Hermaringen / Brigitte Malisi Hermaringen erhält als einzige Kommune im Landkreis Heidenheim keine Schlüsselzuweisungen des Landes, zahlt dafür aber sehr hohe Umlagen. Investiert werden soll 2020 vor allem in Baumaßnahmen.

Mit einem historischen Höchstwert an Investitionen wird die Gemeinde Hermaringen ins Haushaltsjahr 2020 gehen. Rund 5,8 Millionen Euro wird die kleinste Kreisgemeinde in erster Linie für Baumaßnahmen (rund 4,2 Millionen Euro) ausgeben.

Dabei stehen im Vergleich zum laufenden Jahr nicht viele neue Projekte an, vielmehr wird bereits Begonnenes fortgeführt.

Für das Baugebiet Mühlfeld wird die Erschließung weitergehen und für die Erweiterung des Gewerbegebietes Berger Steig soll der Startschuss fallen. Diese Maßnahmen schlagen allein schon mit fast 900 000 Euro zu Buche. Die Ausgaben werden jedoch durch den Verkauf der Bauplätze auch wieder in die Gemeindekasse zurückfließen.

Rund 700 000 Euro sind für den Neubau des Kindergartens eingeplant, die Brücke an der Kronenstraße schlägt noch einmal mit 580 000 Euro zu Buche, dazu kommt die Neugestaltung des Mühlenhofs und des Bahnhofsumfeldes mit weiteren 850 000 Euro.

570 000 Euro gibt Hermaringen im kommenden Jahr als erste Rate für den Kauf der Praxis- und Apothekenräume im geplanten Neubau am Bahnhof aus – in der Hoffnung, hier tatsächlich entsprechende Interessenten zu gewinnen. 350 000 Euro sind für die Sanierung der Kläranlage eingeplant, die auch in den kommenden Jahren noch viel Geld verschlingen wird.

Auf der Einnahmenseite wird Hermaringen auch dieses Jahr nicht mit Schlüsselzuweisungen des Landes rechnen können. Als einzige Gemeinde im Kreis Heidenheim, wie Bürgermeister Jürgen Mailänder bei der Einbringung des Haushaltes im Gemeinderat betonte. Das ist der Preis dafür, dass die letzten Jahre in Hermaringen finanziell sehr gut liefen und die Steuerkraftsumme entsprechend hoch ist. Pro Kopf gerechnet liege Hermaringen dabei mit Abstand an der Spitze im Kreis, verkündete Mailänder nicht ohne Stolz.

Wie Kämmerin Karin Wilhelmstätter erläuterte, steigen zugleich im Vergleich zu 2019 noch einmal die Umlagen, die an den Kreis (1,42 Millionen Euro) und an das Land (rund eine Million Euro) zu bezahlen sind. Zusammengerechnet sind das 475 000 Euro Mehrkosten, die den Haushalt belasten.

2,6 Millionen Gewerbesteuer

Weiterhin wichtigste Einnahmequelle bleibt die Gewerbesteuer, die mit rund 2,6 Millionen Euro angesetzt ist und damit etwas höher liegt als im Vorjahr. Allerdings kommt der Gemeinde in diesem Jahr zugute, dass der Hebesatz der Gewerbesteuerumlage durch den Wegfall der Finanzierung des „Fonds Deutscher Einheit“ deutlich gesunken ist. Statt einer halben Million Euro muss Hermaringen nur etwa die Hälfte des Betrages abführen. Der Gemeindeanteil aus der Einkommensteuer beträgt rund 1,4 Millionen Euro und die Grundsteuer bringt noch mal weitere 367 000 Euro.

Trotz einer Kreditaufnahme von knapp 250 000 Euro (zur Finanzierung der Praxis- und Apothekenräume) werden die Schulden der Gemeinde (rund 2,6 Millionen Euro) nicht weiter steigen, da gleichzeitig Kredite getilgt werden.

Umlagen erneut gestiegen

Um alle Ausgaben bestreiten zu können, greift die Gemeinde im kommenden Jahr auf ihre liquiden Mittel zurück, die von rund 1,8 Millionen Euro zum Ende nächsten Jahres dann auf rund 300 000 Euro schrumpfen werden.

Rein haushaltstechnisch gesehen schafft Hermaringen in diesem Jahr keinen ausgeglichenen Haushalt, da die Abschreibungen nicht komplett erwirtschaftet werden können. In erster Linie liege das an den sehr hohen Umlagen an Kreis und Land, die im Vergleich zum Vorjahr nochmals enorm angestiegen sind. Dieser Einmaleffekt werde sich aber bereits im kommenden Jahr wieder regulieren, zeigte sich Wilhelmstätter zuversichtlich.