Hermaringen / Brigitte Malisi Aus dem Brenzbalkon könnte ein Balkönchen werden: Mehrkosten für den Mühlenhof und den Bahnhofsbereich zwingen die Gemeinde Hermaringen zu Einsparungen.

Ein Plätzchen mit Aussicht, gefühlt schwebend über der Brenz: So hatte sich Bürgermeister Jürgen Mailänder die Attraktion für seine Gemeinde vorgestellt. Im Gemeinderat hatte er dafür einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Jetzt aber schlug das Ortsoberhaupt von sich aus vor, das Vorhaben zu canceln – „schweren Herzens“, wie er zugab.

Grund dafür sind die Mehrkosten für die Neugestaltung des Mühlenhofs und des Bahnhofsumfeldes. Das günstigste Angebot lag rund zehn Prozent (116.000 Euro) über den Kostenberechnungen. Hinzu kommt, dass zwischenzeitlich weitere Ausgaben angefallen sind, die so nicht eingeplant waren. Unter dem Strich, und abzüglich der Förderung, erhöht sich der Eigenanteil der Gemeinde um 125.000 Euro.

„Entscheidung der Vernunft“

Um diese Mehrkosten zu finanzieren, schlug Mailänder deshalb vor, auf den Brenzbalkon, für den die Gemeinderäte die maximale Eigenbeteiligung auf 108.000 Euro gedeckelt hatten, zu verzichten. Es sei eine Entscheidung der Vernunft, man wisse nicht, was die Gemeinde im Lauf des nächsten Jahres sonst noch erwarte. Bei den Ausschreibungen für den neuen Kindergarten kämpfe man gerade mit den Kosten, die wohl ebenfalls höher ausfallen würden.

„Ich möchte nicht, dass es nachher heißt, wegen dem Brenzbalkon kann man jetzt eine Straße nicht richten“.

So ganz hat sich Mailänder vom idyllischen Plätzchen aber noch nicht verabschiedet: Statt „über“ der Brenz, könnte es ja vielleicht auch einfach „an“ der Brenz liegen, so die Idee. Dafür hat die Verwaltung um einen alternativen Vorschlag des Ingenieurbüros gebeten.

Einsparungen fraglich?

Hans-Dieter Diebold zeigte sich überrascht. Zehn Prozent über den erwarteten Kosten seien derzeit ja nicht einmal besonders hoch, zudem halte er es für fraglich, dass die neue Lösung wirklich hohe Einsparungen bringen würde. Auch Martin Birzele war gegenüber der neuen Idee skeptisch und fragte nach Kostenschätzungen, die es aber derzeit noch nicht gibt.

Robert Schmid war hingegen optimistisch, dass da schon einiges an Geld eingespart werden könne. Zudem könne er mit der jetzt vorgesehenen Variante gut leben. An die Planer appellierte er, die Kostenansätze künftig mehr am Markt orientiert festzulegen.

Lob an die Einsicht der Verwaltung und den Sparwillen, gab es von Martin Gansloser und Hans Ott.

Die Erschließungsarbeiten wurden zum Preis von rund 1.534.000 Euro an die Firma Leonhard Weiss vergeben.

Für weitere Entscheidungen über einen möglichen abgespeckten Brenzbalkon sollen nun die Ergebnisse des Ingenieurbüros abgewartet werden.

Der Hermaringer Gemeinderat hat für die Kosten eine „Schmerzgrenze“ festgelegt. Denn: Die Ausschreibung brachte ein völlig überteuertes Ergebnis – und wurde daher aufgehoben.

In Hermaringen erfreut man sich einer regen Bautätigkeit, die nicht nur im Gewerbegebiet Platz greift, sondern auch den Ortskern umgestaltend in Angriff nimmt.