Hermaringen / Brigitte Malisi 2019 ist nicht die Frage, ob der Borkenkäfer auftreten wird, sondern wie schlimm es wird. Den Bäumen könnte jetzt nur noch viel Regen helfen.

Der Borkenkäfer hat den Hermaringer Gemeindewald fest im Griff. Die Trockenheit des vergangenen Jahres hat die Menge der befallenen Bäume enorm ansteigen lassen. „Wir haben die Käferholzherde einfach nicht zum Stillstand gebracht“, berichtete Revierleiter Friedrich Bosch im Gemeinderat über die enormen Anstrengungen. In diesem Jahr stellt sich nicht die Frage, ob es Käferbefall geben wird, sondern wie schlimm es wird. Die Böden im Wald seien jetzt schon sehr trocken, berichtete Bosch. Man sei mit einem extremen Niederschlagsmangel ins Jahr gestartet, und wenn es in der Vegetationsperiode jetzt nicht ordentlich regne, werde es schwierig.

Diese Erfahrung bestätigte Oberforstrat Pascal Hecht für den gesamten Wald. Sturmholz und Trockenheit hätten dem Borkenkäfer ideale Bedingungen beschert und bis zu drei Generationen an Käfern hätten sich im vorigen Jahr entwickeln können. Man müsse permanent draußen sein, um den Käferbefall in Schach zu halten. Die einzige wirksame Methode, den restlichen Wald vor dem Schädling zu schützen, sei eine möglichst frühe Erkennung und der schnelle Abtransport des befallenen Holzes.

Holzeinschlag reduziert

Den Forstwirtschaftsplan hatte diese Entwicklung ordentlich durcheinandergebracht. Die Preise gingen aufgrund des Überangebots steil nach unten. In Hermaringen änderte man deshalb die Strategie und beschränkte sich auf das Nötigste. Statt 800 Festmeter wurden nur 662 Festmeter geschlagen, davon waren 357 Festmeter vom Borkenkäfer befallen. Das Sturmholz mit 48 Festmeter spielte eine geringe Rolle. Dennoch konnte noch ein Überschuss von 16 774 Euro erwirtschaftet werden.

Wie sich die Zahlen in diesem Jahr entwickeln werden, sei derzeit noch nicht abzusehen, berichtete Bosch. Vorgesehen seien eigentlich 900 Festmeter (geplanter Überschuss rund 18 000 Euro), doch der Plan sei aufgestellt worden, als die derzeitige Entwicklung noch nicht abzusehen gewesen sei.

Gemeinderat Hans Ott fragte nach, ob es nicht sinnvoll sei, einen Einschlagstopp zu verhängen und abzuwarten, bis sich die Preise wieder stabilisieren. In Hermaringen fahre man ohnehin bereits die Taktik, so wenig wie möglich zu schlagen, erklärte Oberforstrat Hecht.

Wolfgang Nothelfer sorgte sich, dass auch die privaten Waldbesitzer rechtzeitig auf einen Befall des Borkenkäfers reagieren. Revierleiter Bosch konnte jedoch beruhigen. Die Förster hätten auch ein Auge auf den Privatwald und in Hermaringen kämen die Besitzer auch direkt auf ihn zu.

Ein Käfer: bis zu 100 000 Nachkommen

Trockenheit schafft ideale Lebensbedingungen für den Borkenkäfer, da die Fichten nicht ausreichend Harz zur Abwehr bilden können. Im vergangenen Jahr konnten sich drei Käfergenerationen entwickeln. Ein einziges Tier kann dabei bis zu 100 000 Nachkommen erzeugen.

Die Käfer bohren sich unter die Rinde und legen dort Brutgänge für ihre Nachkommen an. Das führt zum Absterben der befallenen Bäume. Nach der abgeschlossenen Entwicklung einer Generation schwärmen die Käfer in großen Mengen zu den nächsten Bäumen aus.

Eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung gibt es derzeit noch nicht. Versuche mit Mikroorganismen (z. B. Pilze) sind bisher fehlgeschlagen. Pheromonfallen brachten nicht den erhofften Erfolg. Sie werden aber immer noch genutzt, um das Schwarmverhalten der Käfer zu beobachten, so Oberforstrat Pascal Hecht.