Königsbronn / nadine rau Kinder- und Jugendrechte in der Hammerschmiede: Bei der Regionalkonferenz war Bildung ein zentrales Thema.

Rund 80 Besucher sind bei der vierten Regionalkonferenz Baden-Württembergs in der Hammerschmiede zusammengekommen. Ob Schulsozialarbeiter, Studenten oder Jugendreferenten: Aus allen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit des Landkreises Heidenheim und des Ostalbkreises waren Vertreter zu Gast.

Schwerpunkt der Konferenz – sie war 2014, im Jahr der Kinder- und Jugendrechte anlässlich des 25-jährigen Bestehens der UN-Kinderrechtskonvention auf den Weg gebracht worden – lag erstmals auf dem Thema Bildungsgerechtigkeit. Wie Landrat Thomas Reinhardt erklärte, gibt es diesbezüglich trotz einer funktionierenden Schulsozialarbeit und Projekten wie „Startklar“, die Jugendliche bei ihrer Berufswahl unterstützen, noch Handlungsbedarf im Landkreis. Zudem seien Bildung und Teilhabe gleichzeitig maßgeblich, wenn es um die Integration von Flüchtlingen gehe.

Die Konferenz war nun eine Möglichkeit, regionale Akteure zu vernetzen: In mehreren Gruppen sprachen sie über bestehende Projekte und neue Ideen. So erklärte etwa Aideen Jakob, Jugendreferentin der Stadt Heidenheim, wie Kinder- und Jugendrechte in der Stadt umgesetzt werden. Genannt wurde dabei die Initiative „Notinsel“, die Kindern in Not Fluchtorte aufzeigt, die sie aufsuchen können. Dazu zählen beispielsweise Bäcker, Apotheken und Supermärkte. Aideen Jakob: Wenn ein Kind Hilfe brauche, bekomme es diese in den teilnehmenden Geschäften. Ein Notnummer-Button mit der Telefonnummer der Eltern, so der Rat der Jugendreferentin, soll indes dabei helfen, Kinder bei einem Fest oder im Urlaub nicht zu verlieren.

Ebenfalls beschrieben wurde eine Aktion aus dem Jahr 2014: Anlässlich des Jahres der Kinder- und Jugendrechte hatte Jakob für jedes der zehn Kinderrechte eine Aktion gestartet. Herausgekommen ist dabei unter anderem eine Postkarten-Serie aus Bildern, die Kinder zu ihren Rechten gemalt haben. Außerdem ließen Kinder beim Kinder- und Familienfest zu Recht Nummer drei (Recht auf elterliche Fürsorge) Luftballons steigen, auf denen geschrieben stand, dass auch sie Rechte haben. „Das war ein Bekenntnis der Stadt zu diesem Thema.“

Diskutiert wurde auch über die Frage, welches Recht Kinder haben, Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Immer mehr 24-Stunden-Kitas laden schließlich dazu ein, dass Eltern ihr Kind für viele Stunden zur Betreuung abgeben. „Das ist ein wichtiger Aspekt, den wir ins Auge fassen müssen“, so Moderatorin Maria Leinweber des gemeinnützigen Bildungsträgers Berufliche Bildung in Aalen.

In einer anderen Gruppe sprachen die Teilnehmer indes über das Projekt „Startklar“ sowie über die Schulsozialarbeit im Kreis Heidenheim. „Startklar“ konzentriere sich auf den Übergang von der Schule in den Beruf und soll Schülern dabei helfen, einen Ausbildungsvertrag zu bekommen. Die Teilnehmer machten sich aber auch klar, dass man Jugendliche mit solchen Projekten nicht instrumentalisieren dürfe, um den Firmen schneller neue Arbeitskräfte zu bieten.

„Natürlich gibt es immer weniger junge Leute und immer mehr Projekte für den Berufseinstieg, aber gerade diese Vielzahl an Möglichkeiten für die Schüler spricht doch gegen die Gefahr, dass wir jemanden instrumentalisieren wollen. Jeder kann frei zwischen unzähligen Berufswegen auswählen und das gibt es fast nirgends auf der Welt“, so Michaela Eberle von der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg.

Es sei wichtig, im Rahmen von einem Recht auf Bildung auch über Schulsozialarbeit zu sprechen, so Kreisjugendreferent Harald Wirth. Denn: Noch vor der Berufswahl entwickeln Kinder in der Schule mehr und mehr ihre eigenen Persönlichkeit, die später Einfluss auf den Beruf haben kann.

Von der Theorie zur Praxis: Von ihrer Arbeit im Schulalltag berichteten die Streitschlichter der Hillerschule in Steinheim. Schulsozialarbeiterin Anna di Muro präsentierte gemeinsam mit den Schülern gespielte Fälle, die so an der Schule passieren könnten. „Für Kinder ist die Erwachsenenwelt eine andere als ihre eigene“, erklärte di Muro. Deshalb sei es immer wichtig, den Schülern die Wahl zu lassen zwischen Streitschlichtern in ihrem Alter oder der Sozialarbeiterin. Welche Hilfe die Kinder annehmen wollen, liege bei ihnen.

Auch Wirth zeigte alltägliche Beispiele und stellte außerdem den Verein für Jugendhilfe des Landkreises vor, mit dem bereits viele Schulen kooperieren. Der Verein bietet Schülern, Eltern und Lehrern seine Hilfe an, wenn es zu Konflikten kommt.

Nach der halbtägigen Konferenz sprach abschließend Hansjürgen Meinhardt vom Regionalen Bündnis für Familie Ostwürttemberg über die Ergebnisse der Konferenz: „Wir haben eine lange Schlacht geschlagen“, sagte er. Der Austausch habe überall gut funktioniert und in den nächsten Wochen werde die Familienforschung Baden-Württemberg eine Dokumentation für alle Teilnehmer zur Verfügung stellen, die die Ergebnisse und Ideen für weitere Projekte bündelt.