Hermaringen/Takoradi / HZ Nach dem Abi entschied sich Hannah Laib aus Hermaringen für ein Freiwilligenjahr in Ghana. Sie arbeitet dort in einer Schule für Mädchen und junge Frauen.

Mein Name ist Hannah Laib, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Hermaringen. Nachdem ich im Sommer mein Abitur am Werkgymnasium gemacht habe, bin ich nun für einen Freiwilligendienst für elf Monate im westafrikanischen Ghana. Ich wurde vom CVJM Deutschland ausgesandt und arbeite in einer Schule des YMCA Ghana.

Ende August ging das Abenteuer Afrika los und das Wort „Akwaaba“ („Herzlich Willkommen“ in Twi) begrüßte uns freundlich von allen Seiten. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit mit einem Twi-Sprachkurs in Accra, der Hauptstadt, ging es dann für meine Mitfreiwillige Sophie und mich nach Takoradi. Die Stadt liegt westlich an der Küste und ist mit etwa 335 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Ghanas.

Hier arbeite ich am Vocational Training Centre des YMCA Takoradi. Das ist eine Schule für junge Mädchen und Frauen, die hier die Chance auf eine dreijährige Ausbildung zur Köchin oder Schneiderin bekommen. Neben dem Praktischen findet parallel Theorie-, Mathematik- und Englischunterricht statt.

Ein Teil des Englischunterrichts und das Fach „Crafts“, in welchem den Mädchen kleine Handarbeitsprojekte beigebracht werden, ist zu meiner Aufgabe geworden. Neben dem Unterrichten unterstützen wir die Arbeit des YMCA Takoradi und haben das Ziel, Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene auf die Beine zu stellen.

Zurzeit ist hier Trockenzeit, die man, wenn die Sonne auf die Haut strahlt, sehr deutlich spürt. Heftige Regenschauer gehörten jedoch bis vor kurzem auch zum alltäglichen Wetter. Fließendes Wasser haben wir in unserer Wohnung oft, aber nicht immer. In diesem Fall wird mit Eimern Wasser aus einem großen Wasserfass vor dem Haus geholt. Dass der Strom für kurze Zeit weg ist, kann durchaus auch passieren, jedoch gewöhnt man sich sehr schnell daran.

Eingekauft wird fast immer auf dem Markt, der riesig, sehr unübersichtlich und viel belaufen ist. Egal, was man sucht, hier findet man alles: frisches Gemüse und Obst, Kosmetik, Klamotten, Schuhe und sogar Kloschüsseln.

Das meist genutzte Transportmittel des Ghanaers ist das „Trotro“. Das ist ein alter Kleinbus, mit dem man für wenig Geld, kurze Strecken in der Stadt, aber auch Langstrecken zurücklegen kann. Sobald alle Sitzplätze belegt sind, wird losgefahren, ansonsten heißt es Warten. Auch wir quetschen uns täglich nach der Arbeit in eines der „Trotros“, was einem nochmal einen tieferen Einblick in den ghanaischen Alltag gibt.

Egal an welcher Ecke man sich befindet, das Wort „Obroni“ („Weißer“ in Twi) oder ein freundliches „How are you?“ wird einem immer zugerufen. Es entstehen schnell nette Gespräche. Da kann es auch passieren, dass man Liebeserklärungen oder Heiratsanträge von fremden Männern auf der Straße zugerufen bekommt. Dies nehme ich immer mit Humor.

Das Wochenende nutzen wir unterschiedlich. Da wir hier keine Waschmaschine besitzen, waschen wir unsere Wäsche per Hand. Das nimmt natürlich mehr Zeit in Anspruch, als mit einer Waschmaschine zu waschen. Sonst genießen wir die freie Zeit auch gerne an wunderschönen Stränden und versuchen unser Glück beim Surfen. Sonntags geht es für uns, wie auch für die meisten Ghanaer, in die Kirche. Das heißt dann sehr früh aufstehen, da der englische Gottesdienst immer zuerst stattfindet. Im Vergleich zu einem deutschen Gottesdienst wird hier viel gesungen und getanzt und dann kommt es manchmal vor, dass man für bis zu fünf Stunden in der Kirche sitzt.

Weihnachtsstimmung wird bei dem Wetter vermutlich nicht aufkommen und so werde ich Weihnachten höchstwahrscheinlich am Strand verbringen. Da die Schule für drei Wochen Ferien hat, wird die Zeit zum Reisen genutzt und ich werde mit drei weiteren Freiwilligen versuchen, möglichst viel von diesem vielfältigen Land zu entdecken.

Ich wünsche allen eine frohe, besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr. Ganz besonders liebe Grüße an meine Familie, Freunde und an all die Menschen, die aus der Heimat an mich denken.

Wer noch mehr während meiner Zeit hier in Ghana erfahren möchte, darf sich gerne unter hannah.laib@gmx.de bei mir melden

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