Hermaringen / Brigitte Malisi Wie haben sich die Bewohner rund drei Wochen nach ihrem Umzug von Giengen nach Hermaringen eingelebt?

Baumaschinen, Metallabsperrungen, jede Menge Dreck– das Gelände des neuen Johanniter-Seniorenhauses ist immer noch fest in der Hand der Bauarbeiter. Hausleiterin Helene Reisenhauer blickt aus ihren Bürofenster im Erdgeschoss direkt auf die Rückwand eines Containers.

Das stört sie aber kein bisschen, Reisenhauer ist einfach glücklich, dass drei Wochen nach dem großen Umzug von Giengen nach Hermaringen alles so gut klappt. Die Bewohner und das Pflegepersonal seien im Haus angekommen und langsam kehre Routine ein, schildert Reisenhauer ihren Eindruck.

Keine Probleme mit der Umstellung

Exakt 69 Bewohner des Johanniter-Hauses in Giengen sind nach Hermaringen gewechselt und mit ihnen die Pflegerinnen und Pfleger. Ein aufregender Tag für alle Beteiligten sei das gewesen. Zum Teil haben ihn die Bewohner aber schon wieder verdrängt.

Wie der Umzug denn so gewesen sei? Ach, das sei doch schon so lange her, winkt ein älterer Herr ab. Auch die 89-jährige Elisabeth Mack hatte mit der Umstellung auf ihr neues Zuhause keine Probleme. Das Zimmer sei zwar klein, aber mit den großen bodentiefen Fenstern sehr hell.

Sogar ein paar persönliche Möbel hätten noch ein Plätzchen gefunden, sagt Mack und lobt das großzügige Bad mit der praktischen Schiebetür. Das neue Gebäude mit den breiten Fluren und vielen Sitzgelegenheiten findet sie richtig toll.

Das Allerbeste aber sei das schicke Restaurant im Erdgeschoss, sagt Elisabeth Mack. Wer mobil ist, und Lust darauf hat, kann sich hier selbst an der Theke bedienen. Das Essen für die Bewohner wird vom hauseigenen Küchenteam frisch zubereitet.

Rückkehr nach 66 Jahren

Gerda Krbecek hat es sich in ihrem Zimmer ebenfalls bereits gemütlich eingerichtet. Für die fast 90-Jährige hat der Umzug nach Hermaringen eine ganz besondere Bedeutung, denn sie hat 66 Jahre ihres Lebens in Hermaringen verbracht.

Hier hat sie mit ihrem Mann ein Haus an der Beethovenstraße gebaut und den gemeinsamen Sohn großgezogen. Jetzt ist sie in ihren Heimatort zurückgekehrt und mit ihr viele Erinnerungen. 17 Jahre war sie alt, als sie mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern aus Schlesien nach Hermaringen flüchtete. Beim Bauer Moser an der Kronenstraße habe man damals Unterschlupf gefunden, erinnert sich Krbecek.

Jetzt, im Seniorenhaus, wohnt sie Tür an Tür mit ihrem Schwager Josef Mayer. Auch ihn hatten die Kriegswirren vor langer Zeit nach Hermaringen verschlagen, später zog er dann nach Giengen. Damit sind sozusagen gleich zwei ehemalige Hermaringer wieder in den Ort zurückgekehrt.

Zweites Gebäude eröffnet Anfang 2020

Das neue Seniorenheim soll nun ermöglichen, dass andere betagte Bürger ihren Heimatort erst gar nicht verlassen müssen. Denn genau das hatten sich die Hermaringer bei einer Umfrage gewünscht.

Das zweite Gebäude mit betreuten Wohnungen, Kurzzeitpflegeplätzen und einer weiteren Wohngruppe könnte voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres in Betrieb gehen, berichtet Hausleiterin Reisenhauer. Nach und nach werden dann auch die Außenanlagen fertiggestellt. Auf den geplanten Brenzbalkon sind alle schon ganz gespannt. Mal schauen, welchen Ausblick Helene Reisenhauer dann aus ihrem Büro haben wird.

Bildergalerie Tag der offenen Tür im Johanniter-Seniorenzentrum

Von der Altenpflegerin zur Leiterin

Die Leiterin des Hermaringer Seniorenzentrums ist sozusagen ein Johanniter-Eigengewächs. Nachdem ihre Kinder älter waren, entschloss sich Helene Reisenhauer 2005 zunächst für eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Durch fortlaufende Weiterbildung kletterte sie dann Stufe für Stufe nach oben und übernahm 2017 die Leitung des Seniorenhauses in Giengen. Nachdem die Einrichtung dort geschlossen wird, ist sie mit ihrem gesamten Team nach Hermaringen gewechselt. Dass sie selbst den Beruf von der Pike auf gelernt hat, sieht sie als großen Vorteil. Sie könne dadurch viele Dinge besser einschätzen und bessere Tipps geben, sagt sie.