Zang / Siglinde Broich-Bernt Zweimal im Jahr pilgern Liebhaber des Kunsthandwerks in das idyllische Dörfchen Zang. An der Durchgangsstraße hat Gabi Engling ihr Atelier eingerichtet: „Keramik & Mehr“ nennt die 47-Jährige ihr Unternehmen und bietet, wie sie sagt, „Wohnkultur in der Scheune“. Ein Besuch.
Zweimal im Jahr pilgern Liebhaber des Kunsthandwerks in das idyllische Dörfchen Zang. An der Durchgangsstraße hat Gabi Engling ihr Atelier eingerichtet: „Keramik & Mehr“ nennt die 47-Jährige ihr Unternehmen und bietet, wie sie sagt, „Wohnkultur in der Scheune“. Und das von Montag bis Samstag zu festen Öffnungszeiten. Jeweils  im Frühjahr und Spätherbst präsentiert die Keramikerin in und ums Haus ihre allerneuesten Objekte.

Die zeigt sie darüber hinaus bei den Gartenausstellungen auf Schloss Hohenstadt bei Abtsgmünd. Nichts scheint besser zu der zweifachen Mutter zu passen, als das Zitat „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“. Als knapp Achtjährige verbrachte sie mehr Zeit in der Werkstatt von Bildhauer Albrecht Kneer, als im Kinderzimmer. „Ich war fasziniert, wie es ihm gelang, aus einem Klumpen Ton Modelle zu formen. Da habe ich Feuer gefangen.“

Zwar erkannten die Eltern das Talent der Tochter, gaben dem Berufswunsch, Keramikerin zu werden,  aber nicht nach. „Lern' erst was G'scheit's“, war deren häufig geäußerter Kommentar. Gabi Engling fügte sich und begann ihre Ausbildung zur Krankenschwester.

Ob nun in Aalen, Stuttgart, Regensburg, Straubing, und selbst der Tatsache geschuldet, dass sie sehr viel Freude am Beruf fand, verließ sie die Leidenschaft, mit den Händen etwas zu erschaffen, nie. „In jeder freien Minute probierte ich neue Techniken aus, belegte Kurse und Seminare, beschäftigte mich mit Kalligraphie, Aquarellmalerei, Monotypie, Druck- und Stempeltechnik.“

Vor zehn Jahren hatten die Lehr- und Wanderjahre von Gabi Engling ein Ende. Mit Ehemann Thomas und den beiden Kindern ging es zurück auf die Schwäbische Alb. Zu den ersten Anschaffungen im um- und ausgebauten Elternhaus zählte jedenfalls ein gebrauchter Brennofen.

Von Mal zu Mal drängten Bekannte und Freunde die Kunsthandwerkerin, ihre Arbeiten zu verkaufen. Lange Zeit vergeblich. „Mir war das alles noch nicht perfekt genug. Außerdem war ich auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal.“

Erst nach vielen weiteren Workshops an der Hochschule in Höhr-Grenzhausen  (Deutschlands Keramikhochburg),  wagte die Autodidaktin den nächsten Schritt, und zwar in die Selbständigkeit. „Mit Hilfe meiner Eltern bauten wir den alten Kuhstall zur Werkstatt um und richteten eine Ladenfläche von neun Quadratmetern ein.“

Unter den Kunsthandwerkern hat sich Gabi Engling mittlerweile einen Namen gemacht, stellt nicht ausschließlich in Zang aus, ist auf Fachmessen zu finden, wo sie Wohnaccessoires ersteht, die als schmückendes Beiwerk die eigenen Unikate noch besser zur Geltung bringen.

Lieblingsmaterialien der Keramikerin sind derzeit Porzellanmasse und Steinzeug. Aus denen formt sie an der Töpferscheibe und „aus freier Hand“ Kugel und Würfel, die sie zu Gartenstelen zusammenbaut, fertigt Vasen, „die in Bewegung sind“, und steckt viel Zeit in die Präsentation der Dinge, die Haus, Garten und Hof einen Pfiff geben sollen. 

Daher sind die regelmäßigen Öffnungszeiten in der Scheune an der Zanger Hauptstraße 4 mittlerweile obligatorisch. „Mein Atelier ist daher keine Töpferei im eigentlichen Sinne“, meint die 47-Jährige, der seit gut einem Jahr inzwischen 100 Quadratmetern Ladenfläche zur Verfügung. „Von neun auf hundert“, meint Gabi Engling lächelnd, die all ihre Fähig- und Fertigkeiten auf dem Material „Ton“ auslebt.

So vermischt sie Aquarellmalerei mit Druck- und Stempeltechnik, mit Monotypie und Kalligraphie und begeistert sich immer wieder aufs Neue für die auf den ersten Blick eher ungewöhnlich Kombination, die am Ende aber stets harmonisch zusammen fließt.

Wann immer es die Zeit erlaubt, experimentiert die Keramikerin in ihrer Werkstatt, hat aber ein weiteres Rückzugsgebiet, nämlich den weitläufigen Garten, in dem die unverkäuflichen, „weil ans Herz gewachsenen Stücke“, einen festen Platz gefunden haben.

Entspannend und anregend zugleich sei das herrliche Fleckchen Erde, meint Gabi Engling, denn: „Die Natur bietet alles an Formen und Farben, die man allenfalls weiterentwickeln, aber niemals verbessern kann.“