Hermaringen / Brigitte Malisi In einer Sondersitzung rang der Hermaringer Gemeinderat um die richtige Entscheidung. Das Ingenieurbüro musste harte Kritik einstecken.

Bauen oder doch lieber verschieben? Die jetzige Variante oder vielleicht doch eine kleinere Ausführung? Die spannenden Fragen rund um den Neubau der Brenzbrücke Kronenstraße gingen am Donnerstagabend in eine neue Runde. Der Gemeinderat traf sich zu einer Sondersitzung, um noch einmal alle Argumente abzuwägen und genau nachzurechnen. Und genau das brachte schließlich noch eine weitere Variante ins Spiel: Hans Ott (UBV) beantragte zu prüfen, ob angesichts der Kostenexplosion nicht doch eine Sanierung der Brücke sinnvoll sein könnte. Er erinnerte daran, dass die Brückenprüfung ergeben habe, dass eine Sanierung durchaus möglich wäre, damals aber wirtschaftlich gesehen keine Option gewesen sei.

Lieber doch sanieren?

Das sollte seiner Ansicht nach nun noch einmal überdacht werden. Mit den Zahlen, die jetzt auf dem Tisch lägen, sei es fraglich, ob eine Brücke in dieser Dimension beschlossen worden wäre, bezweifelte er. Mit Ulrich Mäck vom Ingenieurbüro Gansloser ging Ott hart ins Gericht. 2008 habe man mit einem Quadratmeterpreis von 2300 Euro gerechnet, im Jahr 2015 mit 3000 Euro, 2017 habe man schon bei 5000 Euro pro Quadratmeter gelegen und die Rechnung heute ergebe einen Quadratmeterpreis von 9600 Euro. Für ihn sei das unverständlich, so Ott. Er warf Mäck vor: „Sie haben Ihre Zahlen nicht im Griff.“

Ott entschuldigte sich bei den Anliegern, die durch die Tonnage-Begrenzung Umwege in Kauf nehmen müssten, aber die Gemeinde habe in Zukunft wichtigere Aufgaben. Er werde dem Millionenbau nicht zustimmen und stattdessen eine Sanierung beantragen.

Stefan Czichon (WDA) schloss sich dieser Ansicht an. Und erinnerte daran, dass Ingenieur Mäck in der letzten Sitzung gesagt habe, dass die Brücke noch fünf Jahre halten werde, wenn man weiterhin die Einschränkung auf 3,5 Tonnen beibehalte. Diese Aussage wollte Mäck nicht so stehen lassen. Man könne ja nicht ausschließen, dass da ein Betonmischer darüberfahre, wenn das neue Baugebiet Mühlfeld erschlossen werde.

Eigenanteil wäre höher als erwartet

Die Verwaltung hatte die Zahlen noch einmal gegenübergestellt und errechnet, dass, wenn man an den günstigsten Bieter vergeben würde, der Eigenanteil der Gemeinde rund 118 000 Euro höher läge als erwartet. Sollte man nicht vergeben, müsste man den Zuschuss aus dem Ausgleichsstock (140 000 Euro) in jedem Fall zurückgeben. Man könne ihn neu beantragen, aber mit ungewissem Erfolg, erläuterte Bürgermeister Mailänder.

Zwei Wochen zuvor hatten das Angebot eines Bauunternehmens, das um 35 Prozent über der Kostenberechnung liegt, zunächst dazu geführt, dass die Verwaltung die Ausschreibung aufheben wollte. Auch die Gemeinderäte tendierten in diese Richtung - zunächst. Martin Gansloser (UBV) wendete schließlich das Blatt. Er hatte Zweifel, dass die Brücke in den nächsten Jahren günstiger zu bauen sein werde. Und genau das waren auch jetzt wieder die Argumente mit denen Gerhard Burkhardtsmaier (UBV), Wolfgang Nothelfer und Robert Schmid (beide CDU-FWG) die jetzige Vergabe unterstützten. Die Baupreise würden weiter anziehen und Fachfirmen für Brückenbau seien gefragt. Davon war auch Ute Kölbel (CDU-FWG) überzeugt und sie gab zu bedenken, dass man nicht ewig planen und dann auf halben Weg stoppen könne: „Irgendwann werden wir unglaubwürdig.“

Falsche Entscheidung?

