Hermaringen / Brigitte Malisi Der Regelunterricht läuft wieder, aber von Normalität ist man an der Rudolf-Magenau-Schule noch weit entfernt. Davon machte sich der Landtagsabgeordnete jetzt ein Bild.

Aus dem einen Klassenzimmer hört man Kinderstimmen, im anderen erklärt gerade die Lehrerin Mathe, und in der Schulküche wird schon das Mittagessen vorbereitet. Auf den ersten Blick sieht es in der Rudolf-Magenau Schule aus, als ob wieder Alltag eingekehrt ist. Seit dieser Woche läuft an Baden-Württembergs Schulen wieder Regelbetrieb „unter Pandemiebedingungen“, wie es so schön heißt.

Für Schulleiterin Claudia Härtner ist man allerdings von Normalität noch weit entfernt, das erklärt sie an diesem Vormittag auch dem SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Stoch, der zu Besuch gekommen ist. Wie der Unterricht an ihrer Schule derzeit gehalten werde, empfinde sie als Rückschritt. Statt der sonst üblichen Lerninseln, an denen Schülergruppen im ganzen Haus verteilt selbständig ihre Wochenaufgaben erledigen, sei jetzt wieder althergebrachter Frontalunterricht angesagt, damit die Abstandsregeln eingehalten werden und sich möglichst wenige Kinder begegnen.

Dünne Personaldecke

Dennoch ist Härtner froh, dass die Kinder überhaupt wieder unterrichtet werden können und keine Lehrkraft aufgrund einer möglichen Gesundheitsgefährdung zu Hause bleibt. Die Personaldecke sei nämlich schon das ganze Schuljahr über sehr dünn, wie sie berichtet.

Stoch möchte wissen, wie denn der Unterricht in Hermaringen während der Schulschließung gelaufen sei. Neben Arbeitsblättern, die die Kinder selbstständig bearbeiten mussten, die aber auch von Lehrern korrigiert wurden, nutzte man Lern-Apps passend zu den Lehrbüchern, erfährt er. Doch nicht jedes Kind habe zu Hause die Möglichkeit das digitale Lernangebot zu nutzen. Zudem bräuchten die Kinder zumindest beim Anmelden und zum Teil auch bei der Nutzung Hilfe. „Ich kann aber den Kindern nichts abverlangen, was ich ihnen nicht beigebracht habe“, so die Bedenken der Rektorin.

Insgesamt, so die Bilanz der Schulleiterin, habe man sich sehr allein gelassen gefühlt. Kritik, die sich an die Adresse von Kultusministerin Susanne Eisenmann richtet. Man habe viel Zeit für die Planung von Konzepten investiert, die letztendlich im Papierkorb landeten, weil sich die Vorgaben aus Stuttgart ständig änderten. Erfahren habe man davon oft aus den Nachrichten, eine vernünftige Kommunikation gebe es bis heute nicht.

Offene Fragen

Härtner macht sich beispielsweise Gedanken darüber, wie zu handeln ist, wenn bei Kindern mögliche Corona-Symptome auftreten sollten: Wer muss dann zu Hause bleiben und welche die Kinder werden getestet? Auch zum Thema Sommerschule, also Förderunterricht während der Ferien, damit Kinder den Lernstoff aufarbeiten können, gebe es noch keinerlei Informationen.

Stoch fragte die Schulleiterin auch, welche Schlüsse sie aus den jetzt gemachten Erfahrungen ziehe und was sie sich für die Zukunft wünsche. Sie hoffe, dass die Pandemie dazu führe, Schule neu zu denken, erklärte Härtner. Viele der Probleme seien gar nicht neu, die jetzige Situation habe sie nur sichtbar gemacht. Sie wünsche sich eine neue Ausrichtung für den Unterricht und neue Formen des Lernens mit dem Ziel, dass ein Kind die Motivation habe: „Ich lerne, weil ich es wissen will.“ Zudem wünschte sich Härtner auch mehr freie Hand, um zusammen mit dem Träger vor Ort, also der Gemeinde, Entscheidungen treffen zu können.