Hermaringen / Brigitte Malisi Kinder wissen heute oft nicht mehr viel über die Herkunft und die Verarbeitung von Lebensmitteln. Ein Projekt hilft dabei, Kontakte zu knüpfen und mit allen Sinnen zu lernen.

Dass Kühe nicht lila sind, das wissen die Mädchen und Jungs der zweiten Klasse der Hermaringer Rudolf-Magenau-Schule natürlich. Doch obwohl sie auf dem Land wohnen und es etliche Bauernhöfe im Ort gibt, haben viele Kinder nur noch wenig Bezug zur Landwirtschaft, weiß Daniela Schweikhart vom Forum Ernährung des Landkreises. Sie rührt deshalb die Werbetrommel für die Aktion „Lernort Bauernhof“, mit der sie Schulklassen und Landwirte zusammenbringen möchte. Viele Kinder wüssten heute nur wenig über die Herkunft und die Erzeugung von Lebensmitteln, über die regionale Vielfalt und die Bedeutung für die eigene Ernährung. Das lasse sich aber nirgends besser und nachhaltiger erleben als direkt vor Ort.

An diesem Nachmittag sind deshalb die Mädchen und Jungs mit Lehrerin Cornelia Härtner zu Besuch auf dem Biohof Gansloser in Hermaringen. Dabei soll es diesmal nicht um Kühe gehen, sondern um viele andere Tiere und Pflanzen in der Natur – Biodiversität ist das Stichwort. Ganz schön kalt ist es und deshalb haben sich viele Igel auch schon ein warmes Plätzchen zum Überwintern gesucht, erklärt Bärbel Gansloser den Kindern und zeigt, wie so ein Igelhaus mit viel Laub drumherum aussehen kann.

Wer hält eigentlich Winterschlaf? Welches Tier nur eine Winterruhe? Und was ist eine Kältestarre? Daniela Schweikhart kann den Kindern dazu eine Menge erzählen. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei den zotteligen Ponys geht es hinaus aufs Feld. Gibt es so kurz vor dem Winter überhaupt noch etwas zu sehen? Der Raps blüht jedenfalls noch und zwischendrin Ackersenf und Ölrettich, den Reiner Gansloser den Kindern zeigt. Doch wer vermutet, dass daraus Futter für die Kühe wird, liegt falsch. In diesem Fall sind die Pflanzen sozusagen „Futter“ für den Boden, erklärt Gansloser den Kindern. Die Pflanzen verrotten und düngen den Acker. Zugleich verhindern sie, dass Regen die Nährstoffe aus der Erde herausspült.

Lernen mit allen Sinnen

Auch Schulleiterin Cornelia Härtner hört interessiert zu. Natürlich könnte sie das alles den Kindern auch im Klassenzimmer erklären. Zum einen habe sie aber hier die Experten, die das viel besser könnten, und zum anderen ist sie überzeugt, dass Lernen am besten mit allen Sinnen passiert. Der Eindruck bei den Kindern sei ein ganz anderer, und sie könnten sich an die Dinge später auch viel besser erinnern. Im Bildungsplan nenne sich das „Realbegegnungen“ und diese sollten nach Möglichkeit genutzt werden.

Die Kinder finden es jedenfalls super und sind auch noch mit Feuereifer bei der Sache, als Johanna Böll, die Regionalmanagerin für die Bio-Musterregion, sie Apfelschnitze probieren lässt. Alles Äpfel aus heimischen Gefilden und doch schmeckt jeder ganz anders.

Bärbel und Reiner Gansloser haben sich viel Zeit genommen an diesem Nachmittag, denn auch sie wissen, dass schon ein paar Straßen weiter im Neubaugebiet zwischen Steingärten und millimeterkurzem Rasen viele Menschen nur wenig über ihre tägliche Arbeit wissen. Oft genug bestünden sogar falsche Vorurteile.

Zugleich müssen aber auch die Lehrer überzeugt werden, dass es sich lohnt, den Kindern die Natur und die Landwirtschaft vor Ort nahezubringen. Eine Lehrerfortbildung für das Projekt „Lernort Bauernhof“ musste mangels Interesse abgesagt werden. Im Frühjahr werde man einen neuen Anlauf machen, so Schweikhart.

Die Zweitklässler machen sich derweil wieder auf den Heimweg, natürlich nicht ohne einen Abstecher zum gerade an diesem Nachmittag frisch geborenen Kälbchen.

Das Projekt

Ziel des Landesprojektes „Lernort Bauernhof“ ist es, wieder mehr Kontakt zur Landwirtschaft herzustellen, damit das Wissen über die Herkunft und Verarbeitung von Lebensmitteln bei den Verbrauchern gefördert wird. Im Landkreis Heidenheim beteiligen sich sieben Höfe mit unterschiedlichen Schwerpunkten daran und laden Schulklassen aller Altersgruppen zu sich ein. Die Koordination und Fortbildung übernimmt Daniela Schweikhart vom Fachbereich Landwirtschaft beim Landratsamt Heidenheim. mai