Hans-Dieter Diebold (WDA), der immer wieder für eine kleinere Brücke-Variante plädiert hatte, verwies darauf, dass auch der Kostenanteil der Gemeindewerke erheblich ansteigen werde. (Sie tragen die Kosten für die bauzeitliche Rohrbrücke). Er war zudem überzeugt, dass sich der Gemeinderat zu einer falschen Entscheidung habe verleiten lassen. Das wollte Karl Braun (UBV) so nicht stehen lassen. Er habe sich ganz bewusst für diese Variante entschieden. Man plane ein Bauwerk mit einer enorm langen Lebensdauer, und es bestehe keinerlei Möglichkeit spätere Nachrüstungen vorzunehmen.

Jetzt doch eine schmalere Brücke zu bauen, wäre die Gemeinde nicht billiger gekommen, sondern sogar noch teurer, wie eine Berechnung ergeben hatte. Nachdem bereits Honorare für die bisherigen Planungen angefallen sind, kämen weitere Umplanungskosten dazu. Der Zuschuss aus dem Ausgleichsstock wäre ebenfalls weg und außerdem müsste durch die zeitliche Verschiebung vorab zumindest das Geländer instandgesetzt werden.

Der Antrag von Hans Ott, den Neubau der Brücke abzusagen und das alte Bauwerk stattdessen zu sanieren, wurde schließlich mit zwei Ja-Stimmen und einer Enthaltung abgelehnt. Mit drei Gegenstimmen entschied sich der Gemeinderat dafür, den Neubau an die Firma Andreas Stark GmbH & Co. KG Aalen zu vergeben.

Verwirrung um die Kosten

Da hatten die Hermaringer Gemeinderäte die Zahlen der Brenzbrücke ja nun wirklich ganz genau unter die Lupe genommen, doch letztendlich scheint sich nun ausgerechnet bei der Vergabe ein Fehler eingeschlichen zu haben.

Das günstigste Angebot lag laut Sitzungsvorlage inklusive der bauzeitlichen Rohrbrücke bei rund 1.646.100 Euro brutto. Im Beschluss, den Bürgermeister Jürgen Mailänder verlesen hatte, tauchte dann aber die Zahl 1.697.000 Euro auf. Ein Unterschied von fast 51.000 Euro.

Dazu kommt die Frage, ob darin die bauzeitliche Rohrbrücke enthalten ist oder nicht? Im Angebot der Firma Stark GmbH & Co KG war sie mit einberechnet. Bei der Vergabe des Gemeinderates müsste sie eigentlich herausgerechnet sein, da die Kosten von den Gemeindewerken getragen werden. Nachfragen von den Gemeinderäten kamen nicht, so richtig hatte wohl niemand mehr zugehört.

Nachdem für die Sitzung am Donnerstag viele der Beteiligten ihren Weihnachtsurlaub unterbrochen hatten, waren sie am Freitag für Nachfragen nicht zu erreichen. Bürgermeister Jürgen Mailänder war ebenfalls nicht im Dienst und hatte daher keinen Zugriff auf die entsprechenden Unterlagen. Er reagierte aber dennoch per Mail. Er gehe davon aus, dass es sich um ein Versehen handele und es bei der ursprünglichen Vergabesumme bleibe, in der auch die Kosten der Rohrbrücke enthalten seien. Er habe die Zahlen verlesen, die ihm Ulrich Mäck vom Ingenieurbüro Gansloser gegeben habe. Dieser war am Freitag nicht zu erreichen.