Der Blick auf die Finanzlage der Städte und Gemeinden dürfte in Zeiten von Corona so manchem Kämmerer die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Da ist man in der kleinsten Gemeinde im Kreis in einer relativ komfortablen Lage: Eine der wichtigsten Einnahmequellen, die Gewerbesteuer, sprudelt in diesem Jahr sogar noch üppiger als erwartet. Die Hermaringer Betriebe scheinen bisher gut durch die Krise zu kommen, allen voran Hauff-Technik. Für Hermaringen bedeutet das bei der Gewerbesteuer voraussichtliche Mehreinnahmen von rund einer halben Million Euro. Damit liege das diesjährige Aufkommen noch einmal deutlich über dem Vorjahr (2,87 Millionen Euro), wie Kämmerin Karin Wilhelmstätter den Gemeinderäten in ihrer Sitzung in der Güssenhalle erläuterte. Nur ein paar wenige Unternehmen im Ort hätten die Möglichkeit genutzt, die Vorauszahlung für das laufende Jahr auf Null zu setzen. Bei der Einkommensteuer wird Hermaringen allerdings, wie alle Städte und Gemeinden, Verluste hinnehmen müssen. Da das Gesamtsteuereinkommen im Land voraussichtlich deutlich sinken wird, rechnet Wilhelmstätter bei der Einkommensteuer mit Mindereinnahmen von rund 147 000 Euro. Weniger Geld als geplant konnte zudem aus Grundstückverkäufen erwirtschaftet werden. Bei einem größeren Grundstück im Gewerbegebiet kam es zu keinem Vertragsabschluss und an der Ecke Friedrich-/Karlstraße konnte nur ein Teil veräußert werden.

Wilhelmstätter berichtete weiter, dass einige Ausgaben, die noch für dieses Jahr vorgesehen waren, erst im nächsten Jahr zum Tragen kommen. So startet die Sanierung im Bahnhofsbereich erst im kommenden Jahr, und rund 700 000 Euro für den neuen Kindergarten werden ebenfalls erst 2021 fällig. Dafür wird für den Ankauf der beiden Stockwerke im Gesundheitshaus (Apotheke und Arztpraxis) mehr Geld ausgegeben als geplant. Das liege daran, dass der Bau schneller voranschreite als erwartet, erklärte Wilhelmstätter. Insgesamt gibt die Gemeinde 815 000 Euro aus, damit seien fast 77 Prozent der Gesamtkosten dann bereits in diesem Jahr bezahlt.

Fazit von Kämmerin Wilhelmstätter zum Haushaltsjahr 2020: „Wir dürfen uns wirklich nicht beklagen“. Das könne im nächsten Jahr schon ganz anders aussehen, so ihre Befürchtung. Man wäre wohl gut beraten, sich auf ein Konsolidierungsjahr einzustellen.

In dieser Richtung ging auch die Empfehlung von Bürgermeister Jürgen Mailänder. Der Gemeindetag habe schon darauf hingewiesen, dass das kommende Jahr deutlich schwieriger werden dürfte. Man werde deshalb kaufmännische Vorsicht walten lassen und „wir werden auf keinen Fall größere neue Projekte beginnen“, so Mailänder. Mit der Fertigstellung des Bahnhofsumfeldes und des Kindergartens bleibe aber noch genügend zu tun. Brigitte Malisi