Es war toll, endlich wieder vor Publikum aufzutreten“, sagt Lisa Gassner, die die öffentlichen Generalproben der Jazztanzgruppen des SSV Hermaringen organisiert. Und Publikum war am Samstag reichlich vorhanden. Gut 300 Besucherinnen und Besucher füllten die Güssenhalle und beklatschten die sechs Tanzgruppen. Insbesondere für die Kleinen, die Jazz-Flöhe und Jazz-Zwerge, freute sich Gassner. „Die Kleinsten bei uns sind zwischen vier und sechs Jahren alt und wegen Corona wussten sie noch gar nicht, wie sich Auftritte vor Publikum anfühlen.“

Die mehrjährige Zwangspause ging aber auch an den erwachsenen Tänzern nicht spurlos vorbei. Die Nervosität war größer als sonst. Und die Vorfreude. „Sonst treten wir ja regelmäßig bei Dorffesten und Seniorenfeiern auf“, sagt Gassner. „Das ist ja alles weggefallen, genauso wie die Wettkämpfe.“ Trotzdem ist Gassner, die auch eine Gruppe trainiert, sehr zufrieden mit der Performance. „Ein paar Kleinigkeiten haben nicht gepasst, aber wenn mal ein Arm in die falsche Richtung geht, fällt das nur uns auf und in der Regel nicht dem Publikum.“

Ein Jahr für einen Tanz

Dafür, dass alles rund und vor allem möglichst synchron läuft, bedarf es viel Training. Um einen neuen Tanz einzustudieren, braucht es gut ein Jahr. „Es geht ja um mehr, als nur die Schritte zu lernen“, erklärt Gassner. „Schwieriger ist es, am Ausdruck zu arbeiten.“ Etwa am Gesichtsausdruck? „Auch das. Es geht ja um die gesamte Ausstrahlung. Und auch darum, was man durch den Tanz rüberbringen will, etwa Freude oder Leidenschaft.“

Lisa Gassner selbst hat vor 20 Jahren mit dem Jazzdance angefangen, da war sie sieben. Wie kam sie dazu? „In Hermaringen gehen gefühlt alle Mädels zum Jazzdance. Das war früher so und gilt heute auch noch“, sagt sie. „Man will da einfach dabei sein.“ Und offenbar gilt das nicht nur für die Hermaringer Mädchen, mittlerweile kommen die Tänzerinnen auch aus Giengen, dem Bachtal oder Heidenheim.

2200 Euro fürs Kinderheim

Seit 2015 sind die Generalproben der Jazztanzgruppen öffentlich. „Davor haben wir für Eltern und Freunde getanzt, aber wir hatten die Idee, das größer aufzuziehen“, sagt Gassner. Und das war ein voller Erfolg. „Jedes Jahr kommen mehr Leute, der Bürgermeister ist dabei und freut sich und die Halle ist voll.“ Die Einnahmen aus der Tanzgala fließen nicht an den Verein. „Das Geld wird jedes Jahr für einen guten Zweck gespendet“, so Gassner. Heuer kamen rund 2200 Euro zusammen, die an das Kinderheim St. Clara in Gundelfingen gehen werden. „Wir wollen den Kindern nicht nur das Tanzen beizubringen, wir wollen auch Werte vermitteln“, erklärt Gassner die Beweggründe.

Die Wettkampfsaison beginnt

Die öffentliche Generalprobe ist für die Jazztänzer übrigens auch immer der Startschuss in die Wettkampfsaison. Die beginnt am 8. Oktober. Für den ersten Dance Cup geht es nach Kemnat (Ostfildern). Der zweite wichtige Termin ist der 12. November. Dann findet der Ostwürttemberg Dance Cup in Giengen statt.

90 Tänzerinnen und ein Tänzer stehen dafür in den Startlöchern. Eigentlich genauso viele wie vor Corona. Wie ist das gelungen? „Wir hatten, wie viele andere Vereine auch, Angst, dass viele Mitglieder abspringen werden, aber das war nicht der Fall“, so Gassner. Ein Grund: Während des Lockdowns bot man für die Erwachsenen Online-Training an. „Da konnten wir zwar keine neuen Choreografien einstudieren, aber zumindest gemeinsam ein Workout absolvieren.“ Und zusätzlich wurde eine Laufchallance gestartet. „Alle Jazzmädels waren aufgerufen zu laufen oder zu joggen und die Kilometer wurden von Sponsoren vergütet“, so Gassner. „So sind wir in Kontakt geblieben und jeder hatte das Gefühl, dass es die Gruppe noch gibt und man ein Teil davon ist.“

Freitags wird trainiert


Die sechs Jazztanzgruppen des SSV Hermingen trainieren jeden Freitag in der Güssenhalle. Wer vorbeischauen möchte, ist eingeladen. Die Uhrzeiten der sechs verschiedenen Gruppen finden sich auf ssv-hermaringen.de