Soll Hermaringen eine Enthärtungsanlage bekommen, ja oder nein? Darüber stimmen die Bürger am 26. Juni zum zweiten Mal ab. Sie bestimmen also, ob in Hermaringen künftig weiches, kalkarmes Wasser fließen wird oder nicht.Die Fragestellung ist allerdings tückisch, denn sie lautet: Sind Sie dafür, dass der Gemeinderatsbeschluss vom 21. Januar 2016 zum Bau einer zentralen Trinkwasserenthärtungsanlage aufgehoben wird?

Wer keine Anlage will, muss also mit „Ja“ stimmen, wer eine möchte, muss mit „Nein“ stimmen. In besagter Gemeinderatssitzung stimmten sechs Räte für die Anlage am Standort Pumpwerk Hürbetal, vier dagegen und drei enthielten sich. Gegen diesen Beschluss haben die Gegner der Anlage in Form eines Bürgerbegehrens 527 Unterschriften gesammelt, mit dem Ziel, die Entscheidung nochmal zu ändern. Nun wird erneut zur Wahlurne gebeten. Zur Erinnerung: 2011 stimmten 52 Prozent der Wähler für und 48 Prozent gegen den Bau. Um zu einem endgültigen Ergebnis zu gelangen, ist eine absolute Mehrheit (über 50 Prozent der Stimmen) notwendig.

Außerdem muss diese Mehrheit mindestens 20 Prozent aller Stimmberechtigten betragen. In Hermaringen sind aktuell 1786 Bürger stimmberechtigt, es müssen also mindestens 358 Stimmen abgegeben werden. Wird diese Zahl nicht erreicht, entscheidet der Gemeinderat. Sollte eine zentrale Anlage gebaut werden, würde das Membranverfahren für die Entkalkung genutzt werden. Das Rohwasser wird dabei mit Druck durch feinporige Membranen gepresst.

Das kalkfreie Wasser, das hinter der Membran herauskommt, wird dann mit etwas Rohwasser gemischt. Danach hat das Wasser keine Gesamthärte von 21,3 Grad deutscher Härte mehr, sondern von neun bis zehn Grad. Einer Kostenschätzung zufolge würde der Kubikmeter Wasser dann rund 56 Cent mehr kosten. Allerdings kann nicht gesagt werden, ob es bei diesem Mehrpreis bleibt. Bürgermeister Jürgen Mailänder ist der Ansicht, dass die Vorteile einer zentralen Enthärtungsanlage für die Bürgerschaft überwiegen.

Dem höheren Wasserpreis stehe ein echter Mehrwert, auch aus ökologischer Sicht, entgegen. Er verweist aber auch darauf, dass die Anlage für den Erhalt der hohen Qualität des Wassers nicht erforderlich ist. Gegner und Befürworter der zentralen Enthärtungsanlage wollen die Bürger nun mit ihren Argumenten überzeugen: PREIS: Die Gegner beanstanden, dass mit der Enthärtungsanlage eine massive Wasserpreiserhöhung verbunden ist.

Die Befürworter entgegnen dem, dass sich die anfallenden Mehrkosten für die Wasserenthärtung im Gegensatz zu 2011 von 80 bis 90 Cent pro Kubikmeter auf 55 bis 65 Cent pro Kubikmeter reduziert haben.

QUALITÄT UND GESCHMACK

Der Geschmack und die hochwertige Qualität des Trinkwassers als Lebensmittel leiden unter der Enthärtung, so die Gegner.

Die Befürworter kontern: Auch mit zentraler Enthärtungsanlage würden keine Zusatzstoffe in das Wasser gelangen, das aus dem Wasserhahn kommt. Durch Beimischung von Rohwasser, also hartem Wasser, zum entkalkten Wasser bleibe der Geschmack erhalten.

WAHLFREIHEIT

Als nicht akzeptabel sehen die Gegner an, dass im Fall des Baus einer zentralen Anlage jeder Bürger fortan gezwungen ist, das enthärtete Wasser zu beziehen. Wer bisher mit seinem Wasser zufrieden war, müsse den neuen Härtegrad einfach akzeptieren. Hinzu komme, dass die Enthärtung in vielen Bereichen nutzlos sei, zum Beispiel für den Garten. Aber auch wer einen großen Garten hat, müsse die Entscheidung hinnehmen.

