Wer kennt den Begriff nicht: Putzete. Eine Aktion, die Schwaben in ihr Herz geschlossen haben. Hinter dem, zugegeben, putzigen Namen, steckt ein hehres Ziel: Umweltschutz im Kleinen umsetzen. Die globale Erwärmung der Erde auf unter 1,5° Celsius begrenzen? Etwas abstrakt. Kohleausstieg bis 2030? Nicht richtig greifbar. Doch warum in die Ferne schweifen?

Vor der eigenen Haustür gibt es genug zu kehren. Nun ja, „Haustür“ muss dabei nicht wörtlich genommen werden. Der Radius kann durchaus zwei oder drei Kilometer betragen. Und da Schwaben gerne organisiert vorgehen, gab es einst – damals, vor der Coronavirus-Pandemie – sogar „große Kreisputzetes“. Dann trafen sich zum Beispiel Nattheimer, Giengener, Königsbronner oder Heidenheimer, um in einem bestimmten zeitlichen Rahmen auszuschwärmen und die Umgebung von Müll zu befreien.

Ein Blick in die Mülltüte: Viele Flaschen des Kräuterlikörs Jägermeister.
Ein Blick in die Mülltüte: Viele Flaschen des Kräuterlikörs Jägermeister.
© Foto: Edgar Deibert

Lang ist’s her. Das soll aber nicht heißen, dass die Putzete in Vergessenheit geraten ist. Im Gegenteil, diese Idee wird weitergetragen. Allerdings in wesentlich kleineren Grüppchen. Erst kürzlich nahm sich ein Duo von Hermaringen aus der Landstraße Richtung Burgberg an. Und zwar mit Greifzange, Handschuhen und einem großen Müllsack ausgestattet. Denn es scheint ein eisernes Gesetz zu sein: Wo Verkehr ist, ist auch Müll.

Zusammen kamen einige Fläschchen des Kräuterlikörs Jägermeister, Bierflaschen, Süßigkeitenverpackungen von beliebten Marken wie Knoppers, Milchschnitte oder Snickers, Plastik oder Styropor. Auch nicht zu verkennen: Kurz vor der Einfahrt nach Burgberg liegen sogar Plastiktüten mit – so sieht es zumindest aus – benutztem Katzenstreu. Eine Tüte ist noch geschlossen, eine zweite aufgerissen und auf der Straße verteilt.

Eine Wundertürte? Jemand hat an der Landstraße zwischen Hermaringen und Burgberg bereits benutztes Katzenstreu entsorgt.
Eine Wundertürte? Jemand hat an der Landstraße zwischen Hermaringen und Burgberg bereits benutztes Katzenstreu entsorgt.
© Foto: Edgar Deibert

Die Welt retten? Das geht mit solchen kleinen Aktionen nicht, dessen ist sich auch das Hermaringer Putz-Duo bewusst. Allerdings gibt es ein gutes Gefühl, einen Beitrag geleistet zu haben, wie das Gespann sagt.

Ganz in der Nähe: So sieht es wohl aus, wenn Säcke mit Katzenstreu aufplatzen.
Ganz in der Nähe: So sieht es wohl aus, wenn Säcke mit Katzenstreu aufplatzen.
© Foto: Edgar Deibert

Der gesammelte Müll kann dabei vom Kreisabfallwirtschaftsbetrieb abgeholt werden. Zudem verleiht dieser auch Greifzangen zum Müll aufsammeln, so die Information. „Man darf gerne bei uns einfach vorbeikommen“, heißt es von Seiten des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs. Dort die Beobachtung: Durch die Pandemie haben Sammelaktionen in kleineren Gruppen einen Schub bekommen. Viele Menschen seien dabei seit Jahren sehr aktiv. Zum Beispiel am Wanderparkplatz auf dem Zanger Berg.

Übrigens ist das Sammel-Duo aus Hermaringen nach eigener Aussage alle paar Wochen im Einsatz. Einmal im Jahr reiche einfach nicht . . .