiefer Stollen in Aalen und des Silberbergwerks im Suggental.

Dr. Hascher sieht die Aufgabe seiner Behörde in erster Linie in der Vermittlung zwischen den einzelnen Beteiligten und dem eventuellem Klären von Konfliktfällen vor Ort. Von diesen Konfliktfällen kann auch Ulrich Knöller, der Vorsitzende des Königsbronner Kulturvereins, ein Lied singen. Konflikte ergeben sich immer dann, wenn man eine denkmalgeschützte Bausubstanz wie etwa das Lange Haus oder die Feilenschleiferei in Königsbronn sanieren will und sich dabei die Auflagen des Landesdenkmalamtes als viel zu teuer in der Umsetzung erweisen.

In Königsbronn habe man dabei durchaus die Feststellung gemacht, dass die Behörde mit sich sprechen lässt. Das sei auch Sinn und Zwecke der ganzen Sache, so Dr. Hascher, ohne die Initiativen vor Ort wie den Königsbronner Kulturverein sei die Landesdenkmalpflege undenkbar. So sei es ein Hauptanliegen der Behörde, mit den Initiativen vor Ort ins Gespräch zu kommen.

300 Mitarbeitern des Landesdenkmalamtes stehen in Baden-Württemberg 90 000 Bau- und 80 000 archäologische Denkmäler gegenüber. Allein aus diesen Zahlen ergibt sich die Angewiesenheit der Behörden auf die Initiativen vor Ort. Für Initiativen wie den Königsbronner Kulturverein ist es umgekehrt wieder sehr wichtig, im Landesdenkmalamt einen kompetenten Ansprechpartner zu haben. Im Falle der Restaurierung der Königsbronner Epitaphen etwa konnten diese unter fachlicher Anleitung der Behörde in Eigenregie erledigt werden, was laut Knöller schließlich die Kosten von 50 000 auf 5 000 Euro reduziert habe.

Dass Königsbronn ein weites Feld für die Montandenkmalpflege darstellt, machte Tim Schönwetter in seinem Vortrag deutlich. Denn dabei geht es nicht nur um die Pflege und Erhaltung der Industriedenkmäler selbst, wie dem Königsbronner Flammofen oder der Feilenschleiferei, sondern auch um das gesamte Umfeld und die Infrastruktur des Hüttenwesens, unter anderem auch der Verwaltungsgebäude, der Bahnanlagen oder der Wohnhäuser der Mitarbeiter.

In welchem Ort das nächste Arbeitsgespräch stattfinden wird, steht noch nicht fest, einig waren sich alle Beteiligten jedoch darin, dass hierbei das Thema Montandenkmalpflege abermals im Mittelpunkt stehen wird.