Die Befürworter sehen als einzige, aber schlechte Alternative zu einer zentralen Anlage nur mehrere dezentrale, hauseigene Anlagen, für die Bürger, die weiches Wasser wollen. Die gängigsten dezentralen Enthärtungsmethoden seien entweder die physikalische Wasserenthärtung oder die Wasserenthärtung mittels Kationenaustausch. Die physikalische Wasserenthärtung sei von der Stiftung Warentest im Jahr 2000 als fast wirkungslos bewertet worden. Bei der Kationenaustausch-Methode müsse man mit ständigen Wartungsarbeiten rechnen und bei einer Lebensdauer von 15 Jahren 2000 Euro investieren. Eine zentrale Anlage wäre aus finanzieller und ökologischer Sicht sinnvoller.

KORROSIONSRISIKO

Die Trinkwasserenthärtungsanlage erhöht das Risiko der Korrosion in den Wasserleitungen, sagen die Gegner. Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Gemeinde und Hauseigentümer mit Rohrbrüchen und Lochfraß rechnen müssen. Der Grund: Kalk gilt als natürliches Dichtungsmittel im Leitungs- und Haushaltsnetz.

Die Befürworter sagen es genau anders herum: Nicht bei einer zentralen, sondern bei einer hauseigenen Anlage, die mit Kationenaustusch funktioniert, würde Lochfraß entstehen.

UMWELTSCHUTZ

Die Gegner sehen mit der zentralen Anlage Umweltverschmutzung verbunden: Pro Jahr müssen 200 Kilogramm phosphathaltiges Antiscalant zur Membranreinigung verwendet werden, das ungeklärt in die Brenz fließt. Hinzu kämen Laugen und Salzsäure, die bei der Hauptreinigung gebraucht werden. Die zentrale Anlage benötige außerdem mindestens 16 Prozent zusätzliche Wasserförderung zur Membranreinigung. Auch dieses Spülwasser würde als Abwasser in die Brenz geleitet werden.

Die Befürworter sehen das anders: Die zentrale Anlage habe einen ökologischen Mehrwert. Pro Einzelanlage, die in einem Haushalt gebaut werden könnte, würden im Jahr 140 bis 150 Kilogramm Salz eingespart, das das Abwasser nicht belastet. Außerdem brauche man weniger Wasch-, Spül- und Reinigungsmittel sowie Shampoo oder Salz für die Spülmaschine.

ENERGIE

Dass die zentrale Anlage Energieverschwendung ist, da sind sich die Gegner einig. Der Verbrauch an elektrischer Energie sei mit 0,4 Kilowattstunden pro Kubikmeter viermal so hoch wie der von privaten Enthärtungsanlagen, welche 0,1 Kilowattstunden pro Kubikmeter benötigen. Ressourcen würden also verschwendet.

Die Befürworter setzen dem entgegen, dass man mit der zentralen Anlage sparen könne. Nach ihrer Rechnung entstehen für eine zentrale Trinkwasseranlage bei einem Stromverbrauch von 50.000 Kilowattstunden Stromkosten in Höhe von 13.000 Euro im Jahr. Rechne man das auf hauseigene Anlagen um, könnten für dieses Geld im selben Zeitraum in 104 Haushalten Enthärtungsanlagen betrieben werden, aber nicht in allen 780 Haushalten. Mit einer zentralen Anlage spare man also Energie und Geld.

FINANZIERUNG

Die Gegner würden das Geld der Gemeinde gerne anderweitig anlegen: Die Verschuldung der Gemeinde steige durch eine zentrale Enthärtungsanlage. Die Pro-Kopf-Verschuldung habe sich von 2011 bis 2015 unter anderem durch die Investition in die Ortskernsanierung und die Güssenhalle verdoppelt. Außerdem werde das Geld in Zukunft für andere Aufgaben gebraucht: zwei marode Brücken sowie Wasserleitungen müssen ersetzt werden; für eine Notwasserversorgung müsse gesorgt werden; das Mühlenareal müsse abgebrochen und erschlossen werden; in die Kläranlage müsse investiert werden, um die Betriebserlaubnis verlängern zu können und jahrelang aufgeschobene Straßensanierungen sowie die Sanierung des Friedhofs sollten angepackt werden.

Für die Befürworter hingegen könnten die finanziellen Bedingungen kaum besser sein: Gegenüber 2011 ist der Preis für die Enthärtungsanlage gesunken, sie würde jetzt 750.000 Euro kosten. Diese Summe könne derzeit mit einem Zinssatz für Kommunen von unter einem Prozent fremdfinanziert werden. Die Investitionsbedingungen könnten also nicht besser sein. Hinzu komme, dass der Überwachungs- und Personalaufwand für eine zentrale Enthärtungsanlage relativ gering sein werden.

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