Einen langen Atem haben sie gebraucht, die Mitglieder der Projektgruppe „Elser-Denkmal“: Seit fünf Jahren arbeiten sie daran, dass im Geburtsort Georg Elsers endlich ein Denkmal an den Widerstandskämpfer und Hitler-Attentäter erinnert. Nun befindet man sich auf der Zielgeraden: für den 4. November ist die Einweihung geplant – mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Thema polarisiert bis heute

„Eine ungeheure Ehre“, findet Gemeinderat Hans-Dieter Diebold, der für die Verwirklichung des Denkmals so manchen Kampf nicht nur im Gemeinderat ausgefochten hat. Der Besuch des Bundespräsidenten zur Einweihung des Denkmals sei eine Anerkennung und Bestätigung für die Arbeit der Gruppe und den Prozess, den Hermaringen durchlaufen habe.

Damit spielt Diebold darauf an, dass das Thema Elser in Hermaringen bis heute polarisiert. Wie sehr, das zeigte sich in zahlreichen Leserbriefen, als die Projektgruppe 2015 den Vorschlag gemacht hatte, die neu sanierte Güssenhalle in Georg-Elser-Halle umzubenennen.

Und selbst im Hermaringer Gemeinderat fand die Idee des Denkmals nicht nur Unterstützer. Von „alten Zöpfen“ war damals die Rede und von der Vergangenheit, die man nun endlich einmal ruhen lassen solle. Nur mit knapper Mehrheit hatte sich 2014 das Gremium dazu durchgerungen dahingehend einen Beschluss zu fassen, dass man ein Elser-Denkmal grundsätzlich „begrüßt und unterstützt“. Die damalige CDU-FWG-Fraktion lehnte sogar ab, weil sie darauf bestanden hatte, dass sich die Gemeinde angesichts knapper Kassen finanziell nicht daran beteiligen dürfe.

Projektgruppe war mutig

Trotz etlicher Widrigkeiten ließen sich die Mitglieder der Projektgruppe – zu der auch Hermaringer Gemeinderäte der CDU-FWG-Fraktion gehören – nicht entmutigen.

Außerdem musste es ja auch nicht zwangsläufig das Werk eines renommierten Künstlers sein, dass an Georg Elser erinnern sollte. In der Projektgruppe entstand die Idee, möglichst viele junge Menschen in die Umsetzung des Denkmals einzubeziehen. So entstand eine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Ulm. Studenten der Hochschule erarbeiteten Ideen und Entwürfe und gaben dabei offen zu, dass sie sich dafür zunächst einmal über die Person Georg Elser informieren mussten. Die Ergebnisse des Prozesses waren dann jedoch allesamt absolut bemerkenswert.

Viele helfende Hände

Die Vorauswahl traf die Projektgruppe, die endgültige Entscheidung dann der Gemeinderat. Das Rennen machte schließlich der Entwurf der Studentin Nina Seliger aus Friedrichshafen. Wie dieser in die Realität umgesetzt werden kann, das war wiederum Aufgabe der ehrenamtlichen Mitglieder der Projektgruppe. Eine Herausforderung, wie sich schnell zeigte, obwohl in der Gruppe viele Fachleute ihr Wissen besteuern. Die Schwierigkeit: Das geplante Kunstwerk besteht aus verschiedenen Teilen und Werkstoffen, das Ganze muss stabil und sicher sein und sollte zudem nicht viel kosten.

Doch was die Mitglieder selbst nicht leisten konnten, dort konnten sie zumindest mit guten Kontakten weiterhelfen. Und mit ihrer Begeisterung konnten sie dann wohl auch andere anstecken. So erklärte sich beispielsweise der Giengener Hans Then bereit, kostenlos die Statik für das Denkmal zu berechnen.

Auch in den Herstellungsprozess wollte die Gruppe nach Möglichkeit wieder junge Menschen miteinbeziehen. Hier waren die Verbindungen von Wolfgang Lindel als ehemaliger Bauunternehmer hilfreich: Mit Unterstützung der Bau-Innung wurde der aus Beton bestehende Teil der Skulptur von jungen Auszubildenden der Bau-Innung in Aalen gefertigt. Eine aufwendige Angelegenheit, die die jungen Männer voller Stolz mit Fotos dokumentiert haben.

