Wenn man etwas zustimmen muss, das man eigentlich ablehnen möchte, dann ist das frustrierend. Das erlebten die Hermaringer Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung. Dabei ging es um zwei Plakatwände, die der Supermarkt Netto vor seinem Gebäude platzieren möchte. Knapp vier Meter breit und drei Meter hoch sollen die beiden Tafeln auf einem 1,40 Meter hohen Gestell stehen. Was den Räten dabei überhaupt nicht passt, ist nicht nur der optische Eindruck, von dem sie sich auch Ablenkung der Verkehrsteilnehmer befürchten, sondern vor allem, dass die Gestelle nach ihrer Ansicht viel zu dicht am Radweg stehen.

Bereits Anfang des Jahres hatten die Räte deshalb dem Baugesuch ihre Zustimmung verweigert. Nun hatte das Baurechtsamt des Landkreises den Bauantrag geprüft und für zulässig empfunden. Der schwarze Peter lag nun also wieder auf dem Tisch des Gemeinderats. Denn allen war klar: Verhindern werde man die Sache auch mit einem „Nein“ nicht. Gemeinderätin Ute Laib war enttäuscht – sie hatte erwartet, dass der Supermarkt von sich aus mit den Schildern ein Stück vom Radweg abrücken werde. Karl Braun erinnerte daran, dass man für die Zukunft das Thema Werbeanlagen in der Ortsdurchfahrt angehen und eventuell eine entsprechende Satzung erlassen sollte.

Nachfrage in Sontheim

Bürgermeister Jürgen Mailänder wollte in Sontheim nachfragen, wo den Gemeinderat das gleiche Thema beschäftigt. Unzumutbar sei diese Werbeanlage für die Nachbarn dort, schimpfte Stefan Czichon. Er werde das wieder ablehnen, der Supermarkt könne Werbung auch am Gebäude anbringen.

Bei vier Gegenstimmen ging das Baugesuch schließlich durch, auch wenn ihnen nicht wohl dabei sei, wie alle Räte betonten. Der Bürgermeister will auf jeden Fall das Gespräch mit den Verantwortlichen des Supermarkts suchen, in der Hoffnung doch noch etwas bewirken zu können.