Zu den Hermaringer Überlegungen für die Verkehrsplanung am Bahnhof im Zusammenhang mit der Errichtung eines Gesundheitszentrums äußern sich jetzt gleich zwei mit Verkehr befasste Organisationen in schriftlichen Stellungnahmen kritisch und teilweise ablehnend: der Heidenheimer Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und der Kreisverband Heidenheim des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

Für den ADFC schreiben Vorsitzender Johannes Metzger und der verkehrspolitische Sprecher Günter Staffa, dass sie das geplante Gesundheitszentrum im Bahnhofsbereich begrüßen. Weiter fassen sie in Bezug auf die Verkehrsplanung zusammen, dass in Richtung Süden hinter dem Gebäude ein Parkplatz mit circa 50 Stellplätzen angelegt werden soll. Insgesamt würden 115 Parkplätze entstehen.

Die Meinung des ADFC

„Dieses Gesundheitszentrum ist ein richtungsweisendes Projekt und sollte auf alle Fälle unterstützt werden. Allerdings ergeben sich durch die aktuell geplante Version erheblich schlechtere Bedingungen für den Radverkehr“, heißt es in der ADFC-Stellungnahme. Da es sich bei der tangierten Strecke um einen Teil des Radnetzes Baden-Württemberg handele, auf der erheblicher Radverkehr stattfinde (Alltags- und Freizeitverkehr) „ist dies besonders bedenklich“.

Der reine Umweg durch den verkehrsberuhigten Bereich, der sich durch das Umfahren des Gebäudes ergebe, sei nicht allzu lang und daher zumutbar. Allerdings sei durch Kunden, Patienten, Passanten und Besucher in dem verkehrsberuhigten Bereich erheblicher Kfz-Verkehr zu erwarten. Zusätzlicher Verkehr entstehe durch die zahlreichen Parkplätze und die große Parkfläche in südlicher Richtung hinter dem Gebäude. Der Ausbau der Schillerstraße als Durchgangsstraße fördere das noch zusätzlich.

„Die Anlage eines verkehrsberuhigten Bereichs, der mit so viel Kfz-Verkehr beaufschlagt ist, ist an sich schon fragwürdig und so eigentlich gar nicht vorgesehen“, so der ADFC, der auch aus der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung zitiert: „Die Straßen oder Bereiche dürfen nur von sehr geringem Verkehr frequentiert werden und sie müssen über eine überwiegende Aufenthaltsfunktion verfügen.“

„Kritisch und gefährlich“

Die ADFC-Vertreter weiter: „Durch die geringe Breite, fahrende, wartende und haltende Autos (Ein- und Aussteigen) und den regen Fußgängerverkehr (Seniorenzentrum) ist die Passage im verkehrsberuhigten Bereich für Radfahrer (und Fußgänger) kritisch und gefährlich. Die bisherige weitgehende Entmischung von Radverkehr und Autoverkehr wird dadurch aufgehoben. Aus diesen Gründen kann der ADFC dem Vorhaben nach aktueller Planung nicht zustimmen.“

Viel besser sei es, die Kleinräumlichkeit Hermaringens durch ein Geh- und Radwegekonzept zu nutzen, um den Bereich Bahnhof/Gesundheitszentrum/Seniorenzentrum weitgehend autofrei zu halten. „Dazu sollten in erster Linie die zahlreichen Parkplätze entfallen, um für den motorisierten Individualverkehr keine neuen Ziele zu schaffen.“

Für Kunden und Patienten mit Einschränkungen sollten aber ausreichend Haltebuchten mit genügend Freiraum vorgesehen werden, damit diese ungehindert und ungefährdet zu den jeweiligen Einrichtungen gebracht werden können. „Für den Radverkehr würden sich so nur geringe Einschränkungen ergeben“, erklärt der ADFC.

Die Meinung des VCD

Ähnlich äußert sich für den VCD Heidenheim dessen Vorsitzender Gerd Schweizer. „Die Planung und der Bau eines Gesundheitszentrums nahe dem Bahnhof ist für Hermaringen eine hervorragende und zukunftsträchtige Verbesserung der Infrastruktur. Was Themen wie Klimaschutz, CO2-Ausstoß und Verkehrsvermeidung angehen, ist das Verkehrskonzept im Bereich Bahnhof/Gesundheitszentrum allerdings nicht zukunftsträchtig.“

Es gelte, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu stärken und den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Der VCD sehe den Bahnhof hier als „wichtigsten Netzwerkknoten“, der vom ÖPNV sowie allen anderen Verkehrsmitteln möglichst einfach und schnell erreichbar sein solle. Linienbusse sollten in nächster Nähe eine Haltestelle haben. Außerdem seien Stellplätze für Taxi, Car-Sharing, Hol- und Bringdienste sowie sichere Abstellanlagen für Radfahrer – „am besten mit Verleihstation“ – notwen dig.

„Auf lange Sicht verbaut“

„Vieles davon ist in der aktuellen Planung nicht berücksichtigt und wird durch das Bauprojekt sogar auf lange Sicht verbaut. Es gibt keine Planung für einen (zukünftig) ausgebauten ÖPNV, der Patienten, Kunden und Fahrgäste der Bahn von und zu den Nachbarorten bringen kann.“

Durch die Anlage von weit über 100 Kraftfahrzeug-Stellplätzen werde der Bereich mit deutlich mehr Verkehr belastet, so der VCD-Vorsitzende in der Stellungnahme. Der verkehrsberuhigte Bereich werde dadurch infrage gestellt und das „bisher ruhige Wohngebiet in der Schillerstraße wird durch den Ausbau zur Durchgangsstraße mit erheblichem Verkehrsaufkommen“.

Als besser beurteilt es der Verkehrsclub, wenn die Zahl der geplanten Parkplätze deutlich reduziert würde. Anwohner und Mitarbeiter könnten zu Fuß in näherer Umgebung ausreichend Parkplätze finden. Für Bahnkunden müssten einige Parkplätze als Park-and-Ride-Plätze vorgesehen werden.

Der VCD: „Auf diese Weise wird der Bereich Bahnhof/Gesundheitszentrum nahezu autofrei. Ein einladender Bahnhofsvorplatz und ein ruhiger Eingangsbereich zum Seniorenzentrum wären das Ergebnis.“ Zudem werden Vorteile für Radfahrer (Radnetz BW) und Fußgänger gesehen, die „in diesem Bereich sicher und komfortabel unterwegs sein“ könnten. „Der VCD würde sich freuen, wenn mit dem Bauprojekt auch das Potential für ein zukunftsträchtiges Verkehrskonzept genutzt würde.“

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Hermaringen

Erneut Thema im Gemeinderat


Das Thema modifizierte Verkehrsplanung am Bahnhof einschließlich Beschluss und Vergabe der Planungsaufgabe steht am Donnerstag, 20. Mai, um 18 Uhr auf der Tagesordnung des Hermaringer Gemeinderats. Die Sitzung findet in der Güssenhalle statt.