Prominenter Besuch

Genau dieser Entwicklungsprozess, ausgelöst von Hermaringer Bürgern und gemeinsam mit jungen Menschen aus der ganzen Region umgesetzt, scheint im Bundespräsidialamt in Berlin Eindruck gemacht zu haben. Auf einen Bericht der Heidenheimer Zeitung hin hätten Mitarbeiter des Bundespräsidenten mit ihm Kontakt aufgenommen, berichtet Bürgermeister Jürgen Mailänder. Man sei wohl auf der Suche nach einem geeigneten Ort gewesen, den 80. Jahrestag des Attentates von Georg Elser auf Adolf Hitler zu würdigen.

Für die kleine Gemeinde bedeutet der prominente Besuch des Politikers auch organisatorisch einen ziemlichen Kraftakt. Allein schon die Sicherheitsvorkehrungen, die mit dem Auftritt des Bundespräsidenten einhergehen, sind gewaltig. Nach der Einweihung in Hermaringen (die Uhrzeit ist noch offen) wird Frank-Walter Steinmeier weiterfahren zur Elser-Gedenkstätte nach Königsbronn.

Und für die Projektgruppe in Hermaringen ist bis zum großen Termin im November auch noch jede Menge zu tun. Derzeit beschäftigen sich Michael Gauger und Robert Schmid zusammen mit der Schreinerei Heß in Sontheim mit dem aus Holz bestehenden Teil der Skulptur. Mit Fichtenholz wurden zunächst die Details ausprobiert, jetzt soll das endgültige Produkt aus Eichenholz gestaltet werden. Außerdem muss das stabile Fundament für das Denkmal geplant, organisiert und umgesetzt werden.

Dr. Michael Seibold, Geschäftsführer der Firma Hauff, ist ebenfalls Projektmitglied. Er unterstützt die Verwirklichung des Denkmals nicht nur mit einer großzügigen Spende, er sorgt auch dafür, dass die künftigen Besucher anhand von Beschriftungen auch Informationen bekommen.

Schutz vor Vandalismus

So unschön der Gedanke auch ist, ein Thema ist auch immer wieder die Frage, wie das Denkmal vor Vandalismus geschützt werden kann. Doch gerade in einer Zeit zunehmender rechter Straftaten und vor allem zunehmender Gewalttaten gegen Menschen fühlen sich die Mitglieder der Projektgruppe auch darin bestätigt, dass ein Mahnmal, das an das Denken und Handeln des Widerstandskämpfers Georg Elsers erinnert, wichtiger geworden ist denn je.

Nina Seliger: Von ihr stammt der Entwurf für das Kunstwerk


Der Name Georg Elser ist vielen jungen Menschen nicht geläufig. Auch Nina Seliger, deren Entwurf für das Denkmal in Hermaringen umgesetzt wird, musste sich erst einmal mit seiner Person auseinandersetzen. Entstanden ist ein Werk mit dem Titel „Ein Teil des Ganzen und doch anders“.

Der große feststehende Betonblock symbolisiere die Gesellschaft, aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammengepresst durch das NS-Regime, erläutert Nina Seliger ihre Gedanken. Dem gegenüber stehe Elser, dargestellt als ein quadratischer Ausschnitt aus „dem Ganzen“, der exakt in die entstandene Lücke passt und doch zugleich so anders ist – der also buchstäblich aus dem Rahmen fällt. Den Unterschied Georg Elsers unterstreicht Seliger auch durch die Wahl des Materials Holz als Naturprodukt mit individueller Maserung. Zugleich habe sie damit Elsers Beruf als Schreiner aufgreifen wollen.

Dass ihr Kunstwerk einmal vor dem Rathaus der Gemeinde Hermaringen stehen könnte, sei für sie schon ein unglaublicher Gedanke gewesen, erinnert sich Seliger an die Zeit der Entstehung ihres Entwurfs. Dass nun aber sogar der Bundespräsident persönlich zur Einweihung komme, „das ist wirklich eine ganz besondere Ehre“. Sie freue sich aber auch, dass ihre Kommilitonen, die ebenfalls Entwürfe erstellt hatten, mit eingeladen sind.

Das Elser-Denkmal sei eine tolle Chance gewesen. Seit Oktober hat Nina Seliger ihr Studium an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Ulm beendet. Beruflich möchte sie in Zukunft gerne Möbel designen. mai